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Berlin: Modemessen im Aufwind

Veröffentlicht am
today 21.01.2019
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Berlin lebt von den Messen. Sie sind die Frequenzbringer und holen das breite Fachpublikum in die Stadt – ob ans Gleisdreieck, ins ExpoCenter oder ins Kraftwerk an der Köpenicker Straße. Davon profitieren wiederum MBFW, Berliner Salon & Co. 

Schon am Vormittag des ersten Messetages herrschte auf der Premium reger Andrang. - Rüdiger Oberschür


Nach einer eher schwachen Sommerausgabe hat das an den drei Tagen vom 15. bis 17. Januar nun wieder besonders gut funktioniert. Die Messen hatten dazu ihre Hausaufgaben gemacht und konnten mit diversen Neukonzeptionen der Ausstellungsflächen und einem reichhaltigen Programm an Site Events und Kooperationen für frischen Wind sorgen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller besuchte ganz offiziell Panorama wie Premium. 

Kreative Stimmung auf Premium, Seek und Show & Order

Ohne die diversen Flugausfälle am Anfang der Woche wäre Berlin vielleicht sogar auf altes Bread&Butter-Niveau gekommen, spekuliert Oliver Braun vom dänischen Denim-Label Gabba gegenüber FashionNetwork.com.

Oliver Braun am Premium-Stand von Gabba. - Rüdiger Oberschür


"Die Leute haben uns regelrecht die Bude eingerannt", zeigt Braun sich nach den drei Messetagen zufrieden. Das Interesse an den neuen Kollektionen sei besonders hoch gewesen. Mit Gabba hatte Braun auf der Premium einen rund 40 Quadratmeter großen Stand in Halle 4 bezogen. 

Andere Stimmen bekam man am Gleisdreieck kaum zu hören: Falko Diebel von der Münchener Modeagentur Klauser, die vor allem italienische Premium-Marken wie Pierre Louis Mascia, aber auch Le Rue Marcel, Bloch, Maddame, Suns und Faking in Deutschland vertritt, war schon am Ende des ersten Messetages voll zufrieden.

"Wir hatten eine Menge guter Gespräche. Ich konnte dazu schon fast zehnmal eine Order schreiben", so der erfahrene Sales-Spezialist am Dienstag gegenüber FashionNetwork.com. 

Rüdiger Oberschür


Besonders gut war die Stimmung auch bei Drykorn, die das von Anita Tillman angeregte neue Messekonzept am deutlichsten aufgenommen hatten und die Halle 2 gleich komplett zur coolen Drykorn-Baustelle erklärten.

Label-Chef Marino Edelmann und Designer Fred M. Götz zeigten sich in der "Fashion Site" bereits am Dienstagmittag äußerst zufrieden mit der Publikumsfrequenz und dem Interesse an ihrer Menswar- und Womenswear-Kollektion für Herbst/Winter 2019/20.  

Brand-Manager Sebastian Knaut vorm Premium-Apartment von Jacques Britt. - Rüdiger Oberschür


Auch andere Labels wie etwa Jacques Britt hatten sich auf der Premium neu positioniert. Die Seidensticker-Marke hatte dafür in Halle 5 ein 25 Quadratmeter großes Apartment bezogen, in dem das Label laut Brand-Manager Sebastian Knaut drei erfolgreiche Tage erlebte. 

In der komplett neu gestalteten Halle 5 war die lebendige Stimmung der Messe wohl am besten zu spüren – ob bei Maerz München, Laurèl, Lacoste, Gant oder Cinque, die erstmalig auf der Premium präsent waren.  

So auch bei Roy Robson, die ebenfalls zum ersten Mal am Gleisdreieck ausstellten: "Für unsere Kollaboration Roy Robson x Premium haben wir ein durchweg mehr als positives, begeistertes Feedback von allen Seiten erhalten. Das freut und motiviert uns sehr. Und vor allem zeigt es uns einmal mehr unser Weg ist richtig und unsere Positionierung findet Akzeptanz im Markt", so Geschäftsführer Michael Bischof gegenüber FashionNetwork.com

Berlins Bürgermeister Müller mit Geschäftsführer Michael Bischoff auf dem Premium-Stand des Lüneburger HAKA-Spezialisten. - ROY ROBSON


"Ich bin zufrieden mit unseren Shows. Premium, Seek, Show & Order und auch die Fashiontech-Konferenz waren sehr erfolgreich. Die Umstrukturierung der Premium und die Weiterentwicklung aller Formate sind gut angekommen – das Feedback vom Handel und den Brands ist durchgehend positiv", kommentiert Messechefin Anita Tillmann dann auch selbst die drei Tage. 

Für die Juli-Ausgabe will Tillmann am "Finetuning" der Neuausrichtung arbeiten und noch mehr Brands überzeugen, sich mit einem höheren Grad an Kreativität zu präsentieren und ihren Markenkern deutlicher herauszustellen. Kreativität sei keine Frage des Budgets, so Tillmann.

Besucherplus auf Panorama, Xoom und Selvedge Run

Dem würde man sicher auch bei der Panorama nicht widersprechen. Allerdings stehen für Jörg Wichmann aktuell offenbar eher Standortfragen im Vordergrund. Gleich wenige Stunden nach Ende der Messen am Donnerstagabend hat der Messechef den einstigen Bread&Butter-Standort Tempelhof als einheitlichen Messestandort ins Spiel gebracht.

