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Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
19.05.2022
Lesedauer
12 Minuten
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Chanel Watch and Fine Jewelry President Frédéric Grangié über die neue Erlebnis-Boutique, Talentförderung und Brainstorming in Hochgeschwindigkeit

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
19.05.2022

Am Mittwoch eröffnete Chanel seine neue experimentelle Boutique am Place Vendôme, dem Pariser Mekka der Schmuckindustrie. Wie für das Haus typisch ist auch dieses neuartige Geschäft luxuriös und ikonoklastisch zugleich.


Chanel President Watch and Fine Jewelry Frédéric Grangié - Photo: Chanel


 
Coco Chanel war ihrer Zeit immer einen Schritt voraus. Sie war die erste Designerin, die ein Parfum mit ihrem Namen auf den Markt brachte, die erste, die einen Konzeptduft – N°5 – kreierte, die erste, die Frauen vom Korsett befreite und die erste, die ab 1932 die Haute Joaillerie revolutionierte, indem sie Modeschmuck mit Edelsteinen kombinierte. Damals wurde der Schmuck auf Bestellung für wohlhabende männliche Kunden angefertigt. Das war nicht die Vision von Mademoiselle, die nur eine einzige Schmuckkollektion, "Bijoux de Diamants", entwarf, die völlig mit der Tradition brach. Ihre Schmuckstücke wurden so entworfen, dass sie modulierbar waren, sich den Bewegungen des Körpers anpassten und auf verschiedene Arten getragen werden konnten – ein Merkmal, das auch heute noch in den Schmucklinien von Chanel zu finden ist.
 
Coco Chanel enthüllte ihre Kollektion im November 1932 ganz im Stil einer Künstlerin im Rahmen einer Vernissage an der Ecke der Rue du Faubourg Saint-Honoré. Auch hier wich sie von den Regeln ihrer Zeit ab, indem sie die Stücke auf lebensechten Wachsbüsten und nicht in Glasvitrinen ausstellte. Diese Woche feiert das Pariser Haus dieses hundertjährige Jubiläum mit der Eröffnung des 18 Place Vendôme, wo Frédéric Grangié und der Architekt Peter Marino eine innovative Art der Präsentation von Schmuck und Luxusuhren geschaffen haben.

Chanel befindet sich im Privatbesitz der Familie Wertheimer, die für ihre Diskretion bekannt ist, und sich beharrlich weigert, die Umsatzzahlen der wichtigsten Geschäftsbereiche im Einzelnen anzugeben. Das Haus wird seine Finanzergebnisse für 2021 später in diesem Monat veröffentlichen. Im Jahr 2020 erreichte der Jahresumsatz die beeindruckende Summe von 9,48 Milliarden Euro. Wenn man nur die Anzahl und Fläche der Schmuckgeschäfte von Chanel, die Flächen, die dieser Sparte in den Modeboutiquen gewidmet sind, und die weltweiten Großhandelsaktivitäten zugrunde legt, könnte die von Frédéric Grangié geleitete Abteilung schätzungsweise einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaften.

Nach einer mehr als einjährigen Renovierung gehört das neue Geschäft am Place Vendôme 18 zu den opulentesten Boutiquen aller Zeiten: Türen und Schubladen aus gehämmerter Bronze, Wände aus hellgoldenem Patchwork, Lackwände im Coromandel-Stil, Kristalllüster von Goossens und in der Mitte "La Borne", die drei Meter hohe figurative Bronzeskulptur von Johan Creten, eine Hommage an die riesige Säule, die draußen auf dem Place Vendôme steht.

Des Weiteren gibt es vergoldete Schreibtische der Epoche Louis XV, den Couchtisch "Hamada" aus weißer Bronze und unbehandelter schwarzer Eiche von Jean-Luc Le Mounier, ein Porträt von Mademoiselle Chanel aus Diamanten des berühmten brasilianischen Künstlers Vik Muniz oder einen sehr schönen Bronzesessel von Voukenas Petrides. In den Aufzügen des Geschäfts findet man wunderschöne Faksimiles von Picassos Skizzen und im Treppenhaus eine silberne "Coco Chandelier"-Skulptur von Joel Morrison.

