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Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
09.09.2021
Lesedauer
7 Minuten
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Berlin Fashion Week zwischen Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
09.09.2021

Wer derzeit an Berlin denkt, wird wohl eher an die bevorstehende Bundestagswahl und Merkels Nachfolge als an Mode denken. Dennoch hat die mit Wahlplakaten übersähte Hauptstadt mit der Mercedes Benz Berlin Fashion Week in dieser Woche neben Politik noch allerhand anderes zu bieten.


 


 
Eines der bemerkenswerten Dinge an der 16-jährigen Regierungszeit von Angela ist, dass sie es geschafft hat, Deutschland in Europa zu stärken, ohne seine europäischen Nachbarn zu verunsichern. Dasselbe gilt jedoch nicht für die Mode. Wenn überhaupt, bleibt es ein Rätsel, warum die deutsche Kultur, die in so kreativen Bereichen wie Kunst, Architektur und Fotografie sehr einflussreich ist, in der Ära Merkel in Sachen Mode eher an Boden verloren hat.
 
Als Angela an die Macht kam, inszenierte Karl Lagerfeld bei Chanel, der wichtigsten Couture-Marke überhaupt, die größten Schauen der Welt; Jil Sander hatte die feministische Mode geprägt und angeführt, und Berlin hatte eine aufblühende Club- und Street-Fashion-Szene. Heute zieht es die wenigen prominenten jungen Designer eher ins Ausland: Lukas und Lucie Meier bei Jil Sander, die GmbH-Gründer Serhat Isik und Benjamin Huseby, die kürzlich die kreative Leitung von Trussardi übernommen haben, oder Indie-Designer wie Lutz Huelle, der seine Kollektionen auf den Pariser Laufstegen präsentiert.
 
Es ist schwer, sich an einen deutschen Designer zu erinnern, der es in die Endrunde des LVMH Preises, der höchstdotierten Auszeichnung für junge Talente in der Modebranche, geschafft hat.

Das liegt zum Teil daran, dass die Deutschen im letzten Jahrzehnt nicht wirklich viel Veränderung wollten. Trotz der unsicheren Lage in der Welt florierte ihre Wirtschaft und sie wählten Merkel ganze vier Mal wieder.

Die Mode jedoch lebt von Veränderungen, und die ersten Keime einer Renaissance wurden in einem Bereich sichtbar, das in Deutschland von besonders großer Bedeutung ist: der Umwelt. Ideen von Nachhaltigkeit, Upcycling und lokaler und fairer Beschaffung durchdrangen viele Kollektionen, die im Kraftwerk, dem Nervenzentrum der Saison, präsentiert wurden. Ein Konzeptauto von Mercedes Benz, das in Zusammenarbeit mit dem Hipster-DJ und Designer Heron Preston entworfen wurde, der auch eine Capsule-Kollektion aus recycelten Airbags des Automobilherstellers kreierte, nahm einen Ehrenplatz in dem rohen Betonbau ein.


The Mercedes-Benz x Heron Preston Airbag-Kollektion - DR


 
Unter den Marken war auch Lutz Morris, das von Tina Morris geleitet wird, einer brillanten Accessoire-Designerin, die nach zwei Jahrzehnten in New York, wo sie für Unternehmen wie Calvin Klein und Issey Miyake arbeitete, nach Berlin zurückkehrte. Morris steht für neues Luxusdesign made in Germany und bezieht fast ausschließlich deutsches Leder und arbeitet mit lokalen Handwerkern zusammen. 90 % ihrer Taschen verkauft sie online.
 
Mit von der Partie war auch Moot, die Abkürzung für Made out of Trash, deren Gründer Michael Pfeifer zusammen mit Julia Leifert und Mira von der Osten von Cruba auf einem Podium im Kraftwerk mit Morris sprach. Die Marke, deren Name für Create Revolutions Using Berlin Arguments steht, nutzt 3D-Technologie. Alle trafen sich zu einer Diskussion über Mode und Digitalisierung, die von Spiegel-Redakteur Phillip Lowe geleitet wurde. Pfeifer kam in einem T-Shirt aus einem alten Bettlaken, einer Hose aus ehemaligen Gardinen und einer Jacke aus einer alten Wolldecke – was ziemlich schick aussah.