Blick auf die Selvedge Run am Süd-Eingang der Panorama Berlin. - Rüdiger Oberschür


Dass damit nicht nur seine Satelliten Xoom und Selvedge Run gemeint sein könnten, sondern auch die Formate der Mitbewerber, lässt zumindest Anita Tillmann momentan allerdings eher kalt. Sie plane ohne Wichmann, heißt es.  

Dennoch war die Panorama während der drei Tage nicht nur durch ein Besucherplus von 20 Prozent ebenso im Aufwind wie die Konkurrenz am Gleisdreieck. Die Stimmung war äußerst positiv, Aussteller zeigten sich absolut zufrieden.

Alberto-ChefMarco Lanowy war mit dem Panorama-Auftritt absolut zufrieden. - Rüdiger Oberschür


So auch klassische deutsche Modeproduzenten wie Digel oder Bugatti, die ihren Auftritt erstmalig geteilt hatten, um in Halle 1 ihre erweiterte Womenswear-Linie zu zeigen

Alberto-Chef Marco Lanowy zeigte sich am Mittwochnachmittag besonders zufrieden. "Der Messeauftritt in Berlin ist wichtig. Unsere Kunden kommen hier zu uns an den Stand. Die Conversion Rate liegt bei 50 Prozent", erklärte Lanowy gegenüber FashionNetwork.com.

Imperial hatten ihren Auftritt geteilt und waren auf der Panorama in zwei unterschiedlichen Hallen jeweils mit ihrer Menswear und ihrer Womenswear vertreten. - Rüdiger Oberschür


Auch bei progressiveren Labels wie Imperial, die ihre Womenswear und Menswear ebenfalls erstmals getrennt auf der Panorama präsentierten, war die Stimmung positiv. Head of Marketing Simon Engel zeigt sich gegenüber FashionNetwork.com besonders zufrieden mit der Frequenz an beiden Ständen. 

Tommy Schmidt, Country Manager vom Bestseller-Label Jack&Jones sieht das ähnlich: "Die allgemeine Stimmung war gut, auch wenn natürlich drängende Themen wie online versus offline zu spüren waren. Der Informationsbedarf der Händler ist somit groß. Wir sind sehr zufrieden mit der Kundenfrequenz und die wichtigen Key Accounts waren alle da", so Schmidt. 

Auch für die erstmals integrierte Selvedge Run mit ihren insgesamt 70 Brands lief es gut. Unübersehbar am Süd-Eingang positioniert, legten die Besucherzahlen deutlich zu. 

Insgesamt konnte die Messe ein Besucherplus von 20 Prozent verzeichnen. - PANORAMA BERLIN


"Wir schließen mit einem deutlichen Besucherplus zur letzten Edition ab und ziehen eine eindeutig positive Bilanz, was die neue Location in der Eingangshalle Süd und die Fusion mit der Panorama Berlin angeht", fasst Shane Brandenburg, Gründungsmitglied der Selvedge Run und Product Manager, zusammen.

"Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck an der Sommershow. Wir werden das Konzept weiter verfeinern und haben dazu bereits einige gute Ideen entwickelt", so Brandenburg weiter. 

Grünes Spektakel auf der Neonyt

Nicht minder erfolgreich ging es denn auch bei der Neonyt-Premiere zu. Die Messe Frankfurt hatte dazu ihre einstigen Formate Greenfashionroom und Ethical Fashion Show im Kraftwerk an der Köpenicker Straße zusammengelegt – als globalen Hub für Mode, Nachhaltigkeit und Innovation.

Impression von der Messe. - Neonyt/Messe Frankfurt


Entsprechend groß war das Interesse. VDMD-Präsident René Lang lobt das lebendige Programm und zeigte sich von dem hohen Publikumsverkehr gegenüber FashionNetwork.com begeistert. "Für uns als Verband und Plattform für Mode- und Textildesigner war es absolut richtig, auf der Neonyt präsent zu sein", so Lang. 

Auch Designerin Sophia Schneider-Esleben bestätigt die positive Stimmung. "Das Interesse an meiner Kollektion war enorm hoch. Dazu kamen viele ernste Pre-Order-Gespräche", so die Designerin gegenüber FashionNetwork.com.  

Ob Nachhaltigkeit es von der Nische zum zukunftsrelevantesten Themen der Branche entwickelt, muss sich sicher erst noch zeigen. Einige Einkäufer zeigten sich auf der Neonyt jedoch schon ziemlich überzeugt: "Als Mainstream-Retailer ist für uns Nachhaltigkeit ein Kernthema für 2019. Wir spüren das Interesse unserer Kunden und wollen in diesem Thema besser werden", so Marc Ramelow, Geschäftsführer des norddeutschen Modehauses Ramelow.

Auch Dr. Annette Hempel vom Modehaus Hempel bestätigt: "Mir fielen vor allem die gestiegene Frequenz konventioneller Einkäufer und das deutlich erweiterte modische Angebot auf".

So kann es insgesamt weitergehen. Berlin wird wohl auch im Sommer von den Messen getragen. Wenn die Veranstalter weiter so gründlich und kreativ am Modestandort arbeiten. 

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