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Veröffentlicht am
23.02.2016
Lesedauer
3 Minuten
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Debatte um große Geldscheine: Welche Zukunft haben Euro und Co.?

Von
DPA
Veröffentlicht am
23.02.2016

Die EU prüft Obergrenzen bei Bargeldzahlungen, die Europäische Zentralbank nimmt den 500-Euro-Schein ins Visier. Der frühere US-Finanzminister Larry Summers schlägt gar vor, weltweit die Ausgabe von Scheinen zu stoppen, die mehr als 50 oder 100 Dollar wert sind. So sollen Geldwäsche, Schwarzarbeit oder Terror-Finanzierung eingedämmt werden. "Ein Moratorium beim Druck neuer Banknoten mit hohem Nennwert würde die Welt zu einem besseren Ort machen", schreibt Summers in seinem Internet-Blog. Ist die Debatte der Anfang vom Ende des Bargeldes? Verschwinden Schein und Münze bald aus dem Alltag?

Jens Büttner / dpa


In einigen Ländern scheint es fast soweit zu sein. Viele Schweden und Dänen haben kein Bargeld mehr im Portemonnaie. Sie bezahlen entweder mit Karte oder mobil über eine App mit ihrem Handy - ob im Supermarkt, auf dem Flohmarkt, im Taxi oder in der Kneipe. Noch sind Geschäfte verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Doch auch das steht zur Debatte.

Ähnlich ist das Bild in Neuseeland: Als die Notenbank des Landes vor fünf Monaten eine neue, besser gegen Fälschung geschützte 100-Dollar-Note vorstellte, tat sie dies mit dem Hinweis, im Hinblick auf die bargeldlose Gesellschaft sei dies womöglich die letzte.

In Deutschland hängen die Menschen dagegen an Schein und Münze. Sie zahlen nach wie vor vor allem bar: Bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt.

Die Angst vor dem Klau sensibler Bankdaten lässt die Mehrheit der Deutschen vor Geldgeschäften per Smartphone zurückschrecken. Generell sehen laut einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC fast neun von zehn Deutschen (85 Prozent) die Gefahr, dass bei mobilen Bezahlverfahren Daten gehackt und missbraucht werde.

Bargeld solle auch nicht abgeschafft werden, betonten Politiker und die Europäische Zentralbank unisono. Es gehe vielmehr darum, die Finanzierung von Terror und Kriminalität zu erschweren. Deswegen soll auch die größte Euro-Banknote auf den Prüfstand - der lilafarbene 500er.


"Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, jüngst. Das hat unter anderem praktische Gründe: Je größer der Wert der Scheine, desto geringer ist der Transportaufwand für Kriminelle. Ob ein Ende des 500er wie auch ein Verbot größerer Bargeldgeschäfte tatsächlich Geldwäsche, Drogenhandel und andere kriminelle Machenschaften sowie die Terror-Finanzierung eindämmen können, ist allerdings umstritten. Geldwäsche laufe längst weit überwiegend bargeldlos über Scheinfirmen, argumentiert beispielsweise Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz.

Die Schweiz scheint die Wirksamkeit solcher Maßnahmen skeptisch zu beurteilen. Jedenfalls gibt es bei den Eidgenossen keine Diskussion über die Abschaffung großer Banknoten. "Auch der 1000-Franken-Schein wird gebraucht, zum Beispiel bei Juwelieren, im Kunsthandel oder beim Auto- und Viehhandel", sagt ein Sprecher der Nationalbank.

In einigen Ländern mit hoher Inflation geht die Debatte sogar in die umgekehrte Richtung. Zum Beispiel in Venezuela: Angesichts der galoppierenden Inflation - 180,9 Prozent im vergangenen Jahr - wünschen sich die Menschen größere Scheine. Der größte, der 100-Bolivar-Schein, ist keine 10 Cent mehr wert. Wenn zum Beispiel 80 000 Bolivar (ca. 100 Dollar) zu zahlen sind, macht das 800 Scheine.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hält die Diskussion ohnehin für eine "Phantomdebatte": "Es wird Bargeld geben und in welcher Scheingröße muss am Ende die EZB entscheiden, aber davon wird die Welt nicht untergehen".

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