Die diskreten und kompakten Vitrinen enthalten eine Reihe von äußerst raffinierten – und nie zu pompösen – Schmuckstücken, von Flying Cloud-Halsketten oder Boy Friend-Armbändern bis hin zu prächtigen Comet-Broschen und einem privaten Ausstellungsbereich mit fabelhaften Archivstücken. Kurz gesagt: Der Ort strotzt vor Reichtum, wie es sich gehört. Experten schätzen die Kosten für das Geschäft auf rund 30 Millionen Euro, was es pro Quadratmeter wahrscheinlich zum teuersten Luxusgeschäft macht, das je gebaut wurde.
 
FashionNetwork.com sprach mit dem Präsidenten der Schmuck- und Uhrenabteilung von Chanel bei einem Kaffee in Monaco – kurz vor der jüngsten Cruise Show – über zeitgenössischen Schmuck, Innovationen in den Geschäften, die Zusammenarbeit mit den Kreativteams und die Partnerschaft zwischen Chanel und Monaco zur Rettung der roten Korallen im Mittelmeerraum.
 
Frédéric Grangié wurde im März 2016 Präsident dieser Division, nachdem er fünf Jahre bei Louis Vuitton gearbeitet hatte und zuvor Stationen bei Goyard und Fendi absolviert hatte. Kurz gesagt: Er hat den Luxus im Blut. Eine Minute, nachdem er unser Gespräch beendet hatte, sprang er übrigens mit Patrice Leguéreau, dem Kreativdirektor des Chanel Juwelierstudios, in seinen Porsche Spyder für eine Fahrt auf der berühmten Corniche-Straße aus dem Film "To Catch a Thief".


The House’s Watchmaking Savoir-Faire: The J12 Diamond Tourbillon – CHANEL Watches


 
FashionNetwork: Warum war es wichtig, Ihr Geschäft am Place Vendôme 18 neu zu gestalten?
Frédéric Grangié: Für mich ist es viel mehr als nur ein Geschäft, es ist die Villa des Chanel-Schmucks, die uns zu dessen Ursprüngen zurückführt. Der Place Vendôme ist das Herz der Juwelierkunst, die wir nach wie vor zelebrieren. Auch Coco tat dies. Sie lebte und arbeitete nur einen Steinwurf von diesem Geschäft entfernt – zwischen dem Ritz und der Rue Cambon. Als wir das Gebäude in den 1990er Jahren übernahmen, fragten sich viele, warum wir uns am Place Vendôme niederließen. Dann, im Jahr 2007, entwarf Peter Marino das erste Design des Ladens, was für uns ein wichtiges Datum war. Mit den Kreativstudios und den hochwertigen Schmuckuhren auf der fünften Etage wurde es viel mehr als nur ein Geschäft. Bis heute ist Chanel eine der wenigen Marken, die ein Atelier für hochwertige Schmuckstücke mit Blick auf die Vendôme-Säule auf dem Platz haben. Wir verfügen über das beste natürliche Licht und unsere eigene Gießerei. Wir bei Chanel sind der Meinung, dass unsere geschätzten Kunsthandwerker das bestmögliche Umfeld genießen sollten. Bald werden wir 25 Handwerker in unserem Gebäude beschäftigen, und wir müssen expandieren. Das ist bereits in Arbeit!
 
FNW: Inwiefern können Sie sich mit der Boutique von Ihren Rivalen abheben?
FG: 2007 hat Peter Marino ein Meisterwerk geschaffen. Aber 15 Jahre sind eine sehr lange Zeit für ein Ladenkonzept. Heute entfalten wir unsere Aktivitäten in vier Kernbereichen: High Jewelry, High Watches, Precious Jewelry, und Core Watches. Wir haben uns von 450 auf 1.000 Quadratmeter vergrößert, einschließlich des Verkaufsraums und der internen Abteilungen. Wir möchten alle unsere Kreationen zur Geltung bringen und den Kunden neue Erfahrungen bieten –  ein Prinzip, das 2007 noch nicht wirklich existierte. Wir haben das Glück, ein tolles Team für den Fernverkauf zu haben. Angenommen, ein Kunde ist zu Hause in Santa Barbara: Die Erfahrung, die er macht, findet zwar aus der Ferne statt, bleibt aber dennoch persönlich. Ich konnte dies mit einem berühmten Kunden in Kalifornien testen. Der Grad an Nähe, den man mit der heutigen Technologie schaffen kann, ist absolut unglaublich. Chanel ist das einzige große Uhren- und Schmuckhaus, das sich noch nicht auf den Verkauf über das Internet eingelassen hat. Aber ich freue mich, Online-Dienste anbieten zu können, um unseren Kunden dieses Gefühl der Nähe zu vermitteln. Was einige Meisterwerke von Chanel wirklich einzigartig macht, ist, dass die meisten von ihnen auf vier, fünf oder zehn Arten verwandelbar sind. Dafür müssen sehr technische Lösungen gefunden werden, aber wir haben jetzt die Mittel, dies für jeden Kunden zu tun.

