Die grünen Messen: Hier herrschte ein freundliches Miteinander!

Review: Der Greenshowroom und die Ethical Fashion Show fanden vom 16. bis 18. Januar erstmals in der neuen Location Kraftwerk in Berlin Mitte statt. Das wurde sowohl von den Besuchern als auch von den Ausstellern geschätzt: Lag die Veranstaltungshalle doch bedeutend zentraler als beim letzten Mal und lockte daher nicht nur mehr Besucher sondern auch mehr Interessierte insgesamt an. Die rund 170 Labels (40 davon für den Greenshowroom und 35 % zum ersten Mal dabei) aus 26 Ländern (61 % aus dem Ausland) aus den Bereichen Casualwear, Contemporary und High Fashion-Bekleidung präsentierten auf zwei Etagen des massiven Betongebäudes die neuen Kollektionen für Herbst/Winter 2018/19, aber auch innovative Herstellungsprozesse und Textilien wie aus Holz, recycelten Plastikflaschen, Ananasblättern oder sogar Milch.

Eine wirklich freundschaftliche und – ungelogen – liebevolle Atmosphäre verbreitete sich an den individuell und teils sehr aufwendig gestalteten Messeständen und in den verzweigten Gängen. Die Aussteller waren gesprächsbereit, geduldig und vor allem nahmen sie sich Zeit, auch Branchenfremden, Bloggern oder Journalisten die Trends aus der grünen Community zu vermitteln. Letztere beschäftigte sich für diese Ausgabe insbesondere mit dem Thema der geschlossenen Produktionskette, um nicht nur Umweltungesundes durch Bio-Materialien zu ersetzen, sondern um durch Kreislaufwirtschaft, Recycling und Wiederverwendung die Konsumauswirkungen zu neutralisieren.

Der Greenshowroom und die Ethical Fashion Show - Elisa Gianna Gerlach

Besucherin Mirjam Smend (sie schreibt auf ihrem grünen Blog My-Greenstyle) findet, dass die beiden Messen endlich in den Mittelpunkt des Interesses rücken – physisch wie auch thematisch. Sie interessierte sich vor allem für neue Werkstoffe wie Lederalternativen oder Graphit, neue Labels und die Konferenzen mit visionären Zukunftskonzepten. "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Umsetzung der diesmaligen Ausgabe so großartig ist, insbesondere die Mischung der Aussteller und die Location in Berlin Mitte." Sustainability Managerin Marina Chahboune (u.a. für die Hessnatur Stiftung tätig), ebenfalls auf Entdeckungstour nach neuen grünen Produkten und Konzepten, stufte die Messe als sehr professionell, ästhetisch schön und vor allem "erwachsen" ein. "Am Anfang war die Messe noch öko, jetzt ist es eine ganz andere Welt. In den paar Jahren ist sie so gewachsen und mittlerweile ganz anders aufgestellt." Und was sollte im Jahr 2018 ein zentrales Thema sein? "Die Kreisläufe zu schließen und nicht dasselbe 'in Grün' zu schaffen. Das nächste Level muss erreicht werden, dass wir kein Abfall mehr produzieren und die Ressourcen wiederbenutzen!“ Für sie sei zudem das Netzwerken vor Ort sehr wichtig und dass man sich in der Community austausche.

Dieser Austausch gelang am besten in der Blogger-Lounge (rund 300 Blogger und Influencer erschienen hier), die von den Fashion Changers, den Initiatoren Nina Lore, Jana Braumüller und Vreni Jäckle, in Kooperation mit dem Veranstalter als "PrePeek" organisiert wurde. Samples der neuen Kollektionen von teilnehmenden Labels konnten anprobiert und für die Social Media-Kanäle inszeniert werden, dazu gab es Talks, ein Schmink-Set, leckere Veggie-Bowls und Bio-Limo. "Das hier ist ein Event, was wir drei zwar organisieren, was aber durch die Community lebt. Wir haben 29 Labels vertreten, von Outdoor bis Business, Accessoires, Taschen und Schuhe – nur Bademode fehlt!", berichtete Nina Lore. "Wir sind ein gewisser Ankerpunkt, wenn man auf der Messe zu Besuch ist."

