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Das Metropolitan Museum of Art zeigt 'Camp: Notes on Fashion'

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 07.05.2019
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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In der Ausstellung 'Camp: Notes on Fashion' werden im Costume Institute des Metropolitan Museum of Art vom 9. Mai bis am 8. September Übertreibung, Wagemut und Extravaganz zelebriert.


The Metropolitan Museum of Art


Die Ausstellung in der Iris und B. Gerald Cantor Exhibition Hall des Metropolitan Museum of Art (Met) geht bei der Erforschung der Bedeutung von 'Camp' weit über diesen Begriff hinaus. Sie beleuchtet das Konzept, das für Kunst steht, die ironisch, parodisch, pastiche, künstlich, theatralisch und übertrieben ist.

Ausgehend vom äußeren Rand des Ästhetikbegriffs arbeitete sich das Kuratorenteam langsam in die Mitte des Begriffs vor und erstellte einen Zeitrahmen für dessen Entstehung. Dabei stützten sich die Kuratoren auf die konzeptuelle Geburt des Camp in den Köpfen und Lebensstilen einiger der größten Dandies, Drag-Pioniere, Künstler und Kulturtheoretiker der Geschichte. Der Rahmen der Ausstellung wurde auch stark von Susan Sontags Essay 'Notes on 'Camp'' aus dem Jahr 1964 beeinflusst.

Die vom italienischen Modehaus Gucci und dem Medienimperium Condé Nast unterstützte Ausstellung umfasst auch einige der jüngsten Designs von Guccis Kreativdirektor Alessandro Michele an der Seite anderer richtungsweisender Entwürfe berühmter Modehäuser.

In engen, rosafarbenen Gängen und einem riesigen Raum mit raumhohen Schaukästen befinden sich Designs von Elsa Schiaparelli, Rei Kawakubo, Yves Saint Laurent, Vivienne Westwood, Jean-Paul Gaultier, Erdem Moralıoğlu und des jüngsten Gewinners des Geoffrey Beene Lifetime Achievement Awards, Bob Mackie.

Die Ausstellung ergründet die kulturelle Verbreitung von Camp und deren Entwicklung im Verlaufe der Zeit. Sie befasst sich mit den stilistischen Traditionen wie dem "Beau idéal" des 19. Jahrhunderts, Chinoiserien und dem Jugendstil. 'Camp: Notes on Fashion' betont aber auch die Herkunft von 'Camp', die bis zu Louis XIV und seinem Bruder, Philippe I nachverfolgt wurde. Frederick Park und Ernest Bolton (alias Fanny und Stella), Andy Warhol, Benny Ninja, Judy Garland und Oscar Wilde, sowie viele andere sind ebenfalls Teil dieser Geschichte.

In der ganzen Geschichte des Camp definiert Susan Sontag den Begriff als "Liebe zum Unnatürlichen, des Künstlichen, der Übertreibung". Die Ausstellung geht davon aus, dass die Ursprünge des Konzepts im Innern des Menschen als eine extravagante Zelebrierung persönlicher Lebensfreude keimten. Aus diesen Elementen entstand in den Augen mehrerer hochwertiger Gäste eine zutiefst bedeutungsvolle und zeitgenössische Ausstellung.

"[Camp] hat unterschiedliche Bedeutungen, das kommt ganz auf die Zeit an", erklärte Valentino-Kreativchef Pierpaolo Piccioli im Gespräch mit FashionNetwork.com. "Ich denke, Camp ist heute wichtig, da es um die Freiheit geht, sich selbst zu sein. Das ist ein Recht, auf das alle Anspruch haben müssen".

Im Vorjahr hatte die Ausstellung des Costume Institutes unter dem Titel "Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination" für Rekord-Besucherzahlen gesorgt. Obschon die beiden Themen mit der Opulenz einen gemeinsamen Nenner haben, so ist das Thema für das Jahr 2019 inklusiver, eindeutig enigmatischer und lässt ironischerweise mehr Platz für Fehler zu – wenn auch für geheimnisvolle und zugleich unmissverständliche Fehler.

Für Andrew Bolton, Kurator des Costume Institute, steht fest, dass die physische Form von Camp angesichts der kulturellen Bedeutung zweitrangig ist.

"Hinter Camp steckt so viel Spaß", erklärte Andrew Bolton auf Anfrage von FashionNetwork.com. "Dann gibt es da aber auch den politischen Aspekt, Camp ist inhärent politisch. Es ist Teil der Queer Culture ab dem viktorianischen England. In Camp schwingt eine Tragödie mit und auch eine unglaubliche Großzügigkeit. Ich denke, der Begriff wandelt sich mit der Zeit, wenn wir ihn brauchen, ist er da. Camp ist inhärent optimistisch. Und Optimismus ist gut, das brauchen wir jetzt".

Zur Feier der Eröffnung lieferten die Gäste der Met Gala 2019 am 6. Mai ihre eigene Interpretation von Camp. Die Co-Hosts der Gala, Lady Gaga, Alessandro Michele, Harry Styles, Serena Williams und Anna Wintour trugen zu Ehren des Ausstellungsthemas alle 'Camp'. Harry Styles ließ sich von Gucci einkleiden und Anna Wintour trug Chanel.

'Camp: Notes on Fashion' findet vom 9. Mai bis am 8. September 2019 statt.
 

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