Das Modehaus Carven steht kurz vor der Liquidation

Die Zukunft von Carven hängt an einem sehr dünnen Faden. Das Pariser Haus, das sich seit Mai letzten Jahres in Konkursverwaltung befindet, verließ sich auf Emmanuel Diemoz, den ehemaligen Manager von Balmain, der eigentlich einen Plan zur Beendigung der Krise vor dem Handelsgericht vorlegen sollte. Aber dieser hat nun das Handtuch geworfen, gerade jetzt, wo eine Einigung mit dem Hauptaktionär des Hauses, der Gruppe Bluebell aus Hong Kong, bevorstand, wie FashionNetwork.com erfuhr.

Die Pre-Collection für Herbst 2018, designt von Serge Ruffieux, Art Director seit Anfang 2017 - Carven

Heute findet sich Carven am Rande der Liquidation wieder. Und das ohne die Möglichkeit, einen Sanierungsplan mit den derzeitigen Aktionären und unter weiterer möglicher Unterstützung vorzulegen, sodass nun der einzige Ausweg aus der Liquidation die Präsentation eines Käufers vor Gericht wäre. Aber die Zeitspanne dafür ist sehr kurz: Die Frist für die Einreichung der Übernahmeangebote ist in der Tat an diesem Freitag, 28. September, um Mitternacht.

Das Gericht wird dann die Möglichkeit zulassen, die Angebote bis Montag, dem 1. Oktober, um Mitternacht zu erhöhen, bevor es am 4. Oktober über die Vorschläge entscheidet. Die Kandidaten für eine Übernahme dieses großen Namens des französischen Modeerbes sind daher eingeladen, sich sehr schnell bekannt zu geben, so das Büro des Insolvenzverwalters, Abitbol & Rousselet.

FashionNetwork.com liegen Informationen vor, dass wenn sich mehrere neue Interessen ankündigen, zu diesem Zeitpunkt nur ein konkretes Angebot vorliegen wird. Dies ist das einzige noch vorliegende der drei Angebote, die letzten Juli bei der ersten Anhörung abgegeben wurden. Es wurde von Cashtex, einem Textil- und Großhandelsunternehmen für Lederwaren mit Sitz in Le Sentier, eingereicht. Die Inhaberfamilie, an der Spitze Henry und Daniel Levy, führt auch die Mid-Range-Damenmodenmarke LM Lulu und entwickelt lizenzierte Accessoires wie Taschen für Jean-Louis Scherrer.

Laut den Dokumenten, die unsere Redaktion in diesem Sommer einsehen konnte, umfasst dieses Angebot die Übernahme der Marken, der Labels, Lizenzen und Patente sowie die Pachtverträge, Warenbestände und das Personal von Carven, für einen Betrag von 500.010 Euro. Das angekündigte Projekt sieht vor, "die Marke von einer reduzierten Struktur aus und damit kontrollierbarer wiederzubeleben". Dazu gehört ebenfalls die Übernahme von 50 Mitarbeitern und die Wiedereingliederung von 39 weiteren Mitarbeitern. Im ersten Betriebsjahr wird ein Umsatz von 15 Millionen Euro erwartet, zwei Jahre später sollen es 20 Millionen sein. Das alles im Falle einer Rentabilität des Hauses.

Der letzte Umsatz von Carven lag 2017 bei 21,5 Millionen Euro, wobei das Haus durch die Frist fälliger Schulden von 5,5 Millionen Euro belastet wurde. Das Unternehmen beschäftigte 103 Personen laut der letzten Zählung von 2017. Eine Belegschaft, die bereits reduziert worden sein dürfte.

Carven, eine Figur des französischen Modeerbes, wurde 1945 von Carmen Tommaso, auch bekannt als Marie-Louise Carven, gegründet. Das Couture-Haus konnte mehrere Jahrzehnte einen Erfolg verbuchen, bevor es in den 1980er- und 1990er-Jahren einen Einbruch erlebte. Seitdem sind viele Besitzerwechsel als auch Wechsel in der künstlerischen Leitung erfolgt, bis schließlich 2008 einer der Lizenznehmer das Haus übernimmt, maßgeblich auf Veranlassung von Henri Sebaoun. Schließlich kommt es zu einer erfolgreichen Periode, die sich dank der Neupositionierung der Marke im Premium-Segment einstellt: weniger Luxus und eine höhere Erschwinglichkeit sowie die kreative Leitung durch Guillaume Henry. Im Jahr 2016 wird Carven von seinem Vertriebspartner in Asien, Bluebell, übernommen.

Zwei Jahre später wartet das Haus heute auf eine sofortige Klärung seiner Zukunft und das Gericht auf ein verbindliches und solides Angebot, das eine Liquidierung des vor 73 Jahren geschaffenen Unternehmens verhindern würde.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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