Chanel tritt aus dem Modeschatten heraus, um steigende Verkaufszahlen vorzuzeigen

Das französische Modehaus Chanel hat am Donnerstag zum ersten Mal seine Jahresergebnisse bekannt gegeben. Es positioniert sich damit als eine der verkaufsstärksten Luxusmarken der Welt, da sowohl der Umsatz als auch der Gewinn seit 2017 stark gestiegen sind.

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Chanel - Cruise Collection 2019 - Paris - © PixelFormula

Das in Privatbesitz befindliche Unternehmen, das für seine Tweed-Kostüme, gepolsterten Handtaschen und No5-Parfums bekannt ist, macht die Modeindustrie seit langem neugierig, da die Geschäftszahlen bisher unter Verschluss gehalten wurden. Zudem nimmt die Marke eine Außenseiter-Position ein, da sie als eine der wenigen den Online-Verkauf der Kleidung vermeidet.

Die Veröffentlichung der Zahlen sei "absolut kein" Vorbote für einen Börsengang, teilte Finanzvorstand Philippe Blondiaux gegenüber Reuters mit. Er hat zudem einen Verkauf ausgeschlossen.

"Genau das Gegenteil ist der Fall – dieser Finanzbericht zeigt, dass wir finanziell fantastisch solide sind und wir unseren Status als privates, unabhängiges Unternehmen für die nächsten Jahrhunderte behalten können", sagte Blondiaux in einem Interview.

"Anstatt andere über uns berichten zu lassen, haben wir uns entschieden, die Fakten auf den Tisch zu legen, darüber, wer wir sind", fügte er hinzu und erklärte, dass die Marke, die sich seit langem auf den achtzigjährigen Designer Karl Lagerfeld verlässt, es zuvor vorgezogen hätte, stattdessen ihr kreatives Aushängeschild sprechen zu lassen.

Chanel erzielte einen Umsatz von 9,62 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 8,3 Milliarden Euro) für das Jahr 2017, ein Anstieg um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr bei konstanten Wechselkursen – auch dank der starken Nachfrage im Raum Asien-Pazifik, wo der Umsatz um 16,5 Prozent wuchs. Der Gewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 18,5 Prozent auf 1,79 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 1,54 Milliarden Euro).

Die Offenlegung bringt Chanel – teilweise dank eines großen Make-up- und Duftgeschäfts, das einigen Rivalen fehlt – in eine enge Wettbewerbsposition mit Luxusmarken wie Louis Vuitton (LVMH Gruppe) mit einem geschätzten Umsatz von über 8 Milliarden Euro pro Jahr. Das italienische Label Gucci des französischen Großkonzerns Kering zum Beispiel hat diesen Monat seinen Plan verkündet, Vuitton mit einem Umsatz von 10 Milliarden Euro schlagen zu wollen, ausgehend von den 6,2 Milliarden Euro aus dem Vorjahr.

Die Luxusunternehmen profitierten in den letzten zwei Jahren überwiegend von einer Erholung der chinesischen Konsumnachfrage, die für einen Aufschwung im ersten Quartal gesorgt hatte. Aber nicht alle Marken konnten sich über einen Verkaufsschub freuen und einige haben etwa Schwierigkeiten, jüngere Käufer zu gewinnen.

"Wir sind optimistisch für 2018", sagte Blondiaux.

UMSTRUKTURIERUNGEN

Chanel, 1910 von Coco Chanel gegründet, enthüllte ebenfalls eine interne Reorganisation, die fast alle Aktivitäten unter einem in Großbritannien registrierten Unternehmen konsolidiert und auch einige seiner anderen kleinen Unternehmen wie das Bademoden-Label Eres einschließt.

Die Registrierung zeigte, dass die geheimnisvollen Eigentümer der Firma, die französischen Geschäftsleute und Brüder Alain und Gérard Wertheimer, im Dezember aus dem Vorstand der britischen Chanel Limited austraten.

Blondiaux sagte, es sei "ihre Entscheidung", nicht im Vorstand zu sitzen. Er fügte hinzu, dass Alain Wertheimer weiterhin Chief Executive von Chanel bleibe und dass aufgrund der internen Umstrukturierung einige andere Veränderungen im Vorstand stattgefunden hätten.

Laut Blondiaux investierte Chanel in Technologie und in digitale Dienstleistungen, die mit den Stores verbunden seien. Die Ausgaben über 429 Millionen Dollar (umgerechnet rund 371,5 Mio. Euro) von 2017 könnten sich daher verdoppeln.

Obwohl die Beauty-Produkte online verkauft werden, bleiben die Modekollektionen dort tabu, auch wenn andere Marken stark vom E-Commerce profitieren.

"Sogar in diesem digitalen Zeitalter glauben wir, dass die menschliche Interaktion der Schlüssel für die Interaktion zwischen High-End-Kunden und einer Marke wie Chanel bleiben wird", sagte Blondiaux.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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