Bauhaus-Renaissance an der Burg Giebichenstein

Halle (dpa) - Es lebe die Werkstatt: Die Hochschule für Kunst und Design in Halle (Sachsen-Anhalt), Burg Giebichenstein, will ihr Bauhaus-Erbe «ausgraben» und zum Primus in der Lehre aufsteigen. Hinter den idyllischen Burgmauern, wo Zeit auf den ersten Blick keine Rolle spielt, soll ein jahrzehntelang verstecktes Vermächtnis wieder aufleben. Zum Doppeljubiläum - 90 Jahre Bauhaus, 20 Jahre Mauerfall - heißt es: Aufbruch. «Neue Professoren, neue Ideen: Im Prinzip sind wir eine neu aufgestellte Hochschule; sie wird sich neu definieren müssen», sagt Burg-Kanzler Wolfgang Stockert.



Welchen Kurs die Burg einschlägt, skizzieren die Studenten mit. Sie wollen im Oktober mit Kommilitonen anderer Hochschulen erörtern, wie Kunst- und Designstudium stärker miteinander vernetzt werden können. Einst verstand das Bauhaus Kunst als Handwerk - mitten in der Industrialisierung. Die Burg habe sogar das Handwerk stärker integriert als das Bauhaus, meint der Historiker Wolfgang Thöner von der Stiftung Bauhaus Dessau. Nun, im Internetzeitalter, wollen die Burg-Studenten dieses Vermächtnis weiterentwickeln.

Für Thöner ist das personelle Erbe nach dem plötzlichen Bauhaus- Aus 1933 von zentraler Bedeutung für die Burg. Schon beim Umzug von Weimar nach Dessau 1925 seien mehrere Bauhäusler nach Halle gekommen, darunter Töpfer-Meister Gerhard Marcks samt Schüler Walter Funkat. Beide amtierten später als Rektor. Trotz einer ganz engen Beziehung - etwa per Ideentausch und gemeinsame Feste - habe die Burg ihr Erbe aber nie stark in den Vordergrund gerückt. «Das hätte sich etwa ein Funkat vor (dem damaligen DDR-Staatsoberhaupt Walter) Ulbricht nicht getraut, das wurde zögerlich erst Ende der 60er Jahre angefangen», so Thöner.

Die Bauhaus-Ideen der Experimentierfreude und der Integration verschiedener Gattungen sind laut Stiftung Bauhaus Dessau aber Allgemeingut geworden. «Es macht wenig Sinn die Ideen von damals auf heute zu übertragen», sagte Sprecher Andreas Kühnlein. «So was droht relativ schnell beliebig zu werden.» Laut Thöner ist das Bauhaus «so vielfältig, dass man es auf verschiedene Weisen beerben kann».

An der Burg wird laut Rektor Ulrich Klieber «unaufgeregt, ohne große Stars, ohne große Skandale, und intensiv gearbeitet». Die Ideen sind nicht immer neu. Angehende Modedesigner zeigten kürzlich eine Kollektion mit Schuluniformen als Leitmotiv, das die britische Modekönigin Vivienne Westwood bereits im Frühjahr nutzte. An Partnerhochschulen in Tokio, New York, Havanna, Helsinki, Warschau und bald auch Syrien könnten Studenten ihren Horizont erweitern, schwärmt Klieber. Frühere Absolventen arbeiten heute etwa bei Hugo Boss und dem Star- Architekten Norman Foster.

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