Christoph Rumpf gewinnt den Hyères-Modepreis 2019
Die 34. Ausgabe des internationalen Mode- und Fotografie-Festivals von Hyères endete am Sonntag, 28. April, mit der Verleihung der renommierten Preise. In diesem Jahr war nicht zuletzt das Erstarken der Männerkollektionen zu beobachten, die im Vergleich zu den Womenswear-Entwürfen mehr Kreativität zum Ausdruck brachten. Ein besonderes Augenmerk galt erneut der nachhaltigen Entwicklung. Der Hauptpreis der Première Vision-Jury wurde wie erwartet dem Österreicher Christoph Rumpf übergeben, dessen leuchtende Menswear-Kollektion sich deutlich von den anderen Entwürfen abhob.

Der junge Designer wurde vor 25 Jahren in Graz geboren und absolvierte sein Studium an der Universität für angewandte Kunst Wien. Mit seinen majestätisch geschnittenen Silhouetten und hochwertigen Stoffen gelang es ihm, seine kreativen Emotionen zur Geltung zu bringen. Jedes Model schien durch die getragenen Kleidungsstücke wie verwandelt und inspiriert zu sein. Die meisten Entwürfe waren aus rezyklierten Stoffen gefertigt, von den edelsten bis hin zu den delikatesten Stoffen.
Aus einem alten Perserteppich entstand in den Händen von Christoph Rumpf eine Festkleidung, und die Blumendrucke alter Wandteppiche zierten eine Jacke mit überdimensionierten Schultern. In anderen Entwürfen wurden zylinderförmige und mit Brokat überzogene Elemente wie eine Rettungsweste zusammengefügt. Die übergroßen Kragen seiner Jacken und Mäntel wuchsen in den Himmel und unterstrichen die imposanten Figuren.
"Es handelt sich um ganz klassische Kleidungsstücke, die dem Lauf einer Geschichte angepasst wurden. Es ist die Geschichte eines verlorenen jungen Prinzen, der im Dschungel aufwächst und nach und nach zu seinen adligen Wurzeln zurückfindet. Ich mag alle Bestandteile des kreativen Prozesses, ganz besonders die Erzählung", erzählte der prämierte Designer.
Die Modejury bedachte auch die Arbeit ein japanisches Designertrios mit Lob. Tetsuya Doi (26 Jahre), Yota Anazawa (25 Jahre) und Manami Toda (32 Jahre) aus Tokio sorgten mit ihrer überbordenden Kreativität und ironischen Neuinterpretation der großen Modeklassiker, von Armani-Anzügen bis hin zum preppigen Ralph-Lauren-Stil, für Aufsehen. Eine farbenprächtige Kollektion, wenn auch stellenweise etwas chaotisch und nicht immer leicht nachvollziehbar, gespickt mit Details und destrukturierten, aufgeteilten Stücken, doch stets mit einem spielerischen Einschlag.

Der Accessoires-Preis der Swarovski-Jury wurde der Spanierin Noelia Morales verliehen, die mit ihren Überlegungen zur Brustamputation zum Nachdenken anregte. Die 46-jährige Designerin aus Barcelona befasste sich seit 2004 in einem Consulting-Büro mit Verbrauchertrends.
Vor zwei Jahren wurde sie mit Brustkrebs diagnostiziert. Daraufhin erfand sie das "Mastektomie-Patch" getaufte Accessoire, das in Manier einer Piraten-Augenklappe die fehlende Brust bekleidet. "Das Patch soll die Nacktheit mit Humor bedecken, um es den betroffenen Frauen zu ermöglichen, mit diesem Schmuckstück weiter zu flirten", so die Designerin.
Ebenfalls ehrte die Accessoires-Jury die Arbeit von Dorian Cayol (30 Jahre) und Quentin Barralon (23 Jahre). Die beiden französischen Designer eröffneten ein Lederwarenatelier in Romans-sur-Isère, einer traditionellen Hochburg der Schuhmanufaktur, um das regionale Know-how zu retten. Für das Festival überarbeiteten sie gekonnt klassische, handelsübliche Schuhmodelle und ersetzten darin Kunststoffe durch Leder oder natürliche Materialien.
Der Publikumspreis ging an die Belgierin Sarah Levy, die in ihren Lederaccessoires moderne Verhaltensweisen festhielt.

Das von Jean-Pierre Blanc gegründete und geführte Festival vergab unter dem Vorsitz von Pascale Mussard auch den Chloé-Preis in der Kategorie Mode. Dieser ging an die Schweizerin Tina Schwizgebel-Wang (29 Jahre), die eine eklektische, aber technisch versierte Kollektion zeigte, in der sie ihre Leidenschaft für Zeichnungen und Illustrationen, aber auch für Tätowierungen und Keramik einfließen ließ.
Zum ersten Mal verlieh das Luxushaus Chanel darüber hinaus seinen Prix des Métiers d’Art, der der Irin Róisín Pierce zugesprochen wurde. Die Designerin erhielt auch den Publikums-Stadtpreis von Hyères. In ihrer Arbeit konzentrierte sie sich auf die englische Stickerei und traditionelle Wäschetechniken des 19. Jahrhunderts. Diese verband sie mit dreidimensionalen Konstruktionen, die vielerorts durch Raffungen entstanden.
Die von Craig McDean angeführte Fotografie-Jury erteilte ihren Grand Prix der Südafrikanerin Alice Mann. Der American Vintage-Preis ging an den französischen Fotografen Hubert Crabières und der Preis für das beste Stillleben wurde der Finnin Hilla Kurki verliehen. Den Publikumspreis holten sich die Französinnen Elsa & Johanna.
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