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Berliner Modemessen trotzen der Krise

Veröffentlicht am
20.01.2020
Lesedauer
4 Minuten
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Um es gleich vorweg zu nehmen: Berlin ist noch lange nicht tot. Frequenz und Stimmung während der Fashion Week vom 13. bis 17. Januar waren weit aus besser als erwartet. Vor allem auf den Messen von Dienstag bis Donnerstag schien von Skepsis und Krise keine Spur (mehr). 

Berlin ist noch lange nicht tot - der Cube der Jackenmarke Alife and Kickin unterstrich das zusätzlich. - Panorama Berlin/Nitzschke


Der Durst nach Information will in diesen unruhigen Marktzeiten doch noch gestillt werden. So strömten die Besucher nur so nach Tempelhof, ans Gleisdreieck, in die Arena, ins Kraftwerk und zu den vielen quer über die Stadt verteilten Site Events

Das war nach den Unkenrufen im Juli durchaus überraschend. Der gesamte Standort schien nach der Sommerausgabe 2019 angezählt. Davon war diesmal keine Rede mehr. 

Auch wenn es kein Geheimnis ist, dass die Winterausgabe in Berlin schon immer besser gelaufen ist. Im Sommer überlegen sich Einkäufer und Händler den Besuch in der Hauptstadt gerne zweimal. 

​Das wird wohl auch so bleiben, wenn ein einheitlicher Standort der Modemessen, der einen schlanken Tages-Besuch in der Hauptstadt möglich machen würde, weiterhin auf sich warten lässt. 

Souveräne Tempelhof-Premie von Panorama, Selvedge Run und Neonyt 

Diesmal waren auf Tempelhof zumindest schonmal drei Messen zusammengefasst: Den skeptischsten Blicken war dabei die Panorama ausgesetzt. Die hat sie ziemlich souverän ausgehalten. Das muss man Jörg Wichmann und seinem Team lassen. 

An Bread&Butter-Zeiten konnte das Panorama-Debüt natürlich nicht anknüpfen. Aber die meisten der Aussteller von Timezone über Alberto bis Tom Tailor zeigten sich gegenüber FashionNetwork.com absolut zufrieden mit dem Messeverlauf. 

Marco Lanowy (oben rechts) wie Thomas Bretscher von Tom Tailor zeigten sich gleichermaßen zufrieden mit der Tempelhof-Premiere der Panorama. - Rüdiger Oberschür


"Wir haben hier wirklich Modernität gesehen und das wollten wir haben. Die Besucher haben wirklich das Neue angenommen und die Stimmung war super positiv", so Alberto-Chef Marco Lanowy. 

"Wir haben den persönlichen Kontakt zu unseren Bestandskunden ausgebaut und konnten neue Kunden gewinnen", stimmte Wolfgang Mosebach, CEO von Timezone, in das positive Panorama-Echo ein. 

Lediglich die vor den Panorama-Hangars installierte Brand Avenue wirkte noch etwas verloren im Angesicht der Weitläufigkeit des Flughafen-Areals. Da kann zum Sommer aber sicher noch einiges passieren. 

Durchgängig volles Haus dafür auf der Neonyt. Das Eco-Fashion-Format macht weiterhin die größten Zugewinne in Sachen Image und Frequenz.

Auch die Selvedge Run lockte in Hangar 5 das Fachpublikum stärker als je zuvor auf ihre Flächen. 

Drykorn-Chefdesigner Fred Götz wie Erwin o. Licher von Herrlicher zeigten sich überaus zufrieden mit dem Premium-Auftritt. - Rüdiger Oberschür

 
Starke Frequenz auf Premium und Seek

Am Gleisdreieck und in der Arena herrschte parallel ein regelrechter Ansturm. Die Premium samt ihrem ShowroomKonzept im Kühlhaus hatte sich vor allem mit einem differenzierten Rahmenprogramm und neuer CI gut aufgestellt.

Das dürfte auch die Frequenzen auf den Ständen mit positiv beeinflusst haben. Dort war teilweise kein Fuß auf den Boden zu bekommen so etwa bei Drykorn. Design-Chef Fred Götz zeigte sich im FNW-Gespräch entsprechend gut gelaunt.

Götz und das Drykorn-Team hatten auf den rund 300 Quadratmetern in Halle 2 ihre stark erweiterte Movement-Linie "Drynamics" in  den Fokus gerückt.  

Gute Stimmung vernahm man überall so auch am Stand von Herrlicher, die seit vielen Saison wieder ans Gleisdreieck zurückgekehrt sind und für Herbst/Winter nachhaltig punkten wollen. Dafür wird italienischer Kaschmir recycelt und statt Daunen setzt Herrlicher DuPont Sorona ein.

Impressionen von der Seek. - Rüdiger Oberschür


Bei CG - Club of Gents, die neben ihrem Stand in Halle 4 auch mit einer spektakulären Show im Festsaal Kreuzberg ihre Kollektion für Herbst/Winter 2020/21 vorgestellt haben, zieht man ebenfalls ein positives Fazit.

"Für uns waren alle drei Tage sehr erfolgreich. Die Frequenz war enorm hoch und wir hatten sehr gute Gespräche, auch mit internationalen Kunden", so Florian Wortmann, Division Head des Hersbrucker Menswear-Labels. 

Auf der Seek waren Stimmung und Frequenz nicht geringer. Aussteller von Denim-Brands Wrangler bis zu Sneaker-marken wie Kangaroos äußerten sich gegenüber FashionNetwork.com durchweg positiv zum Messeverlauf. Auch in den Foyers der Trade Union herrschte großer Andrang. 

Bleibt am Ende doch nur noch eine Frage: Was sieht es denn nun mit einem einheitlichen Standort aus? Premium-Chefin Anita Tillmann hat den Rufen nach einer gemeinsamen Location gleich nach Ende der Messen eine Absage erteilt.

Auf Tempelhof würden die Flächen gar nicht ausreichen, da weit aus weniger Hangars bezugsfertig wären als noch zu Zeiten der Bread&Butter. Als ob sich daran nichts drehen ließe. Aber auch dafür müsste Berlin seine Modeszene endlich ernst nehmen. Andere Flughäfen haben derweil Vorrang. 

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