Chanel Cruise Collection: Von Kreuzfahrten und Luxusdampfern

Schiff Ahoi! Admiral Karl Lagerfeld lud am Donnerstag vor einer gewaltigen Schiffskulisse im Pariser Museumspalast Grand Palais zur Kreuzfahrt ein.


Chanel Cruise Collection 2019 - Pixelformula

Das Schiff trug in Anlehnung an Coco Chanels berühmte Villa an der Côte d’Azur den Namen "La Pausa" und füllte die riesige Halle aus. Der Soundtrack dazu umfasste ein dröhnendes Nebelhorn, Schiffsglocken und Möwengekreische.

Karl Lagerfelds letzte Kollektion, bei der in Hamburg die Beatles geehrt wurden, erzählte von schroffen Schiffskapitänen in Matrosenhosen und umfasste Peacoats wie auch federnbesetzte Cocktailkleider mit Seemannskragen. Die neue Expedition war im klaren Gegensatz dazu viel sonniger, optimistischer und zeitgenössischer als in den vergangenen Saisons.

Auch aus den Logen strahlte die Sonne: Anwesend waren unter anderem Kristen Stewart, Margot Robbie, Phoebe Tonkin,  Àstrid  Bergès-Frisbey,  Marie-Ange Casta, Lily-Rose Depp, Leïla Bekhti und Kim Go-eun.

Der Modeschöpfer entwarf in Anlehnung an traditionelle Matrosenkleidung ein wundervolles Bolero-Hemd in weicher Baumwolle. Viele Models – und auch einige Gäste – trugen Kleidungsstücke mit markanten Schwarz-Weiß-Mustern, die an den Tarnanstrich von Kriegsschiffen im Ersten Weltkrieg erinnerten.

Zusätzlich zum Stapellauf im Grand Palais ließ es sich Chanel nicht nehmen, Herausgebern und Gästen einen Flakon des Dufts "La Pausa" aus dem Jahr 2007 zu senden.

Die legendäre Villa von Coco Chanel wurde Anfang der 30er Jahre in den Hügeln um Roquebrune-Cap-Martin mit einer atemberaubenden Aussicht über das Mittelmeer und auf die italienische Küste errichtet. Der Name ist seinerseits eine Anspielung auf die Legende, wonach Maria Magdalena auf dem Rückweg von Jerusalem in der Nähe eine Pause einlegte.

Die Kollektion umfasste zahlreiche Sommerkleider mit horizontalen Streifen. Weiter schickte Karl weiß Sweatshirts mit dem Aufdruck "La Pausa" wie auch Doppel-C-Logos ganz in Rot auf den Laufsteg, neben unzähligen weißen Strümpfen in weißen Lackschuhen. Karl Lagerfeld gestaltete klassische, rosa Chanel-Looks in Tweedstoffen zu Cocktailkleidern mit vier Taschen um. Viele Models trugen auch Baskenmützen – das eindeutige Trendaccessoire dieser Kollektion. Insgesamt umfasste die Show 80 Looks, die vor 900 geladenen Gästen defilierten.
 
Vor der Show erhielten ausgewählte Herausgeber T-Shirts in Rosa oder Blau mit der aufgedruckten Skizze eines Ozeandampfers. Dasselbe Bild wurde auch auf Lacktaschen im PanAm-Stil gezeigt. Bei den Abendkleidern erzeugten mehrere blaue Paquebot-Prints auf Hosenanzügen und Picknick-Kleidern große Bewunderung. Wie gemacht für ein "déjeuner champêtre" in der Originalvilla "La Pausa".

Das Design von Chanels Villa inspirierte sich am Kloster von Aubazine, wo Coco als Kind zur Schule ging. Ein spezifisches Motiv mit fünf Fenstern wurde im gesamten Haus in Anspielung an den berühmten Duft Nr. 5 wiederholt. Farblich war die Villa hauptsächlich in Beige und Weiß gehalten. 

Noël Coward, Somerset Maugham, Errol Flynn, Gary Cooper, Greta Garbo, Fürst Rainier und Grace Kelly sowie der Herzog und die Herzogin von Windsor und Winston Churchill wurden alle von Coco Chanel in der Villa empfangen. Churchill verweilte insgesamt mehr als ein Jahr in der Villa.

Im Begleitheft erklärte das Luxushaus, dass die erste Cruise Collection überhaupt von Coco Chanel stammte. Sie habe im Herbst 1919 eine Minikollektion herausgegeben, die in erster Linie dazu gedacht war, am renommierten südwestfranzösischen Badeort Biarritz getragen zu werden.

Nachdem sich Coco zunächst auf Segel-Pullover und leichte Jersey-Looks konzentrierte, erweiterte sie das Angebot bald auf Abendzüge und -Kleider, die für Dinners auf Luxuskreuzfahrten gedacht waren. Chanel verwies auf eine Beschreibung im Harper’s Bazaar, in der bereits im Dezember 1933 der Begriff "Cruise Clothes" verwendet wurde.

Coco Chanel liebte das Meer und begleitete den Herzog von Westminster auf seinen Yachten Flying Cloud und Cutty Sark auf zahlreiche Kreuzfahrten. Vom Deck der Flying Cloud aus erblickte sie erstmals das Dorf Roquebrune-Cap-Martin. Auf derselben Bootsfahrt war auch der Architekt Robert Streitz zugegen, der später "La Pausa" entwarf.

Beim Finale verneigte sich Karl Lagerfeld an der Seite seiner langjährigen rechten Hand Virginie Viard. Diese Ehre kam in den vergangenen Jahren sonst nur wenigen zu, darunter beispielsweise sein Patensohn Hudson. Dadurch kamen unweigerlich Fragen zu einer möglichen Nachfolge des Modezaren, was nach Karl Lagerfelds bemerkenswerten 35 Jahren an der Spitze des erfolgreichsten Luxushauses der Welt nur verständlich scheint.

Doch an diesem Abend im Grand Palais drehte sich alles ausschließlich um eine durch und durch elegante Kollektion.

Bon Voyage!
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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