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DPA
Veröffentlicht am
25.09.2013
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Der Kreislauf Gold - Scheideanstalten geht Ware nie aus

Von
DPA
Veröffentlicht am
25.09.2013

Pforzheim - Zwei Armreifen, Ketten, Broschen eine große Kette, ein Ehering mit der Gravur "3.3.1951 Karl Lay" liegen in einem schnöden blauen Plastikbehälter. Der Mann am Schmelzofen würdigt die Klunker keines Blickes, schüttet alles bei 1100 Grad in einen Eisengefäß. Kurze Zeit später wird der Schmuck geschmolzen, gerührt und geschüttelt als homogene Masse in einer Barrenform erkalten. Der Scheideprozess kann beginnen: Aus dem Brocken Goldgemisch wird in einer der größten Scheideanstalten Europas - dem Unternehmen Die Allgemeine in Pforzheim - das eine Gold zurückgewonnen.


Photo: Corbis

Schon 2011 und 2012 waren bezüglich der Gold- und Silber-Recyclingmengen gute Jahre für die Scheideanstalten, die sich mit der Rückgewinnung der Edelmetallen und deren Weiterverarbeitung beschäftigen. Nach Angaben des World Gold Council (WGC) gelangten im vergangenen Jahr über das Recycling 1600 Tonnen Gold auf den Weltmarkt.

In diesem Jahr prophezeit der WGC zwar, dass das Angebot an Schmelz- und Altgold um rund 25 Prozent sinken wird wegen des niedrigeren Goldpreises. Scheideanstalten ficht das aber nicht unbedingt an: "Je höher der Goldpreis, desto mehr Scheidgut wie alter Schmuck et cetera wird uns angeboten", erklärt Weiß. Je niedriger aber wiederum der Edelmetallpreise, desto intensiver sei die Nachfrage der Industrie nach edelmetallhaltigen Werkstoffen - dem Halbzeug.

Bei Scheideanstalten gehen daher die Geschäfte eigentlich immer gut: Sie recyceln Gold und andere Edelmetalle - und stellen daraus wiederum Halbzeug her. Im sogenannten Refining-Prozess werden die unedlen von den edlen Bestandteilen getrennt. Der Wert des zurückgewonnenen Edelmetalles wird dem Kunden, der zum Beispiel alten Schmuck eingeschickt hat, zum Tagespreis ausgezahlt oder gutgeschrieben. Jährlich werden bei der Allgemeinen mehr als 1800 Tonnen Gold- und Silber, Platin- und Palladium-Scheidgut wie Schmuck oder Industrieabfälle eingeschmolzen. Übrig bleiben rund 700 Tonnen reines Silber, knapp 50 Tonnen reines Gold, der Rest sind Platin und Palladium.

Rund 3000 Kunden beliefern die Allgemeine mit Scheidgut. Etwa ebenso viele Kunden beauftragen die Scheideanstalt damit, für sie aus recycelten Edelmetallen neue Legierungen herzustellen oder Halbzeug zu fertigen: Für die Schmuckindustrie werden Drähte oder Ringrohlinge in verschiedenen Legierungen hergestellt; für Industriekunden Rohre oder Bleche. "Das Gold befindet sich in einem Dauerkreislauf", erklärt Weiß. Das gleiche gilt etwa auch für Silber.

Die großen Münzanstalten Europas geben bei dem Pforzheimer Unternehmen, teilweise in Millionen-Stück-Auflagen, Ronden in Auftrag - also runde Münzen, die nur noch beprägt werden müssen. Edelmetall wird auch für Musikinstrumente und Schreibgeräte gebraucht, sowie in der Elektro- und Medizintechnik. Rund 40 000 Aufträge wickelt die Allgemeine pro Jahr ab und liefert in 40 Länder. "Wir leben nicht vom Wert des Goldes, sondern von der Umarbeitung", betont Weiß.

Etwa ein Dutzend große Scheideanstalten gibt es in Deutschland, sagt Wilfried Held vom Fachverband Edelmetalle. An Zahlen der Branche zu kommen, ist schwer. Klar aber ist: Ohne das Recycling von Edelmetall wäre Gold noch viel teurer, sagt Weiß.

Insgesamt sind weltweit seit Beginn der Goldgewinnung etwa 171 000 Tonnen Gold gefördert worden, die noch vermuteten Vorräte sind begrenzt; die Minenproduktion nimmt ohnehin kontinuierlich ab. Zwischen 30 und 40 Prozent des Bedarfs wird jährlich über das Recycling gedeckt - in den vergangenen zehn Jahren hat sich das Goldangebot aus Recycling praktisch verdoppelt. Die rund 4500 Tonnen Gold, die im letzten Jahr entweder in Minen gefördert (etwa 2800 Tonnen) oder recycelt (etwa 1600 Tonnen) wurden, wurden vom Markt komplett aufgesogen, schreibt der WGC.

Allerdings ist nicht alles Gold, was bei der Allgemeine glänzt. Die Scheideanstalt will nach Worten von Weiß in den nächsten Jahren deutlich im Silbervolumen expandieren und die Kapazität auf etwa 1400 Tonnen pro Jahr verdoppeln. "Die Nachfrage nach Anlagesilber und auch nach silberhaltigen Industrieprodukten steigt", sagt Weiß.

Den Scheideanstalten geht die Arbeit nie aus. "Die Eigenschaften von Edelmetallen sind ungeschlagen und in der Industrie unverzichtbar", sagt Weiß, dessen Unternehmen im vergangenen Jahren einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro verzeichnete. "Solange man dafür keinen Ersatz findet, wird es Scheideanstalten geben."

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