Es war eine von mehreren Diskussionen im Kraftwerk, bei denen die führenden Köpfe der Branche um einen Weg in die Zukunft ringen. Alle fanden unter der Schirmherrschaft des Fashion Council Germany statt, dessen Vorsitz Christiane Arp, die angesehene ehemalige Chefredakteurin der deutschen Vogue, innehat.


Fassbender Frühjahr/Sommer 2022 - Photo: Fassbender - FASSBENDER


 
Doch ein entscheidendes Element der Berliner Modewoche fehlte – die Fachmesse Premium, die im vergangenen Jahr in die Finanzmetropole Frankfurt abgewandert ist, was in der deutschen Modelandschaft für große Unruhe sorgte. Die Veranstalter beklagten öffentlich die mangelnde Unterstützung der Mode durch die lokale Berliner Regierung.

Nichtsdestotrotz gelang es der Berlin Fashion Week, die nun vom Berliner Senat unterstützt wird, fast ein Dutzend Laufstegshows zu veranstalten, allen voran die von William Fan und Fassbender. Letzterer mischte hanseatische Eleganz mit balearischem Elan in einer von Ibiza inspirierten Kollektion.
 
Kühn gestreifte Hosen und passende Westen, fließende Alpakamäntel aus artgerechter Haltung und wallende, aquablaue Flamencokleider – all das machte die Show zur mit Abstand raffiniertesten in Berlin.
 

Fiona Bennett


Fiona Bennett



Auch wenn das Geschehen auf dem Laufsteg eher bescheiden war, gab es anderswo viel zu sehen, angefangen bei Fiona Bennett, der berühmtesten Hutmacherin der Stadt, deren luftiger Laden in Schöneberg ein Muss ist.
 
Geboren und aufgewachsen in Großbritannien, zog Bennett noch vor dem Fall der Mauer mit ihrer Familie nach Berlin und erlernte dort die klassischen Techniken der Hutmacherei. Das zeigt sich in einigen großartigen Herren-Fedoras aus Filz, die an Gemälde von Otto Dix und freche Jungs aus dem Cabaret erinnern.

Aber Bennetts schönste Entwürfe waren ihre dramatischen konischen Strohhüte, die in Ghana hergestellt werden.
 
"Die Hüte werden von echten Webexperten, einer Gruppe von Dorfbewohnern, die tief auf dem Land leben, hergestellt", erklärt Bennett lächelnd, deren Kreationen bereits in Shows von Wolfgang Joop und Michael Michalsky zu sehen waren.
 
Hinzu kommen einige wunderbare Strohkreationen, die My Fair Lady würdig wären, und zierliche Strohblumenhüte für Sommerhochzeiten, die dem Ruf Bennetts als eine der besten Hutmacherinnen der Welt alle Ehre machen.
 

Working Title 


Photo: Working Title


Eine Marke, die die urbane Eleganz des zeitgenössischen Berlins einfängt, ist Working Title des Paares Antonia Goy und Björn Kubeja.
 
Das Duo arbeitet in einem voll ausgestatteten Atelier, das sie sich mit bildenden und grafischen Künstlern in der Nähe von Merkels Kanzleramt teilen.
 
"Unser wichtigster Einfluss ist die Stadt Berlin, ihre Energie und Architektur, ihre Gärten und die umliegenden Seen", erklärt Kubeja.
 
Working Title konzentriert sich auf einfarbige, luxuriöse Stoffe wie perfekt plissierte Wolle oder Bio-Baumwolle und bietet eine wahrhaft anspruchsvolle Garderobe für urbane Berufstätige. Alle Teile überzeugen durch einen souveränen Schnitt – vor allem die wunderschönen Herrenhemden für Frauen. Jeder Look erinnert an Vernissagen, Spitzenrestaurants und Insider-Soirées.
 

Natascha von Hirschhausen


Photo: Natascha von Hirschhausen



Eine Marke, die in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle spielt, ist Natascha von Hirschhausen, die das Konzept des No Waste Cutting erfunden hat.
 
