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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
22.03.2022
Lesedauer
7 Minuten
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Christina Raab (Cradle to Cradle): "Man kann nicht einfach jeden Monat einen neuen Zulieferer wählen"

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
22.03.2022

Mit der Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung in Europa werden sich die Modeunternehmen des dringenden Bedürfnisses bewusst, ihr Modell zu verändern. Die Herausforderungen der Umweltverantwortung erfordern ein Umdenken. Cradle to Cradle setzt sich dafür ein, dass sich die Mode auf ein Kreislaufmodell zubewegt. Am Welt-Recycling-Tag am 18. März trafen wir uns mit Christina Raab. Die Präsidentin der Zertifizierungsorganisation Cradle to Cradle sprach mit uns über die Chancen, die sich für Mode- und Kosmetikunternehmen eröffnen.


Christina Raab - Cradle to cradle


FashionNetwork.com: Am 18. März ist Welt-Recycling-Tag. In diesem Bereich gibt es ein sehr reichhaltiges Vokabular. Man spricht von Null Abfall, Umweltverantwortung, Kreislaufwirtschaft … Für Unternehmen kann es schwierig sein, sich zurechtzufinden, zumal es für verschiedene Themen und Märkte unterschiedliche Label gibt. Wie erklären Sie das?

Christina Raab: Alle diese Konzepte befassen sich mit unterschiedlichen Themen. Sie finden im Rahmen von Cradle to Cradle zusammen. Das umfasst Null-Abfall-Konzepte und Kreislaufwirtschaft, aber auch die Einhaltung des rechtlichen Rahmens, wie beispielsweise in Frankreich. Zu jedem Thema, das wir analysieren, gibt es Label, die auch den Weg zur Zertifizierung ebnen. Das Institut Cradle to Cradle ist eine Non-Profit-Organisation, die 2010 gegründet wurde. Wir engagieren uns stark, um die Begriffe der Kreislaufwirtschaft und Umweltverantwortung klar zu definieren. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz und berücksichtigen die verschiedenen Aspekte der Materialsicherheit auf Gesundheitsebene, die zirkulären Seiten der Produkte, aber auch die Luftreinheit, den Klimaschutz, das Wasser- und Bodenmanagement und die soziale Gerechtigkeit. Diese Elemente müssen von unabhängigen Akteuren überprüft werden. Dadurch können die Unternehmen mit ihren Teams und Kunden über starke Maßnahmen kommunizieren.

Doch es stimmt, dass bei den Begriffen eine erhebliche Verwirrung herrscht. Denn jeder versteht unter den verwendeten Bezeichnungen etwas anderes. Wenn Sie beispielsweise von Circularity sprechen, so verstehen einige "Recycling-Baumwolle", andere "Abfallwirtschaft". Diese Themen sind miteinander verbunden. Doch braucht es viel Pädagogik, damit die Terminologie ähnlich aufgefasst und verwendet wird. Für uns geht es darum, im Bereich der Kreislaufwirtschaft sehr aktiv zu sein.

FNW: An Cradle to Cradle beteiligen sich mehrere Vertreter großer Kosmetik-, Bau- und Textilkonzerne, darunter H&M. Wie verhindern Sie, dass der Eindruck von Greenwashing entsteht?

CRNun, da gibt es mehrere Aspekte. Wir finanzieren Forschungsarbeiten und Zertifizierungsprogramme über kostenpflichtige Lizenzen für die Unternehmen, die das Zertifizierungslogo dann auf ihren Produkten verwenden können. Und jedes Unternehmen, das von einer Schulung und einer Begleitung profitiert, bezahlt einen Betrag. Wir haben auch unsere Akademie, wo Interessenten eine Online-Ausbildung absolvieren können. Darüber hinaus werden wir von gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen unterstützt und beteiligen uns an Projekten, die von der EU-Kommission finanziert werden. Schließlich hat das Institut Kriterien erstellt, um Greenwashing zu vermeiden. Doch im Alltag sind es die unabhängigen Organismen in jeder Region, die bei den Unternehmen sind und ihre Fortschritte verfolgen. Und wir stellen die Zertifizierung aus, die nach einem Schlussaudit zwei Jahre gültig ist.

