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Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
05.07.2021
Lesedauer
4 Minuten
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Christian Dior: Fantasievolle Faden-Couture

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
05.07.2021

Der rote Faden der jüngsten Haute-Couture-Kollektion von Christian Dior waren, nun ja, Fäden. Besonders gelungen wurde das Thema durch die bemerkenswerten Materialien und die einzigartige Kulisse zum Ausdruck gebracht, welche für die Laufstegshow in Paris angefertigt wurde.


The Dior Autumn-Winter 2021-2022 Haute Couture Show


 
Am Montagnachmittag, dem Eröffnungstag der viertägigen Haute-Couture-Saison in der französischen Hauptstadt, fand die Live-Laufstegshow in einem prächtigen rechteckigen Zelt statt, dessen Wände mit einer gigantischen abstrakten impressionistischen Installation namens "Chambre de Soie" der Künstlerin Eva Jospin geschmückt waren.
 
Der Ausgangspunkt für Diors Kreativdirektorin Maria Grazia Chiuri war jedoch die Lektüre von "Threads of Life", einer philosophischen Studie der schottischen Autorin Clare Hunter über den Einfluss von Stoffen und Materialien in der Geschichte.

"In diesem sehr schwierigen Moment ist es sehr wichtig, weltweit Solidarität zu zeigen. Und ich war fasziniert von Thomas' Interpretation der Rolle von Textilien in so vielen Gesellschaften und Nationalitäten und all den Kunsthandwerkern und les petites mains, die Stoffe nähen, weben und besticken", erklärte Chiuri im Vorfeld der Show.


Christian Dior Haute Couture Herbst/ Winter 2021-2022 - Photo: Courtesy of Christian Dior


 
Impressionismus in vielfältiger Form zeigte sich in den brillanten Stoffen, die das Rohmaterial dieser Herbst/Winter-Kollektion 2021 bildeten. Von auffälligen Kombinationen aus Polyamid-Mesh, die mit Mikrokristallen durchsetzt sind, bis hin zu den überwältigenden floralen Mustern aus Velours-Jacquard, hergestellt von Bucol aus Paris.
 
Die größte modische Neuerung war jedoch die subtile Farbkoordination mehrerer Daywear-Looks: Abstufungen von grau meliertem Tweed, Strick und Kaschmir, die in diversen adretten Bar Jackets, Cabanjacken und Blazer/Cape-Kombinationen zu sehen waren.

Chiuri mag ihre Alltagsmode elegant, aber immer praktisch, weshalb Dutzende von Looks zu schräg geschnittenen Tweed-Bovver-Stiefeln getragen wurden. Sie spielte auch mit Mänteln in kontrastierenden Farben und Stoffen; am eindrucksvollsten war ein graues Mosaik, das einmal das Herzstück eines großen Modemuseums sein wird.
 
"Eine große Maison wie Dior darf niemals den Wert all dieser geschickten Stickerinnen und Handwerkerinnen vergessen, und manchmal werden diese Fähigkeiten als bloße Heimarbeit abgetan. Das sind sie nicht, es sind einzigartige Techniken und Kenntnisse, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden", betonte Chiuri.


Christian Dior Haute Couture Herbst/ Winter 2021-2022 - Photo: Courtesy of Christian Dior


 
Die italienische Designerin war selbstbewusst genug, um mit vielen der ikonischen Looks von Monsieur Dior selbst zu experimentieren. So verlängerte sie die Bar Jacket über den Torso hinaus und präsentierte eine Neuinterpretation des ausladenden Rocks in einer modernistischen Abwandlung des New Look.
 
Obwohl es in Paris kaum Milliardärsgattinnen oder Prinzessinnen aus der Golfregion gibt, mangelte es in der ersten Reihe nicht an Prominenz. Jessica Chastaigne gesellte sich zu Carra Delevingne an der Seite von Dior CEO Pietro Beccari.
 
Insgesamt gab es 75 Look, doch in der Mitte schwächelte die Show. Die stets hart arbeitende Chiuri muss nach der Inszenierung so vieler sowohl komerziell erfolgreicher als auch von den Kritikern gelobten Shows für Dior erschöpft sein. Vor zwei Wochen inszenierte sie eine Resortkollektion in Athen, in der Woche vor dieser Couture-Show war sie mit den Vorbereitungen für die nächste Prêt-à-Porter-Schau im Oktober beschäftigt. Es hätte geholfen, ein halbes Dutzend der über zwanzig grauen Looks zu streichen.


Christian Dior Haute Couture Herbst/ Winter 2021-2022 - Photo: Courtesy of Christian Dior



Abgesehen davon hat Chiuri für den Abend einige wunderschöne Empire-Kleider aus Chiffon mit Schleppe entworfen, von denen die meisten Frauen träumen dürften.
 
Wieder einmal nahm Chiuri klugerweise Bezug auf eine Idee des ältesten Couturiers des Hauses, Marc Bohan – mit einem Jockey-Hut von 1964 namens Ludovic.
 
"Bohan schloss sich der Jugendbewegung der 60er Jahre mit einem raffinierten Reiterhut an, nachdem Dior jahrelang große Blumenkonstruktionen entworfen hatte", so Stephen Jones, der langjährige Hutmacher des Hauses. Diese Kopfbedeckung im Geiste von Qui Etes Vous Polly Magoo? wird mit Sicherheit ein großes Revival auslösen.
 
Es ist eine echte französisch-italienische Partnerschaft zwischen der Römerin Maria Grazzia Chiuri und der Französin Eva Jospin, die einst an der Villa Medici, dem französischen Kulturinstitut in der italienischen Hauptstadt, studierte.
 
Während ihres Aufenthalts in Rom besuchte Jospin den Palazzo Colonna und entdeckte dabei den bemerkenswerten Raum Salle aux Broderies, dessen Wände alle mit Stoffbahnen verkleidet sind.

Jospins riesiges Tableau für Dior verweist schließlich auf eine ganze Reihe von Künstlern und deren Werke – von Turners Meereslandschaften und Bonnards Gärten über Roberts antike Ruinen bis hin zu Vuillards Landschaften.
 
Chambre de Soie ist ein riesiges Werk von etwa 100 Metern Länge und wurde größtenteils in Indien genäht und bestickt. 

Das Kunstwerk, das eine perfekte Kulisse für die neueste Couture des Hauses bietet, wird nun für sechs Tage als Installation im Garten des Rodin-Museums verbleiben.
 
Ihre nächste Ausstellung wird Jospin in Giverny zeigen, dem Wallfahrtsort des Impressionismus, der Heimat von Claude Monet. Die wahrscheinlich nächste Station für ihr neuestes gewaltiges Oeuvre.

Christian und Claude hätten das sicher gutgeheißen.

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