Außerdem besteht ein Teil des Raums aus zwei Salons. In einem davon wird die Halskette 55.55 präsentiert – die berühmte Halskette ist eine Hommage an die ikonische No.5-Flasche, die den Flaschendeckel, die Silhouette und den Verschluss aufgreift und aus 104 runden Diamanten und 42 Baguette-Diamanten besteht. Sie ist umwerfend – wieder eine Premiere. Die Kette wird nicht zum Verkauf stehen, sondern im Raum schweben und ein besonderes Erlebnis darstellen, eine permanente Installation. Allerdings könnten wir sie zur Eröffnung eines neuen Flaggschiffs an einen anderen Ort bringen.
 
Dann gibt es noch den Grand Salon – im von Mansart entworfenen Piano Nobile mit Blick auf die Säule und das Ritz. Er ist ein großartiges Symbol für das, was unser Haus erreicht hat. Aber wir wollten, dass dieser Raum absolut unkommerziell ist – denn dort befindet sich ein außergewöhnliches Gemälde von Nicolas de Staël aus den 1950er Jahren. Ein sehr großes Gemälde in gedeckten Farben und ein absolutes Meisterwerk.

Vielleicht werden wir dort exklusive, private Abendessen veranstalten. Bei 18 Vendôme geht es also nicht darum, mehr Produkte in ein Geschäft zu bringen. Sondern um Personalisierung. Und darum, menschliche Beziehungen zu pflegen.
 

18 Place Vendôme - Photo: Chanel


 
FNW: Welchen Auftrag haben Sie Peter Marino gegeben?
FG: Unsere Arbeitsweise besteht darin, Geschichten zu erzählen, und Peter ist ein Genie und kann das umsetzen. Ich wusste, dass wir nicht nur einen Laden wollten, sondern all diese neuen Elemente. Vielleicht haben wir mit der Renovierung zu lange gewartet. Nach fünf Jahren fängt man an, über die Renovierung eines jeden Ladens nachzudenken. 
 
FNW: Haben Sie das "Store of the Future"-Konzept, das Sie sich in Zusammenarbeit mit Farfetch für 2020 vorgestellt haben, mit einbezogen?

FG: Einige Elemente, die Spiegel und die interaktiven Bildschirme. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen Mode und Schmuck in der Größe der Produkte. Das hat einen großen Einfluss auf die Definition der Bilder. Eine Uhr ins rechte Licht zu rücken, bedeutet einen viel engeren Bildausschnitt. Es besteht also keine Verbindung zu Farfetch.
 
FNW: Warum treffen wir uns in Monaco?
FG: Viele unserer Kunden sind hier. Und sie lieben es, Mode und Schmuck zu kombinieren! Wir haben eine langjährige Beziehung zu Monaco, seit Coco hier ihre erste Filiale eröffnet hat. Und im Jahr 2019 sind wir eine Partnerschaft mit dem Monaco Scientific Center eingegangen. Ich komme gerade von der Vorstandssitzung zurück. Wir konzentrieren uns auf drei Spezialgebiete – wie die Erhaltung der roten Koralle – einer von nur zwei natürlichen Schmucksteinen, der andere ist die Perle. Die Forschung hat potenziell Anwendungen, die weit über die rote Koralle hinausgehen, und wir haben uns finanziell sehr stark engagiert. Es gibt keine kommerziellen Absichten – wir planen keine großen Schmuckstücke aus roter Koralle. Ihre Hoheit Caroline ist Präsidentin des Projekts, und es ist sehr langfristig angelegt. Wir erwarten die Ergebnisse nicht in den nächsten zwei Jahren, sondern erst in Jahrzehnten.