FNW: Die Baubranche ist in Ihren Tätigkeiten sehr aktiv. Sind Textilien und Kosmetika weniger dynamisch?

CR: Wir sind in der Baubranche gut vertreten, da einer unserer Gründer Architekt ist. Wir arbeiten mit 650 Unternehmen weltweit zusammen und es stimmt, dass die Hälfte davon in der Baubranche tätig ist. Dennoch muss ich darauf hinweisen, dass in der Branche noch Luft nach oben ist. Die meisten Zertifizierungen sind auf Bronze-Niveau. Wenn man die Kosmetik- und Textilmarken ansieht, so sind viele Akteure weiter fortgeschritten. Die Textilunternehmen werden oft bereits mit Gold-Zertifizierungen ausgezeichnet und in der Beauty-Branche gibt es eine Mischung aus Silber und Gold.

FNW: Bedeutet dies, dass Unternehmen in diesen Branchen in ihrer Entwicklung im Zertifizierungsrahmen bereits weiter fortgeschritten sind?

CR: Die Akteure der Mode- und Kosmetikbranche haben mit Blick auf ihre Beschaffung bereits eine gewisse Transparenz eingeführt. Diese Transparenz vereinfacht die Validierung der Kriterien. Darüber hinaus handelt es sich um zwei Branchen, in denen Innovation eine wichtige Rolle spielt. Die Kosmetikindustrie sucht beispielsweise ständig nach neuen Lösungen und reagiert sehr schnell auf Verbrauchertrends. In der Textilbranche ist es genauso. Durch die Beziehung mit den Zulieferern werden die besten neuen Materialien gesucht. Es ist die direkte Verbindung zu den Kunden, die diese permanente Weiterentwicklung erfordert.


Der Stoff "Beluga" von Rajby Textiles trägt als einziges Material eine Platin-Auszeichnung - Screen Shot Cradle to Cradle


FNW: Es werden neuen Vorschriften zur Wiederverwertbarkeit und der Nichtvernichtung der Produkte erarbeitet. Sind sich die Unternehmen dessen bewusst?

CR: Diese Standards leisten einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung rund um die Wiederverwertbarkeit. Unternehmen verstehen, dass Produkte nicht mehr einfach nur vergraben und zerstört werden können. Sie müssen wissen, was aus ihren Produkten wird, nachdem sie sie verkauft haben. Im nächsten Schritt muss darüber nachgedacht werden, wie diese Produkte im Kreislauf bleiben und dem Recycling zugeführt werden können.

FNW: Dieses Bewusstsein geht über die Verwendung von Recyclingbaumwolle hinaus. Wird auch das Design zu einem wichtigen Element?

CR: In der Textilbranche geht alles vom Design aus. Wenn man Designs mit weniger Verlusten will, hat das diese globalen Auswirkungen. Das bedingt, mit besseren Stoffen zu arbeiten. Das Anliegen wurde zunächst von den Nachhaltigkeitsteams der Unternehmen behandelt, doch heute werden auch die Design- und Einkaufsabteilungen eingeschaltet. Das ist wichtig, um die besten Stoffe zu finden, die besten Deals auszuhandeln und zum besten Endprodukt zu gelangen.

FNW: Und wie müssen sich Unternehmen verhalten, deren Entwicklung noch nicht ganz so weit ist?

CR: Sie müssen verstehen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man das Thema Umweltverantwortung mit nur einer isolierten Maßnahme abhaken konnte. Es ist wichtig, dass man Überlegungen zur Art und Weise anstrengt, wie man den Verbrauchern seine Positionierung verdeutlichen und die Maßnahmen validieren kann. Es handelt sich aber nicht mehr um Maßnahmen des Unternehmens, die nicht von einem unabhängigen Beobachter validiert wurden. Diesbezüglich haben wir den Ruf, streng zu sein und uns auf wissenschaftliche Grundlagen zu stützen.

Der zweite Punkt ist, dass jedes Unternehmen die Organisation mit seinen Zulieferern überdenken muss. Es ist wirklich wichtig, dass eine langfristige Vision umgesetzt wird. Man kann nicht einfach aus Kostenfragen jede Saison einen neuen Zulieferer wählen, sondern muss eine Vertrauensbeziehung und Projekte mit seinen Partnern aufbauen. Dann muss die Vision in allen Abteilungen des Unternehmens greifen. Das ist vielleicht der wichtigste Aspekt.