Eine von ihr gezeigte Skizze eines typischen CAD/CAM(Computer-aided design & computer-aided manufacturing)-Schnittes zeigte, dass bei vielen herkömmlichen Schnitten bis zu 20 % des Materials verschwendet werden können. Natascha hingegen verliert bei ihren Schnitten nur 0,5 %, und aus diesen winzigen Resten macht sie Stoffohrringe.

"Ich habe einen Schüleraustausch in Bangladesch gemacht, ein Land, das ich für seine Schönheit und seine Menschen liebte, aber ich war schockiert, als ich feststellte, dass es mit kleinen Stoffresten übersät ist. Da habe ich beschlossen, dass sich etwas ändern muss", sagt von Hirschhausen bei einem Besuch in ihrem Atelier/Appartement im Westberliner Stadtteil Wedding.
 
Das Ergebnis war eine gekonnte Kollektion bestehend aus silbrigen Seidenblusen, bei denen zusätzlichen Stofffalten für ein raffiniertes Volumen sorgen, weiten Arbeiterhosen aus Bio-Denim und tollen Sweatshirts mit Rockstar-Charakter für das Wochenende. Kurz nach der Gründung ihres Hauses wurde die Designerin mit dem Bundespreis für Ecodesign 2017 ausgezeichnet.
 

William Fan: Zeremonielle Mitte-Mode 


William Fan Frühjahr/Sommer 2022 - Photo: FashionNetwork.com



William Fan ist gebürtiger Chinese, der Berlin zu seiner Heimat gemacht hat, und sich von den Hipstern der Hauptstadt zu seiner neuesten Kollektion inspirieren ließ.
 
Bei einer der wenigen Schauen im Berliner Kalender präsentierte Fan seine Kollektion in einer riesigen, ausladenden stillgelegten Fabrik, von denen es in dieser Stadt so viele gibt.
 
Fan setzt auf einen vornehmen Look und entwirft Kleider aus großartigen Jacquards, floralen Brokaten und dunkler Serge-Wolle. Dies verleiht seiner Kleidung, ob für Männer oder Frauen, einen gewissen feierlichen Charakter.
 
Sein besster Einfall war jedoch eine zementfarbene Baumwolle, die in smockartigen Kleidern, luftigen Trenchcoats oder Blousons zum Einsatz kam. Oft kleidete er Männer und Frauen in sehr ähnlichen Looks, wie z. B. schwere Priestermäntel aus Seide oder Brokatmäntel.
 
Das Schlüsselelement ist Fans Talent als Schneider – von seinen mantelartigen Eisenhower-Jacken über maßgeschneiderte Dhotis bis hin zu den Kattunmänteln.
 
Fan, der in Hongkong geboren wurde, zog nach Europa, um Mode zu studieren, bevor er in Berlin landete und 2015 sein eigenes Label gründete. Fan ist so etwas wie ein lokaler Star und verfügt über ein entsprechendes Selbstvertrauen. Seine Inspiration war Berlin Mitte, wo er selbst lebt. 
 
"Wir waren über einem Jahr eingesperrt, also sind die Leute, die mich inspiriert haben, junge Menschen, die ich in meiner eigenen Nachbarschaft herumlaufen sehe", so Fan.
 
Für seine Besetzung hat Fan unter die professionellen Models sogar ein paar Jugendliche gemischt, was man in Frankreich als "casting sauvage" bezeichnen würde. 
 

Marcel Ostertag



Die kurioseste Veranstaltung war jedoch die von Marcel Ostertag, dessen Show vor der St. Elisabeth-Kirche zum Teil vom Mercedes Benz-Konkurrenten Opel unterstützt wurde.


Marcel Ostertag - Photo: FashionNetwork.com

 
Die mit einigem Aufwand inszenierte Kollektion war oft im gleichen Farbton wie das Auto gehalten, und jeder Gast bekam ein Paar Opel-Socken in seine Goodie Bag – was das Ganze irgendwie auf den Punkt bringt.

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