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Daoyuan Ding gewinnt den International Talent Support 2019 in Triest

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 15.07.2019
Lesedauer
access_time 4 Minuten
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Die 17. Ausgabe des ITS (International Talent Support) stach durch das besonders hohe Niveau hervor, wie auch durch die Tatsache, dass 15 der 26 Mitstreiter aus asiatischen Ländern stammten. Ein besonderer Fokus galt in diesem Jahr der Umwelt. Der 2002 von Barbara Franchin ins Leben gerufene Nachwuchsdesigner-Wettbewerb fand am 12. Juli in Triest zum 17. Mal statt. Der in Zusammenarbeit mit der Pitti Immagine angebotene und mit 15.000 Euro dotierte "ITS Award offered by Allianz" ging an Daoyuan Ding, wie auch der Tomorrow Entrepreunerial Creativity Award.


Daoyuan Ding - ph Dominique Muret


Der 28-jährige Designer aus der Stadt Zhoushan in der südostchinesischen Provinz Zhejiang überzeugte die Jury mit einer meisterhaft ausgeführten Kollektion, bei der sowohl die Schnitte als auch die Konstruktionen und die Überlegungen zu den Stoffen vorzüglich waren. Ding überarbeitete die männliche Garderobe mit viel Fingerspitzengefühl über eine Reihe von breit geschnittenen eleganten Anzügen und untereinander verbundenen Kleidungsstücken, wie dem Mantel-Anzug oder dem Taschen-Anzug.

Behandschuhte Models, deren Gesicht zur Hälfte hinter Schals versteckt blieb, trugen breitkrempige Hüte und dunkle Anzüge mit abstrakten Prints. Das klassische Hahnentritt-Muster wurde unendlich vergrößert, aufgebrochen, auseinandergerissen, wodurch auf den Kleidungsstücken durch die Vermischung von Digitalen Print-Techniken und Jacquard-Gewebe eigenartige Konstruktionen entstanden.

Jede Silhouette deklinierte ein Motiv und eine Farbe, Ton in Ton, von den Kleidern bis hin zu den Accessoires, wodurch ein mysteriöser, undefinierbarer Eindruck entsteht, "ein verschwommener Bereich, der aus vertrauten Elementen entstanden ist". Der Designer erklärt: "Meine Inspiration stammt hauptsächlich aus dem Kino, diese Kollektion im Besonderen bezieht sich auf David Lynch und Hitchcock". Sein Ziel sei es, "in den kommenden fünf Jahren", eine eigene Marke zu kreieren. Daoyuan Ding studierte an der Donghua University und ein Jahr lang am IED in Mailand, bevor er zwei Jahre lang in Tokio für Uniqlo arbeitete. In London spezialisierte sich der frisch diplomierte Designer daraufhin am London College of Fashion auf Menswear.


Die Kollektion des Gewinners Daoyuan Ding - DR


Auch die Australierin Annaliese Griffith-Jones brachte eine beeindruckende technische Kreativität zum Vorschein und arbeitete in ihren Motiven und fröhlichen Chromatiken mit Silikon. Dabei inspirierte sie sich an Wandteppichen und Tapeten aus den 60er und 70er Jahren. Für ihre Arbeit wurde sie mit dem OTB-Preis ausgezeichnet, der mit EUR 10.000 dotiert ist. Außerdem erhält sie die Möglichkeit, ein Praktikum bei einer der Marken des Konzerns von Renzo Rosso zu absolvieren.

Der italienische Unternehmer, der den Wettbewerb schon seit seiner Gründung unterstützt, ehrte darüber hinaus den Schweizer Rafael Kouto (28 Jahre), dessen Eltern aus dem Tessin bzw. aus Togo stammen, mit dem Diesel Award. Dieser ist einem Preisgeld von EUR 10.000 und einem bezahlten Praktikum beim Jeansunternehmen ausstaffiert. Der Designer arbeitete bereits für Alexander McQueen, Maison Margiela und Carven und gründete seine eigene Marke, in der er traditionelle afrikanische Gewebe mit Streetwear vermischt. Er verwendet ausschließlich Stoffe und Materialien, die von den Herstellern aussortiert wurden. Er zerlegt sie und verwertet die daraus entstehenden Einzelteile. Rafael Kouto wurde außerdem mit dem Lotto Sport Award ausgezeichnet.

Ebenfalls erwähnenswert sind die spannenden Überlegungen zu den von der britischen Designerin Moon Hussain verwendeten Stoffe. Dafür wurde ihr der mit EUR 5.000 dotierte Preis der Camera Nazionale della Moda Italiana (CNMI) und der Coin Excelsior Award zugesprochen. Sie verwendete Vinyl, das von einem Produzenten aussortiert und als fehlerhaft betrachtet wurde. Dieses setzte sie hohen Temperaturen aus und schuf so einen innovativen neuen Stoff, der zugleich geschmeidig und rau ist.
 

Corrina Goutos bei der Präsentation ihres Projekts - ph Dominique Muret


Dieser umweltfreundliche Ansatz wurde von zahlreichen Finalisten des ITS verwendet. An der diesjährigen Ausgabe wurde erstmals ein Preis für nachhaltiges Design verliehen, der mit EUR 3.000 prämierte ITS Sustainability Award. Er ging an die amerikanische Schmuckdesignerin Corrina Goutos, die auch die Special Mention by Vogue Talents erhielt. Die aus Albany im Bundesstaat New York stammende Designerin studierte am Savannah College of Art & Design. Im Jahr 2013 ließ sie sich für den Launch ihres Labels in Deutschland nieder, zunächst in Berlin und später in Hamburg. Sie entwickelte ein originelles Konzept, das auf wiederverwertete Gegenstände bzw. Abfällen basiert, die mit organischen Stoffen vermischt werden.

Daraus fertigt sie hybride Broschen aus Feuerzeugen, Muscheln und Plastiktuben sowie IT-Abfällen, die zu einem erstaunlichen Magma zusammenfließen. "Es sind die Fossilien der Zukunft, die vielleicht neuen Lebensformen vorausgreifen. Mir gefällt diese Zusammenführung von Industrieabfällen und organischen Stoffen. Die Art und Weise, wie es der Natur gelingt, die Überhand zu gewinnen und die vom Menschen verursachten Schäden zu glätten, fasziniert mich. Wir müssen optimistisch bleiben", erklärte die Designerin, die sich selbst mehr als Künstlerin sieht und ihre Kreationen vor allem in Galerien ausstellt.

"In ihrem Konzept steckt auch eine höchst ästhetische und innovative künstlerische Sichtweise", so Marie-Claire Daveu, Leiterin für nachhaltige Entwicklung beim Luxusriesen Kering, die als Jurymitglied an der Wahl beteiligt war. "Die große Anzahl Projekte, die sich mit dem Schutz der Umwelt befassten, hat mich berührt. Es wird ein Teil des Prozesses. Es hat ein wahrer Wandel stattgefunden. Zahlreiche Finalisten aus Asien haben diese Ansätze auch mit politischen Stellungnahmen verbunden", betonte sie weiter.

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