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Celine: Haute-Bourgeoisie-Hippies in Germain

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 29.09.2019
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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'Influence' ist ein Schlüsselindikator für Designer – und in diesem Jahrhundert kann diesbezüglich kaum einer mit Hedi Slimane mithalten, der gerade Kreativdirektor des Hauses Celine ist.


Celine - Frühjahr/Sommer 2020 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


'Gerade', da man bei Hedi Slimane nie richtig weiß, wie lange er noch an einem Ort bleiben wird. Als sich unsere Wege vor einem Vierteljahrhundert erstmals kreuzten, verneigte er sich kurz für Yves Saint Laurent, nachdem sich das Haus von Bernard Sanz verabschiedet hatte. An diesem Tag war wohl niemandem im Publikum – in einem seltsamen Regierungsgebäude hinter der französischen Nationalversammlung – bewusst, dass dies sein erster Schritt in einer langen Reihe von riesigen Erfolgen sein würde.
 
Nach kurzen Einsätzen bei YSL, Dior Hommes und erneut bei Saint Laurent (wo er ‘Yves’ aus dem Namen strich), stieß er zu Celine. Die am Freitagabend hinter Napoleons Grab in Paris präsentierten Entwürfe entstammten seiner dritten Womenswear-Kollektion für das Label.

Im Laufe seiner Karriere stieg Hedi Slimane zum ersten Menswear-Designer mit Rockstarstatus auf. Sein Schlüssel zum Erfolg ist ein Zusammenspiel aus der hohen Schneiderkunst von Armani, der Rockstar-Attitüde von Versace und der Autorität von Karl Lagerfeld.

Bei Celine schlugen dem Kreativdesigner jedoch erstmals auch kritische Wellen entgegen. Sein Debüt wurde von den "Ancien Régime"-Kunden der Marke, die seine Vorgängerin Phoebe Philo bevorzugten, scharf kritisiert.
 

Celine - Frühjahr/Sommer2020 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


Seine Kritiker brachte er jedoch spätesten mit seiner ziemlich brillanten zweiten Show im Februar 2019 zum Schweigen. Er designte elegante Hippie-Mode mit Saint-Germain-Charme für Frauen, die sich zwar auf die Vergangenheit beziehen, doch in der Gegenwart verankert sind. Ohne Zweifel war die Celine-Show die einflussreichste aller Herbstkollektionen 2019. In den vergangenen vier Wochen waren auf allen Laufstegen Versionen seiner damenhaften Blusen mit Schleifen, schicken Hosenröcke und Kombinationen eleganter Blazer mit trashigen Jeans zu sehen.

Am Freitag wandelte er in Paris auf den Spuren seiner Vergangenheit. Diese Frühjahr-/Sommerkollektion 2020 war eine Fortsetzung seiner Februar-Show mit Saint-Germain-Eleganz. Und durch ihre Länge, Form, Palette und Attitüde sie wird erneut Modeschöpfer von San Francisco bis Sankt Petersburg beeinflussen.

"Es war wirklich eine Fortsetzung dessen, was ich im Frühling begonnen hatte. Eine weitere Sicht auf eine bestimmte Vorstellung von Saint Germain", erklärte der Designer nach der Show.

Die Kleider bezogen sich auf einen Zeitpunkt Ende der 60er Jahre, wo sich die wohlfrisierte Bourgeoise bewusst wurde, dass die Hippie-Kultur schick sein konnte. In Frankreich gibt es dafür einen griffigen Begriff: "Haut bobos" – Haute Bourgeoisie-Bohemiens. Wenn auch diese Kollektion von Celine eher für Haute Bourgeoisie-Hippies gemacht wurde. Von den großartigen gerüschten Patchwork-Jeanskleidern, die mit Bauernblusen kombiniert wurden, bis hin zu den Seiden-Kopftüchern und kniehohen Stiefeln mit klobigen Absätzen.

Durch und durch bezog sich der Designer auf die Ikonographie kalifornischer Sänger – afghanische Westen, halbtransparente Seidenkleider, verwaschene ausgestellte Jeanshosen, Rancherjacken aus Wildleder und breitkrempige Hüte. Alles mit viel Weltoffenheit und Geschmack. Die Eleganz französischer Anmut.
 

Celine - Frühjahr/Sommer2020 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


Ebenfalls eindrücklich waren die mit Logos bedruckten Seidenröcke und eine brillante Hosenrock-Serie. Hosenröcke wurden vom Designer in im Alleingang wieder salonfähig gemacht und zum unumgänglichen Klassiker erhoben. Dazu schickte er verschiedene fabelhafte Taschen auf den Laufsteg, besonders die sattelförmigen Fransentaschen aus Wildleder.

Hedi Slimane verneigte sich sehr kurz vor seiner bemerkenswerten Kunstinstallation aus Metallgerüsten und Lichtern, die zu Beginn der Show die Form einer dichten Stadtlandschaft annahm und sich dann in einen modernistischen Bogen verwandelte, aus dem eine französische Rockgöttin erschien.

Der Applaus war höflich, aber nicht überwältigend. Denn, obwohl die Kollektion einflussreich sein, sich gut verkaufen wird und bestimmt schmeichelhaft ist, stieß sie nicht wirklich in Neuland vor. Anders als das großartige Set-Design. Kurz gesagt fühlte sich die Show an, wie wenn sich ein besonders begabter Designer auf seiner persönlichen Spielwiese austummelte.

 

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