FNW: Welche Lektionen, die Sie bei Louis Vuitton gelernt haben, wenden Sie bei Chanel an?
FG: Die Kreation ist heilig, und meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass unsere beiden Designer – Arnaud Chastaingt (Uhren) und Patrice Leguéreau (Schmuck) – in der Lage sind, ihre Ideen frei zu entfalten. Bei Vuitton war die Bedeutung des Einzelhandels als eigener Bereich von entscheidender Bedeutung. Wenn man sein Geschäft schnell ausbauen will, muss man den Markt und die Zahlen gründlich analysieren. Die Kreation hingegen ist emotional.


Ein Stück aus Chanels High Jewelry Lion-Kollektion


 
FNW: Was ist die größte Herausforderung, die Sie bei der Leitung dieser Abteilung von Chanel zu bewältigen haben?
FG: Wir sind sehr zufrieden und glücklich mit unserem Wachstum – die Geschäfte laufen extrem gut. Unsere größte Herausforderung ist es, das aufrechtzuerhalten. Unsere Produktions- und Logistiksysteme tragen dazu bei. Es ist jedoch ein großer Unterschied, ob man eine kleine oder mittelgroße Marke ist oder zu den Top-Playern gehört. Heute arbeiten in der Schweiz über 400 Personen für uns. 95 % unserer Uhren sind Damenuhren. Bei unseren Konkurrenten sind Damenuhren verkleinerte oder feminisierte Versionen von Herrenuhren.

FNW: Wie hoch ist der Umsatz Ihrer Division?
FG: Wir geben keine Finanzinformationen über die einzelnen Geschäftsbereiche heraus, und ich mag diesen Begriff auch nicht. Aber in der Welt der Uhren und des Schmucks gibt es Marktführer, die seit einem, zwei oder sogar drei Jahrhunderten existieren. Dies verdeutlicht die Art unserer Ambitionen.
 
FNW: Lassen Sie uns über den Vertrieb sprechen. Wie viele Chanel-Juweliergeschäfte gibt es und wie viele Verkaufsstellen?
FG: Wir haben drei Vertriebskanäle: unsere 58 eigenen Boutiquen – bis Ende des Jahres werden es 60 sein. Dann unsere Verkaufsstellen in den Chanel Modeboutiquen, von denen über 200 Uhren und Schmuck anbieten, wie zum Beispiel unser Flaggschiff in der Rue Cambon 19. Und drittens verkaufen wir im Großhandel an etwa 350 Einzelhändler der gehobenen Preisklasse – wie Bucherer oder Wempe oder in Dubai.
 
FNW: Wer sind Ihre größten Konkurrenten?
FG: Wir sind alle Konkurrenten – ein Kunde, der sich eine Apple Watch kauft, ist für uns ein verlorener Kunde. Was uns interessiert, ist das Markenkapital. Das ist ein Thema, das die meisten unserer Konkurrenten nicht interessiert.
 
FNW: Wie viele Uhren stellen Sie her?
FG: Die jüngste Morgan-Stanley-Studie spricht von rund 80.000 Stück und einem Durchschnittspreis von 3.000 Euro. Aber viel Glück bei der Suche nach einer Chanel-Uhr zu diesem Preis!
 
FNW: Gehört Tiffany zu Ihren Konkurrenten?
FG: Ja, natürlich. Ich werde mich nicht zu den anderen äußern. Ohne deren Strategie zu verstehen, urteilt jeder nach dem, was er sieht.


Chanel


 
FNW: Wie definieren Sie die DNA von Chanel?
FG: Es geht vor allem um Kreation, um Femininität und Kühnheit. Das war schon klar, als Coco 1932 diese berühmte Kollektion entwarf. Da ist diese Modedesignerin und junge Frau, die noch nie Schmuck gemacht hat, umgeben von schnauzbärtigen Männern auf der Place Vendôme, und einige üben sogar Druck auf die Handwerker aus, nicht für sie zu produzieren! Was macht sie also: Sie entwickelt eine komplette Kollektion und denkt bereits über die Vermarktung nach. Das hatte zuvor noch niemand getan. Sie ließ den Schmuck auf Schaufensterpuppen ausstellen – ein modisches Statement. Und Coco wollte, dass der Schmuck leicht und fließend ist, so wie es sich eine Frau wünscht – im Gegensatz zu schwerem, klobigem Schmuck, den die Männer für ihre Ehefrauen und Mätressen bestellten. So funktionierte es damals.
 
