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Coronavirus: Luxuskonzerne greifen für ihre Angestellten in die Tasche

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
06.04.2020
Lesedauer
4 Minuten
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Arbeitsplatzsicherung, gestrichene Dividenden, Herabsetzung der Vergütung der Führungskräfte, solidarische Initiativen, … Die Luxusbranche stellt sich den Herausforderungen, die durch die Coronavirus-Pandemie entstanden sind. Von Chanel über L’Oréal, Tod’s und OTB bis hin zu Hermès schlagen sich mehrere Großkonzerne solidarisch auf die Seite ihrer Angestellten und versuchen, sie mit vielfältigen Maßnahmen zu schützen.


Chanel setzte sich als erstes Modehaus für seine Angestellten ein - © PixelFormula

 
Zahlreiche Akteure haben sich besonders in Frankreich im Kampf gegen die Auswirkungen der Pandemie engagiert, und dies noch vor dem Aufruf, den die Staatssekretärin für Wirtschaft, Agnès Pannier-Runacher, an die Unternehmen richtete. Sie bat Arbeitgeber, auf Kurzarbeit zu setzen und mit einer Reduktion der Vergütung auf den Chefetagen um 25 Prozent mit gutem Vorbild voranzugehen.

Während mehrere Modehäuser für einen Teil ihrer Belegschaft Kurzarbeit einführten, entschloss sich Chanel als erstes Unternehmen dafür, auf Kosten des Umsatzes auf diese Maßnahme zu verzichten. Das Luxushaus verpflichtete sich zur vollumfänglichen Lohnfortzahlung für alle seine 8500 Angestellten in ganz Frankreich, und dies acht Wochen lang, also bis am 8. Mai. Die Marke, deren Umsatz fast EUR 10 Milliarden beträgt, hätte von der staatlichen Maßnahme zur Sicherung der Arbeitsplätze profitieren können, da sie alle Läden und Produktionsstätten im Land schließen musste.

Die Maßnahme sei "ein Akt der Solidarität, um die öffentlichen Finanzen nicht zusätzlich zu belasten und es dem Staat zu ermöglichen, sich auf die Unterstützung der schwächsten Unternehmen und des Gesundheitswesens zu konzentrieren" wie Bruno Pavlovsky, Präsident der Chanel SAS, in einem Gespräch mit einer französischen Zeitung erklärte.

Der gleiche Tenor bei L’Oréal: Der Kosmetikkonzern kündete Ende März seine Absicht an, die Unterstützung der Regierung nicht in Anspruch zu nehmen. Er wolle ebenfalls "alle Arbeitsplätze" sichern, ohne " bis Ende Juni auf Kurzarbeit zurückzugreifen, obwohl in Frankreich in zahlreichen Bereichen ein Teil oder die gesamte Tätigkeit des Personals zum Stillstand gekommen ist (Verkauf und Animation in den Läden, Bestellrückgang, der die Fabriken und Versandzentren trifft, usw.)".

100-prozentiger Erhalt der "festen Vergütung" bei L’Oréal



Der von Jean-Paul Agon geführte Konzern hat sich darüber hinaus "seit dem Beginn der Ausgangssperre dafür eingesetzt", die "feste Vergütung aller Mitarbeitenden in Frankreich – das sind 13400 Personen" aufrechtzuerhalten. Über 3000 von ihnen können ihre Tätigkeit aktuell nicht ausüben. Er präzisierte unter anderem, dass er in dieser Zeit "keine Verlagerung der Steuer- oder Sozialabgaben" vornehmen werde.

Auch bei Brunello Cucinelli kommen Entlassungen nicht in Frage. Wie der Gründer der italienischen Kaschmirmarke gegenüber Class CNBC versicherte: "Wir werden keine Arbeitsplätze streichen. Ich habe unseren Angestellten gesagt: 'Sie werden Ihre Arbeit nicht verlieren, denn wir haben Arbeit‘. Wir werden versuchen, uns zu konzentrieren und im Jahr 2021 alles wieder auszugleichen‘".

Hermès entpuppte sich in der laufenden Krise ebenfalls als besonders großzügiger Branchenakteur. Der Konzern informierte darüber, dass er "den Grundlohn der 15500 Mitarbeitenden in Frankreich und weltweit aufrechterhalten" werde, ohne dabei auf "außergewöhnliche öffentliche Unterstützungsgelder der verschiedenen Länder zurückzugreifen, in Frankreich beispielsweise durch den Verzicht auf Kurzarbeit".

Das an der Rue du Faubourg Saint-Honoré ansässige Modehaus hat alle seine Läden in Frankreich, sowie seine Fabriken im Land geschlossen – mit Ausnahme des Hermès Parfums-Standorts Vaudreuil, wo der Konzern neu hydroalkoholisches Desinfektionsmittel herstellt.

Die Geschäftsführung des französischen Lederwarenkonzerns verzichtet darüber hinaus auf die Erhöhung der 2020 ausbezahlten Festvergütung und auf die 2020 für das Jahr 2019 errechnete variable Vergütung. Der Gesamtbetrag der 2020 bezogenen Vergütung entspricht somit genau dem Vorjahresbetrag, obwohl der Nettogewinn um 9 Prozent auf EUR 1,528 Milliarden angestiegen ist. Die für das Geschäftsjahr 2019 vorgeschlagene Dividende wird "von EUR 5 auf EUR 4,55 pro Aktie" reduziert, was der Dividende für 2018 entspricht.

Tod’s verzichtet auf finanzielle Anreize und Dividenden für Führungskräfte



Die Gebrüder Diego und Andrea Della Valle, die als Präsident und Vizepräsident dem Konzern Tod’s vorstehen, schlagen in dieselbe Kerbe. Sie haben am 30. März vor dem dringlich einberufenen Verwaltungsrat angekündigt, dass sie auf die "bereits zu unseren Gunsten für das Geschäftsjahr 2020 beschlossene Entschädigung verzichten". Sie beziehen normalerweise EUR 1,8 bzw. EUR 1,3 Millionen Jahresgehalt und ihre Familie besitzt 71 Prozent des Unternehmenskapitals.

Darüber hinaus hat der Verwaltungsrat von Tod’s angesichts der Verschlimmerung des Covid-19-Pandemie-Szenarios und des vorherrschenden gesundheitlichen Notstands entschlossen, für das Geschäftsjahr 2019 auf die Ausschüttung von Dividenden zu verzichten, nachdem das italienische Unternehmen am 12. März bereits eine Dividende von EUR 0,60 pro Aktie, bzw. insgesamt fast EUR 20 Millionen, zugesichert hatte. 2019 erzielte der Luxusschuhmacher EUR 916 Millionen Umsatz und EUR 46,3 Millionen Gewinn. Ein Prozent davon wird nun für Solidaritäts-Maßnahmen aufgewendet.

Der italienische Modekonzern OTB (Diesel, Maison Margiela, Marni usw.) hat für seine Angestellten wiederum den solidarischen Urlaubsfonds "Brave OTB" ins Leben gerufen. In Einklang mit dem Branchenverband Cofindustria Moda und dem Managerverband Federmanager sieht das Projekt vor, dass die Geschäftsführer der Gruppe von Renzo Rosso auf freiwilliger Basis den wirtschaftlichen Gegenwert von mindestens fünf ihrer Urlaubstage in einen Fonds einzahlen. Aus diesem sollen Angestellte mit geringem Einkommen oder Personen, die aus beruflicher Sicht besonders stark von der Coronavirus-Epidemie getroffen wurden, entschädigt werden.
 

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