Copenhagen Fashion Summit: die Perspektive eines Lieferanten mit Spencer Fung

Um die Modebranche wirklich zu verändern, müssen alle Akteure einbezogen werden. Der Copenhagen Fashion Summit, der am 15. und 16. Mai stattfand, lud daher die gesamte Branche ein, sich am "systemischen Wandel" zu beteiligen. Marken sind eingeladen, ihre Praktiken zu ändern. Aber die Veranstaltung vergisst nicht die zentrale Bedeutung der Lieferanten. Am Morgen des zweiten Veranstaltungstages stand einer der Mächtigsten von ihnen auf der Bühne, um seine jüngsten Initiativen zu erläutern. Spencer Fung, aus der vierten Generation der Familie und Leiter des Textilriesen Li & Fung, hat seinen Ansatz zur Digitalisierung dargestellt.

Spencer Fung in einer Diskussion auf der Bühne des Copenhagen Fashion Summit - FashionNetwork

"Wir waren lange Zeit ein regionaler Akteur. Wir haben von der Globalisierung profitiert und sind heute ein Global Player. Aber da sich die Verbraucher viel schneller als zuvor verändern, müssen wir Neuerungen einführen ... oder sterben. Im vergangenen Jahr haben wir damit begonnen, die Lieferkette der Zukunft zu gestalten", sagte er.

Für den in Hongkong ansässigen Konzern mit einem Umsatz von mehr als 13,5 Milliarden Dollar erfordert dies die Digitalisierung seiner Prozesse. Nach Ansicht des Geschäftsführers muss dieser Ansatz dem Sektor neue Flexibilität bringen, aber auch die Praktiken in Richtung eines verantwortungsvolleren Verhaltens ändern.

"Ehrlich gesagt, vor einem Jahr wussten wir nicht genau, was das bedeutet", so der Leiter. "Wir haben jetzt eine klarere Vision mit unterschiedlichen Schwerpunkten für uns, aber auch für unsere Kunden. Wir konzentrieren uns auf das virtuelle 3D-Design. Das reduziert die Konstruktionszeit und die Musterproduktion drastisch. Das bedeutet enorme Materialeinsparungen und -gewinne für den Handel. Wir arbeiten aber auch an Lösungen, damit kleine und mittlere Unternehmen in Saas Lösungen finden, mit denen sie ihre Leistung verbessern können", fügte er hinzu.

Vor dem Publikum des Copenhagen Fashion Summit plädierte Spencer Fung jedoch nicht für Sparsamkeit, sondern für Anpassung. "Geschwindigkeit ist sehr wichtig, weil die Welt und der Verbraucher schneller werden. Wenn der Kunde zehnmal schneller ist als zuvor und weiß, was er will, wenn er den Laden betritt, sind 40 Wochen zwischen dem Entwurf und der Ankunft im Laden zu lang. Wir wollten auf 20 oder 16 Wochen reduzieren, aber das ist immer noch nicht schnell genug. Wir müssen sehen, wie wir die Nachfrage der Verbraucher befriedigen können. Die meisten Leute nutzen 10 % ihrer Garderobe, also wollen sie ein bestimmtes Produkt."

Dies wird es den Einzelhändlern ermöglichen, die Lagerbestände und das Volumen der ermäßigten Produkte zu reduzieren sowie die damit verbundene Produktion von Unmengen von Fasern, die jedes Jahr unverkauft enden.

Für Spencer Fung ermöglicht die Digitalisierung mehr Transparenz. Und Transparenz könne die Lebensbedingungen der Arbeiter verbessern. "Transparenz sorgt für Nachvollziehbarkeit sozialer Probleme, meint er. Der Sektor beschäftigt Hunderte Millionen Menschen. Unser Geschäft umfasst 5 Millionen Mitarbeiter. Wir erstellen eine Anwendung, in der jeder von ihnen eine Beobachtung über sein tägliches Leben und über das, was für ihn in Zukunft wichtig sein wird, machen kann. In einer transparenten Welt wird jeder Mensch, jeder Arbeiter oder Verbraucher eine starke Stimme haben", schloss er.

Übersetzt von Felicia Enderes

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