FNW: Welches sind die ikonischsten Schmuckstücke des Hauses?
FG: Eines, das absolut zentral ist, ist der Comet. Er ist sehr wichtig, denn Coco sagte einmal, sie wolle Frauen mit Sternen bedecken. Eine andere Ikone ist der Löwe, der ausdrückt, wer sie war: die Löwin, geboren als Löwe und verliebt in Venedig. Im Bereich High Jewelry haben wir im Jahr 2020 tweedähnlichen Schmuck entwickelt, obwohl wir aufgrund der Pandemie alle Veranstaltungen absagen mussten. Das ist außergewöhnlich in der Welt der Haute Joaillerie. Viele Häuser würden gerne einen textilen Eindruck in ihren Schmuckstücken vermitteln, aber nur unser Haus hat das Savoir-faire, dies zu tun. Es ist eine neue Ikone für unser Haus. Tweed ist ein Schlüsselelement unserer DNA.
 
FNW: Wie ist es historischen Modemarken gelungen, einen so wichtigen Teil des Schmuckgeschäfts zu erobern?
FG: In unserem Fall, weil wir uns von Anfang an zu zwei Schlüsselelementen verpflichtet haben – die Kreation sollte im Vordergrund stehen und der Sitz sollte in Paris sein. Das gilt sowohl für Schmuck als auch für Uhren, und für letztere ist das nicht so üblich. Zweitens: Wir wollten ein technologisches und industrielles Umfeld schaffen, das es uns ermöglicht, diese Kreation zum Ausdruck zu bringen. Und um sie zu perfektionieren – von der Einstiegsuhr bis hin zu Haute Joaillerie. Es stimmt, dass sich die Exzellenz und das Savoir-faire der Uhrmacherei in die Schweiz verlagert haben, um ein Gleichgewicht zu finden. Das begann 1987, als unsere erste Investition darin bestand, eine kleine Schweizer Produktionsfirma in La Chaux-de-Fonds zu kaufen. Ich bin also in Genf ansässig, verbringe aber viel Zeit in Paris.
 
FNW: Welches ist das teuerste Schmuckstück, das Chanel jemals verkauft hat? Und die teuerste Uhr?
FG: Eine Halskette für 13 Millionen Euro, eine Sonderbestellung für eine privilegierte Kundin, mit einem weißen Diamanten als zentralem Stein. Sie ist nicht weit weg; sie wohnt hier! (lacht). Und um ganz transparent zu sein: Eine Auflage von 12 vollständig transparenten J12-Uhren – wir sind die einzige Marke, die diese Technik beherrscht - wurde für etwa 1 Million Euro pro Stück verkauft.
 
FNW: Warum erleben moderne Uhren einen solchen Boom?
FG: Die ganze Spekulation hat vor allem mit dem Markt für Herrenuhren zu tun. Ich glaube nicht, dass die Hersteller so begeistert von diesem Thema sind. Warum ist das so? Weil es letztendlich der Parallelmarkt ist, der Geld verdient. Aber im Gegensatz zu einigen anderen Unternehmen wird Chanel es nicht zur Geschäftspolitik machen, nicht an bestimmte Leute zu verkaufen. Zumal wir hauptsächlich an Frauen verkaufen.
 
FNW: Welche Anweisungen werden Sie Patrice Leguéreau geben, wenn Sie im Auto sitzen?
FG: Ich gebe ihm keine Anweisungen – es ist eher ein ständiges Gespräch. Wir arbeiten zwei bis drei Jahre im Voraus an unseren Projekten. Ich kann ihm einfach sagen, dass mir seine Idee gefällt, und den Prozess in Gang setzen. Meine Aufgabe ist es, den Verlauf der Projekte zu lenken. Sobald Sie und ich dieses Gespräch beendet haben, werden wir ein kleines Brainstorming auf der Corniche machen, während ich meinen Porsche fahre. Ich sammle Porsche – sie sind ikonische Designobjekte, die sich durch absolute Spitzenleistungen in der Fertigung auszeichnen. Und das bei gleichzeitiger kontinuierlicher Innovation. Das ähnelt dem, was wir bei Chanel tun, genau wie Rolex oder Porsche: Perfektionierung der Perfektion.

FNW: Welchen Auftrag gaben Ihnen die Wertheimers (Chanel-Eigentümer), als sie Sie einstellten?
FG: Ich saß am ersten Tag in meinem Büro am Place Vendôme und sie baten mich, darüber nachzudenken, wo die Marke in 30 Jahren stehen würde. Wie ich die Marke verlassen werde. Kurz und bündig.

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