"Viele Marken sprechen über diese Entwicklungen, doch liegt das Know-how in Wirklichkeit bei ihren Zulieferern"



FNW: Der Wandel in der Zulieferkette ist ein Punkt, den viele Unternehmen nicht angehen wollten. Hat sich das verändert?

CR: Ja, das stimmt. Natürlich auch, weil dafür die Arbeitsweise überdacht werden muss, damit neue, transparente Prozesse entstehen. Das ist eine Umstellung, die intern geschehen muss. Wir arbeiten mit den Marken, aber auch mit den Händlern und die Großverteiler spielen eine wichtige Rolle. Wenn ein Akteur wie Zalando nachhaltige Kollektionen in den Fokus rückt und Kriterien durchsetzt, bildet dies für die ganze Branche einen wichtigen Motor des Wandels.

FNW: Wenn man mit den Zulieferern spricht, so scheinen manche größere Fortschritte bei der Umweltverantwortlichkeit gemacht zu haben als die Marken. Stimmt das?

CR: Die Produktionseinheiten in der Zulieferkette handeln immer nachhaltiger. Viele Marken sprechen über diese Entwicklungen, doch liegt das Know-how in Wirklichkeit bei ihren Zulieferern.

FNW: Das ist eine gute Nachricht. Das bedeutet, dass für die Marken bereits Lösungen existieren …

CR: Ja, genau. Es herrscht bei den Marken ein Bedürfnis, in diese Lösungen zu investieren.
 
"Wir werden in diesem Jahrzehnt eine starke Beschleunigung erleben"

FNW: Wo sind denn die Bremsen, die die Entwicklung zur Kreislaufwirtschaft in der Kosmetik- und Modebranche hemmen?

CR: Das hat viel mit der Einstellung zu tun. Geschäftsführer und Teams müssen spezifisch geschult, das Verständnis der Herausforderungen stärker gewichtet werden. Das bedeutet, über eine Capsule Collection mit Recycling-Polyester oder -Baumwolle hinauszugehen.

Daraus ergeben sich die Fragen zur Überarbeitung der Supply Chain. Wenn das Unternehmen in jeder Saison einen neuen Sourcing-Anbieter hat, ist das Anliegen der Kreislaufwirtschaft schwierig umzusetzen. Und es herrscht noch immer mangelnde Transparenz über die Organisation der Wertschöpfungskette und die Materialien, die in die Zusammensetzung der Produkte einfließen. Und schließlich – ein sehr wichtiger Punkt – es gibt heute in der Textilbranche keine Struktur, um die Produkte wahrhaft zu recyceln.


Napapijri hat eine "zirkuläre" Produktkategorie entwickelt mit Jacken und Strickwaren - Napapijri


FNW: Was bedeutet das?

CR: Im Idealfall müsste man seine Produkte in die ursprünglichen Bestandteile zerlegen können, um wieder dasselbe Produkt herzustellen. Einige Outdoor-Marken verzichten mehr und mehr auf Stoffmischungen, um einfacher mit dem Recycling-Stoff umgehen zu können. Doch das bedeutet, dass sie eine Infrastruktur benötigen, um die Produkte bei den Kunden einzusammeln, und sie anschließend wieder der Wertschöpfungskette zuzuführen, um ein gleichwertiges Produkt zu erstellen. Modelle gibt es, doch nicht auf industrieller Ebene. Es muss ein Gang hochgeschaltet werden. Das bedeutet, dass alle Schritte überarbeitet und die Verbraucher, Marken, die gesamte Wertschöpfungskette sowie die Recycling-Unternehmen miteinbezogen werden. Alle Akteure.

FNW: Haben Sie schon eine Vorstellung, wann dies betriebsbereit sein könnte?

CR: Die Pilotprogramme sind bereit! Wir brauchen Investitionen, um die Umstellung auf einen industriellen Maßstab vornehmen zu können. Ich denke, wir werden in diesem Jahrzehnt eine starke Beschleunigung erfahren, mit vielen Marken, die Zielsetzungen bis 2030 ins Auge gefasst haben.

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