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Der elegische Moment der New Yorker Fashion Week

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
today 15.02.2018
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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Das Schlüsselwort, das während der gesamten New Yorker Saison zu spüren war, ist "Me Too". Die Gründerin dieser Bewegung gegen sexuellen Missbrauch und Übergriff, Tarana Burke, saß sogar in der ersten Reihe bei der Show von Prabal Gurung.

Jason Wu - Herbst/Winter 2018 - Womenswear - New York - © PixelFormula


Obwohl die Designer "Me Too" nicht offen erwähnten, waren es dennoch sie, die eines der Ergebnisse dieses neuen gesteigerten Bewusstseins am besten festhielten. Ihre Antwort: eine elegische Stimmung der Vornehmheit durch elegante und schützende Mode.
 
Nirgends wurde das besser zum Ausdruck gebracht als in einer großartigen Show von The Row mit einer Hommage an die japanisch-amerikanische Skulptur. Models liefen während der Show an 13 Arbeiten des Künstlers Isamu Noguchi vorbei. Er war für seine engen Freundschaften mit nonkonformistischen Frauen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt: Martha Graham, Berenice Abbott und Frida Kahlo, um nur einige zu nennen.

Das Ergebnis war eine Reihe von skulpturaler Kleidung; elegante Mäntel, die die Models gleichermaßen abschirmten wie bekleideten. Ihre gewundenen Formen und Stoffbahnen, die sich um den Torso wanden und bogen, erinnern an die verzinkten Stahl- und Bronzeplättchenstatuen im Hauptquartier von The Row's West Village. Der Look war königlich und raffiniert. Visuell sagte er aus, dass niemand auch nur daran denken solle, diese Frauen zu belästigen oder zu behaupten, dass sie Männern nicht ebenbürtig seien. So lautet das Hauptziel von "Time's Up", der am 1. Januar 2018 in Hollywood gegründeten Bewegung, die bereits 20 Millionen Dollar für einen Rechtsschutzfonds für Frauen gesammelt hat, die am Arbeitsplatz angegriffen wurden.

Victoria Beckham - Herbst/Winter 2018 - Womenswear - New York - © PixelFormula


Eine Kollegin, Victoria Beckham, hielt es elegant und gleichzeitig sportlich. Und funktionell – denn viele Models trugen Leggings und Herrenschuhe – wie bei The Row.

Beckhams Auswahl an zweilagigen Trenchcoats aus gekochter Wolle mit diagonalem Muster; Militär-Mantel-Kleid; und schulterfreier Herrenmantel im Joseph Beuys-Stil, suggerieren alle einen patrizischen und doch praktischen Sinn. Perfekte Statements zeitgenössischer urbaner Raffinesse, die auch die Forderung nach Geschlechterparität in jeder Karriere unterstreichen.
 
Ein ähnliches Feeling herrschte auch bei Jason Wu vor. Seine weiten und schimmernden Pyjamas, deren Oberteile sich bis unter das Knie erstreckten, plissierte Fortuny-Mäntel und mit Swarovski-Kristallen besetzte Gala-Kleider, die allesamt Klasse und Finesse ausstrahlten und das Gefühl vermittelten, dass diese Damen nur das zivilisierteste Verhalten erwarten.

Marc Jacobs - Herbst/Winter 2018 - Womenswear - New York - © PixelFormula


Diese ladylike Stimmung reichte bis nach Brooklyn, wo Adam Lippes seine neuesten Ideen über Hibiskusblütentee und Scones beim Frühstück in seiner wunderschönen neoklassizistischen Wohnung mit Blick auf den New Yorker Hafen präsentierte. Inspiriert von Schottland, obwohl Lippes noch nie nördlich von Hadrian’s Wall war, hat er mit einem Mix aus wunderbarem Paisleymuster und Tweed neue Wege beschritten, indem er letzteren mit Spitze kombinierte und so schottische Mühlen in neue Gebiete führte.
 
Die Kollektion, die unter den Antiquitäten und Architekturmodellen des Designers präsentiert wurde, war der Inbegriff für modernes Fashion Understatement.
 
Es soll jedoch nicht der Eindruck vermittelt werden, die Frauen dieser Saison seien nicht selbstbewusst. Das zeigte sich auch im traditionellen New Yorker Finale – der Marc Jacobs Show, bei der die überdimensionalen Silhouetten, eine Hommage an Yves Saint Laurent, mit wirbelnden Umhängen, großen Schleifen und massiven Puffärmeln, ein Gefühl der Größe zeigten. Die achtziger Jahre, in denen Frauen erstmals als Protagonistinnen und Stars von TV-Dramaserien mit Schulterpolstern auftraten – diese dominierten die Kollektion – waren zurück.
 
 

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