Chanel: Haute Couture an virtuellen Ufern

Der große Saal im Grand Palais verwandelte sich in das Ufer der Seine, mitsamt seiner legendären Bouquinisten-Stände, den typischen Straßenlaternen aus der Epoche des Art Nouveau und der Kulisse des Institut de France, dem klassizistischen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, in dem heute die Academie Francaise beheimatet ist.

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Chanel - Herbst/Winter 2018 - Haute Couture - Paris - © PixelFormula

"Erstklassig, die Kollektion hat ein sehr hohes Niveau. Alles lässt sich öffnen und schließen, und darunter verbirgt sich ein Minirock," lächelte Karl Lagerfeld hinter den Kulissen nach einer eindrucksvollen Chanel Couture Show, die er am Dienstagmorgen im Grand Palais zeigte. 

"Couture ist Französisch und daher muss sie auch in Paris stattfinden. Ich sehe den Quai Voltaire aus meinem Fenster. Es ist eines der schönsten Gebäude in Paris, direkt bei mir um die Ecke", sagte Lagerfeld, der nur 200 Meter entfernt wohnt.

Er eröffnete die Show mit raffinierten Looks in einem Grau, das farblich zu der Steinmauer an der Seine passt, mit langen Mänteln und Redingotes mit Tulpenärmeln – alles aus anthrazitfarbener Wolle oder glattem Satin. Er schneiderte ein zeitgemäßes Chanel Kostüm mit burschikosem Revers und knöchellange Röcke, die bis zur Hüfte hin geschlitzt sind. Alles gepaart mit raffinierten Booties in zartem hellgrauen Kalbsleder, dunklem Tweed oder glänzendem Silber. Als Abendgarderobe kreierte Lagerfeld verführerische Cocktailkleider mit Bolerojacken und Bustiers, ebenfalls in Metallic. Dazu ein dramatischer Rock in Silber mit Zopfmuster und atemberaubende Abendkleider in Pyramidenform, die auf den roten Teppichen der Welt besonders gut zur Geltung kommen werden.

Für den traditionellen Couture-Abschluss, die Präsentation des Hochzeitskleides, wählte Lagerfeld ein dunkelhäutiges Model. Nach Alek Wek vor 15 Jahren ist es das zweite Mal, dass sich Chanel für das Finale der Show für mehr Diversität entschied.
 
In gewohnter Arbeiter-Manier hat Karl Lagerfeld bereits mit den nächsten Kollektionen begonnen, einschließlich der Cruise Collection.
 
"Aber wir werden es nicht mehr Cruise nennen, oh nein! Wir werden es Voyage nennen. Denn, ehrlich gesagt, Kreuzfahrt klingt so démodé, so unmodern. Stellen Sie sich vor, mit 5.000 Menschen auf einem Schiff herumzureisen. Wie schrecklich und alles andere als luxuriös", schnaubte Karl.

Noch bevor die Show begann, verkündete das Modehaus Chanel, dass es Penelope Cruz zur Markenbotschafterin ernannt habe. Cruz soll die "Égerie" der Cruise Collection von Chanel sein. Übrigens: Chanel hat jetzt mehr Markenbotschafter als die Vereinten Nationen: darunter Kristen Stewart, Lily Rose Depp, Keira Knightley und Marine Vacth.

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Chanel - Herbst/Winter 2018 - Haute Couture - Paris - © PixelFormula

Die Show war das erste Laufsteg-Event des Modehauses, seit Chanel im vergangenen Monat unerwartet seine genauen Umsätze bekannt gab und zeigte, dass Chanel im Jahr 2017 einen bemerkenswerten Jahresumsatz von 9,623 Milliarden US-Dollar (8,2 Milliarden Euro) erzielte.

"Warum veröffentlichen Sie die Zahlen ausgerechnet jetzt", fragte FashionNetwork.com Bruno Pavlovsky, Präsident für Mode und Accessoires bei Chanel. Er antwortet knapp: "Warum nicht? Wir sind ziemlich stolz auf das, was wir tun."
 
Auf die Frage nach einem kürzlichen Bericht aus der New York Times, wonach Chanel die Zahlen teilweise veröffentlicht habe, um mögliche Angebote des riesigen französischen Konglomerats LVMH zu verhindern, antwortete Pavlovsky: "Das ist Quatsch!"

Und niemand hat bei Chanels Erfolg eine größere Rolle gespielt als Workaholic Lagerfeld. Unglaublicherweise wird der über Achtzigjährige in dieser Woche zwei Couture-Kollektionen in Paris zeigen. Nachts arbeitet er an der Fendi-Couture-Show, die am Mittwochabend präsentiert wird.
 
Dennoch findet Lagerfeld genug Zeit, um sich seinem Lieblingshaustier, der weißen Katze Choupette zu widmen.

"Ich hasse es, nach Hause zu kommen und Choupette ist nicht in der Wohnung", gestand Lagerfeld, nachdem er zwei französischen Redakteuren Dutzende Fotos von Choupette gezeigt hatte. Der deutsche Couturier gestand, 15.000 Fotos von seiner geliebten Katze zu haben.


 

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