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Diors Herrenkollektion zeigt die Zivilisation der Zukunft

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 22.06.2019
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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An der feinen, ideenreichen Menswear-Show von Kim Jones zeigte der neue Kreativdirektor der Dior-Herrenlinie im vom Feierabendverkehr geplagten Paris von der Kunst inspiriertes Leben oder vielmehr von der Mode inspirierte Kunst.


Dior Men - Frühjahr/Sommer2020 - Paris - Photo: GoRunway.com

 
Seine überraschende Idee war es, für die Kollektion mit einem bedeutenden zeitgenössischen Künstler zusammenzuarbeiten. Es handelt sich um Daniel Arsham, der nicht zuletzt für seine um Dekonstruktion, Zerfall und Zerstörung kreisenden Werke bekannt ist. Zumindest in dieser Saison dürfte er nun auch mit Dior assoziiert werden.

Kim Jones übermittelte seine Idee mit der coolsten Einladung der Saison – ein blassgrauer Nylonbeutel von Dior, gestaltet wie eine Kunstkritik. Die Einladung trug den Titel 'Je Suis Couturier' und wurde mit einem Vorwort von Christian Dior und einem Geleitwort von Kim Jones und Daniel Arsham ausgestattet.

Eine von Daniel Arshams Serien trug den Titel 'Future Relics', doch war diese Kollektion alles andere als ein Relikt. Sie spielte zwar mit dem Begriff der Veralterung und des Zerfalls, doch daraus entstand ein vorzüglicher Ausdruck zeitgenössischer Coolheit.

Der Kreativdesigner verwendete gar ein Mikrofaser-Strickgewebe, das aussah wie zerbröckelnder Mörtel, doch seine bevorzugte Farbe war helles Betongrau – ganz anders als das dunkle Grau von Monsieur Dior. Der Laufsteg war in Sandgrau gehalten und auf dem Set thronten vier riesige Betonbuchstaben – DIOR.

"Viele vergessen, dass Monsieur Dior Inhaber einer Galerie war, lange bevor er Couturier wurde. Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, dies in unserer Arbeit zum Ausdruck zu bringen", erklärte Jones.

Doch die Kollektion zeugte auch von einer sehr respektvollen Verwendung der umfangreichen Archive des Modehauses. Der Designer verwendete beispielsweise Marc Bohans 'Oblique'-Motiv in einer hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Alu-Koffer-Spezialisten Rimowa. Daraus entstanden Koffer und Handkoffer, wovon einer sogar eine Flasche Dom Pérignon enthielt. Ein Must-have.

"Einer der Vorteile von LVMH ist es, dass man mit den Besten zusammenarbeiten darf", freute sich der britische Designer.

Ungeachtet der zahlreichen Sportswear-Elemente fühlte sich die Show oft wie Couture an, so hochwertig war die Verarbeitung. Dies gilt ganz besonders für eine kurze Reihe an Overalls, Hemden und Shorts aus ägyptisch blauem Toile-de-Jouy-Stoff, dessen Muster von einem japanischen Künstler von Hand aufgemalt worden war.


Dior Men - Frühjahr/Sommer2020 - Paris - Photo: GoRunway.com

 
"Dior ist ein Couture-Haus, deshalb sollte dies auch aus unserer Menswear klar hervorgehen", fügte Kim Jones an.

Der Designer griff außerdem eine Idee seiner letzten Show auf – die Schärpe – und verwandelte diese in geschmeidige, perlgraue Krepp-Anzüge. Er fürchtete sich auch nicht vor dem, was die Franzosen eine 'Provoc' nennen. So sandte er ein halbe Dutzend Herren-Hijabs auf den Laufsteg und gestaltete die unübliche Kopfbedeckung in Pink, Weiß und gar in Grau mit Dior-Print.

Die Show wurde subtil im Institut du Monde Arabe am Seine-Ufer organisiert. Die dominanten Farben waren Grauweiß, Pink und Hellgrau – wie die Logos der Overalls der Stage-Hands. Die Detailgenauigkeit war beeindruckend. Und eines steht fest: Kim Jones hat sein Designteam fest im Griff.

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