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Veröffentlicht am
07.12.2017
Lesedauer
3 Minuten
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Chanels Regatta und Rollkragen-Chic segeln nach Hamburg

Veröffentlicht am
07.12.2017

Man sagt, man solle nie zurückblicken und Karl Lagerfeld, obwohl er in die Heimatstadt seiner Familie für seine neueste Chanel Show nach Hamburg zurückkehrte, hat das für seine ungewöhnliche und nautische Kollektion sicherlich nicht getan.

Chanel - Métiers d'Art Paris - Hamburg - Kollektion2017/18


Eine Kollektion, die in der Elbphilharmonie ihre Segel setzte, der gigantischen Konzerthalle der Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, die auf einem am Hafen gelegenen Backstein-Kaispeicher aufgestockt und im Januar 2017 eröffnet wurde. Es ist eine 110 Meter hohe Glasstruktur in der Hamburger HafenCity, die wie eine riesige Welle zu schweben scheint, über den vorbeifahrenden Tankern, Trawlern, Kreuzfahrtschiffen und Fähren, und von Handelsmatrosen gesteuert – die Schlüssel-Inspiration für die Kleidung.

Fast jedes der 87 Outfits der Show wartete mit Dampfschiff-Kapitänsmützen, mit fransigen, blauen Chanel Tweed-Bändern, Kristallketten und CC-Broschen auf. Die Sorte, mit der die Beatles – die sich als Musiker in Clubs auf der wilden Hamburger Reeperbahn ihre Sporen verdienten – einmal auftraten. Denke man nur an Ringo auf dem "Help!"-Album-Cover.

Feine Hosen für die Besatzung mit flachen Frontklappen aus Grosgrain oder wachsartige Lederversionen mit Seitenstreifen aus Grosgrain veredelt. Und da es in diesem Nordseehafen fast immer kalt ist, gibt es dazu Overknees-Stulpen aus Zopfstrick und dazu passende Aran-Pullover als Cocktail-Kleider. Und man kann sich denken, dass die neuen Chanel Caban-Jacken, die die Kurven des Philharmonie-Gebäudes widerspiegeln, genau das sein werden, was jede hippe Göre tragen will, wenn das Barometer das nächste Mal fällt.

Photo: Chanel/ Instagram


"Ich kam wegen des Gebäudes hierher. Es hat mich wirklich inspiriert und hat Hamburg zur neuen Kulturhauptstadt Deutschlands gemacht. Seit Zaha Hadid verstorben ist, glaube ich, dass Herzog und de Meuron die interessantesten Architekten sind. Es gibt hier jeden Tag ein Konzert und alle sind sie ausverkauft. Obwohl Hamburg nicht die Stadt meiner Jugend ist. Sie hatten hier ganz sicherlich keine Container als ich ein Kind war!", scherzte Lagerfeld mit FashionNetwork.com in seinem Backstage-Aufenthaltsraum nach der Show. Und als visuellen Insider-Gag präsentierte der deutsche Modeschöpfer sogar eine Reihe von Chanel Container-Taschen im Miniaturformat.

Außerdem rekonfigurierte er das klassische Chanel Kostüm für die hohe See mit goldenen Nieten anstatt der Knöpfe, mit Dreifachstreifen und mit Kragen, die weit über die Schultern reichen – ein alter Favorit von Coco. Der Mythos besagt, dass die Krägen deswegen entstanden, um die Kleidung der Seemänner vor den geteerten Zopfbändern zu schützen. Die Crew wurde von dem deutschen Superstar-Model Anna Ewers angeführt, die die Show eröffnete, und alle trugen ebenfalls Zöpfe. Als die Models um die kurvige Konzerthalle marschierten, spielte ein Orchester von 35 Musikern das Stück "La Paloma", das durch die bemerkenswerte Akustik und dank der gefrästen Gipsplattenwände noch verstärkt wurde.

Die Highlights waren eine Reihe fantastischer Federphantasien, in denen Lagerfeld die technische Brillanz von Chanels bemerkenswerten Paris-Ressourcen demonstrierte, ein wichtiger Punkt dieser Métiers d'Art-Shows. Am spektakulärsten: kurze Cocktail-Kleider mit Matrosenkragen aus Federn in Querstreifen in Zusammenarbeit mit Maison Lemarié, dem 1880 gegründeten Blumen- und Federspezialisten, den die Chanel-Gruppe 1996 erwarb.

"Du kannst Virginie dafür danken. Sie hat wirklich diese Saison etwas Besonderes gemacht. Merci!", sagte Lagerfeld als gnädiges Kompliment  zu seiner rechten Hand bei Chanel, Virginie Viard, die glücklich neben ihm lächelte.

Für den Abend hat Karl die Looks flott gehalten – naja, wir sind ja auch in einer Hafenstadt – mit durchsichtigen Tüllröcken, gekrönt von einem kühnen schwarz-weißen Zopfstrick-Pullover mit Barockmustern des Hamburger Rathauses. Zudem begleitet von der lokal-traditionellen Akkordeonmusik, die eine Referenz in den ausziehbaren Handtaschen mit Goldkettenriemen erhielt.

Beim Finale verbeugte sich Lagerfeld (bekleidet mit einer Jacke von Dior Homme) mit Patensohn Hudson und grüßte die 1.200 Zuschauer, deren erste Reihe mit Markenbotschafterinnen – darunter Kristen Stewart, Tilda Swinton, Lily Rose Depp und Marine Vacth – völlig von den Socken war und in den lang anhaltenden Jubel einstimmte.

Lagerfeld nahm damals den Zug, als er als junger Teenager seine Heimat verließ, um nach dem Krieg nach Paris zu kommen, um Design zu studieren. Mehr als sechzig Jahre später kehrt er triumphierend zurück und enthüllt seine neuesten Kreationen für das erfolgreichste Luxusmode-Label der Welt. Keine schlechte Art, so nach Hause zu kommen.

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