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DPA
Veröffentlicht am
24.04.2020
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3 Minuten
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Clean Clothes Campaign fordert von deutschen Modeunternehmen mehr Engagement bei Lieferanten

Von
DPA
Veröffentlicht am
24.04.2020

Vor sieben Jahren ist die Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch eingestürzt. Mehr als 1.200 Frauen und Männer starben damals. Doch noch immer werden bei der Produktion von Kleidung Menschen- und Arbeitsrechte verletzt – aktuell durch die Coronakrise. Nicht nur in Asien oder Afrika, sondern auch in Europa.

Clean Clothes Campaign - Kampagne für Saubere Kleidung


In Serbien, der Ukraine, Kroatien und Bulgarien nähen an die 120.000 Beschäftigte für deutsche Modefirmen wie Hugo Boss, Gerry Weber, Esprit sowie andere deutsche Supermarkt-, Drogerie- und Modeketten. Fabrikbesitzer zwingen sie auch jetzt, in die Fabrik zu gehen und zu arbeiten – trotz des Risikos, sich und damit ihre Familien mit dem SARS-CoV-2 zu infizieren. Das zeigen aktuelle Recherchen der Clean Clothes Campaign und von Brot für die Welt.

"Hugo Boss verweist immer auf seinen Corporate Health Award, doch bei seinem kroatischen Lieferanten gab es im Januar nicht einmal genügend Seife und Toilettenpapier", kritisiert Bettina Musiolek von der Clean Clothes Campaign (CCC). "Die Coronakrise hat die Modehäuser getroffen – doch derzeit tragen vor allem die letzten Glieder der Kette, die Beschäftigten, die Hauptlast. Wie sie diese Last mildern wollen, darüber hüllen sich Hugo Boss, Esprit und Gerry Weber in Schweigen."

Wer sich krank meldet, muss mit Repressalien seitens des Managements rechnen. Eine kroatische Näherin, deren Fabrik Hugo Boss beliefert, sagt: "Wenn du krank bist, bringst du dich besser gleich um – krank zu sein, kann sich hier keiner leisten!". Hinzu kommt, dass die Löhne in der Textilproduktion auch in Ost- und Südosteuropa noch immer extrem niedrig sind. Wer wie beispielsweise eine Näherin in der Ukraine umgerechnet nur 126 Euro pro Monat verdient, kann kein Geld für Notfälle wie die Coronakrise zurücklegen.

"Um vom Lohn leben zu können, müssten die Näherinnen in der Ukraine, Serbien, Kroatien oder Bulgarien das Drei- bis Fünffache verdienen", so Musiolek. Dies passiere auch nicht, weil Marken wie Hugo Boss, Esprit und Gerry Weber ihren Lieferanten viel zu niedrige Einkaufspreise zahlen. Aktuell fällt selbst dieser Lohn oft weg, weil Modeunternehmen in Deutschland Aufträge kündigten. Oder weil Fabriken, die für deutsche Modemarken wie Hugo Boss produzieren, ihre Beschäftigten zwingen, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Ausfallszahlungen gibt es nicht.

Die CCC fordert von Esprit, Gerry Weber und Hugo Boss, sich bei ihren Lieferanten zu engagieren. "Das heißt derzeit konkret, die erteilten Aufträge nicht zu stornieren und fristgerecht zu bezahlen", so Musiolek. "Und sie müssen ihre Lieferanten in den Produktionsländern dabei unterstützen, den Gesundheitsschutz der Näherinnen sicherzustellen". Dazu gehört, die Arbeitenden sicher zu den noch arbeitenden Fabriken zu transportieren, dort für ausreichend Abstand zwischen den Nähmaschinen zu sorgen sowie Schutzausrüstung bereitzustellen. Dies sei bislang zumeist nicht der Fall, berichten Beschäftigte.

Musiolek resümiert: "Trotz aller freiwilligen Brancheninitiativen und wohlklingenden Siegel hat sich in den letzten Jahrzehnten die Menschenrechtssituation in den Kleiderfabriken der europäischen Billigproduktionsländer nicht verbessert." Umso wichtiger ist die Forderung der Initiative Lieferkettengesetz nach einem gesetzlichen Rahmen, der auch in Krisenzeiten garantiert, dass Unternehmen die Menschenrechte entlang ihrer Lieferketten sicherstellen.

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