Die Blogger-Lounge "PrePeek" der Fashion Changers - Elisa Gianna Gerlach

Am Stand der aus Stuttgart angereisten Marke Eyd (ausgesprochen wie aid, englisch für Hilfe), ein Label mit Integrationsprojekt für indische, aus dem Menschenhandel befreite Frauen in Mumbai, erzählte Gründerin Nathalie Schaller FashionNetwork.com, dass sie überrascht sei, so viel internationales Publikum anzutreffen und nicht nur deutsche Händler. Sie freue sich, dass hier so viele Leute zusammen kommen, die "in der Modewelt etwas verändern wollen". Man merke, wie das Thema Nachhaltigkeit in die angrenzenden Länder überschwappe und dass dies ein "riesiger Markt ist, der in den nächsten Jahren sicherlich noch richtig wachsen wird".

Zum ersten Mal gab es ein (kostenfreies) Konferenzformat mit der Premium Group in Zusammenarbeit, dass über zwei Tage im Obergeschoss des Kraftwerks lief. Begrüßt wurden die Interessierten der "FashionSustain" schon am Montagabend durch Olaf Schmidt, Vice President Textiles and Textile Technologies der Messe Frankfurt. Der Mittwoch stand dann ganz unter dem Motto "Run for Circularity", wo beispielsweise die eingeladene Sprecherin Alexandra Cousteau (Good Impact Foundation) die Zuhörer mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen zum Thema Nachhaltigkeit emotional berührte. Melanie Kirchgessner, Verantwortliche für die Organisation der Konferenz, berichtete: "Wir haben Jungunternehmer, Start-ups und etablierte Firmen, die reden, und es geht darum, dass man auf Themen aufmerksam macht und wie relevant es ist, dass man im Bereich Nachhaltigkeit an einem Strang zieht." Soll es solche Konferenzen zukünftig auch auf anderen Messen geben? "Das hier ist erstmal das Pilotprogramm!", so Kirchgessner.

Alexandra Cousteau berührte die Konferenzteilnehmer - Elisa Gianna Gerlach

Die Aufträge werden nicht in Berlin geschrieben, sondern dann eher auf der Innatex, weiß Maria Kohnen von Lana Natural Wear, mit einem Stand direkt im Eingangsbereich, zu berichten. Dafür sei die Messe aber eine gute Möglichkeit für Gespräche, die Vorstellung der Produkte und Neuheiten und auch um Öko-Neulingen in der Thematik ausreichende Informationen zu bieten. Das kann auch Stefan Jacob, Media Relations Messe Frankfurt, bestätigen: Die Veranstaltung sei schon immer eine Marketing-Plattform gewesen und deswegen so erfolgreich.

Am Mittwochabend fand unter dem Titel "Nightshift" nicht nur die berühmt/berüchtigte Modenschau, sondern auch ein geselliger Abend mit verlängerten Öffnungszeiten statt. Die diesmalige Salonshow war schlicht, aber stimmig – wenn auch sehr Mantel-lastig, in Kombination mit roten Pumps und bunten Strumpfhosen von Kunert – und durchaus die schönste seit dem Bestehen der Messe (damals noch im Hotel Adlon präsentiert). Unter den elf gezeigten Designern befanden sich Lanius (das Label zeigte die Lizenzkollektion "Fair Feminine Fashion" am Stand), Langer Chen (deren dunkelblauer Mantel der meist getragene unter den Szene-Besuchern war), Sanikai oder Edelziege (alles aus Cashmere). Vorgeführt wurde die Damen- und Herrenmode im überfüllten Show-Bereich und vor Wänden mit gemischtem grünen Blattwerk – aus Plastik allerdings.

Die Salonshow - Elisa Gianna Gerlach

Abzugspunkte gab es für das Catering nach der Salonshow: Die überwiegend vegetarisch und vegan lebenden Besucher waren missgestimmt über die Sandwiches mit echtem Fleisch! Bemängelt wurde ebenfalls von einigen Besuchern, dass ein System fehle, anhand dessen man die einzelnen Labels blitzschnell auf ihre Nachhaltigkeits-Eigenschaften einstufen könnte. Denn von fair produziert bis hin zu Bio-Materialien oder Upcycling ist alles im Marken-Mix auf der Messe vertreten. Und am besten sei noch ein Extra-Tag bei den immer zahlreicher werdenden Ausstellern, um wirklich alle besuchen zu können!

Der nächste Greenshowroom und die Ethical Fashion Show Berlin finden vom 3. bis 5. Juli 2018 im Kraftwerk Berlin statt.

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