Dolce & Gabbanas DNA von morgen

Wir sind uns nicht sicher, wer der beiden Designer von Dolce & Gabbana genau für das Heilige, und wer für das Profane zuständig ist, aber diese widersprüchlichen Impulse haben am Sonntag in Mailand für eine große Show gesorgt.

Dolce & Gabbana Frühjahr/Sommer 2019 - Mailand - Photo: PixelFormula

Es war eine Show, die durch eine enorme Diversität, Farbe und Ethnizität geprägt war. Eine eklektische Auswahl an Models, die es in dieser Form schon seit Langem nicht mehr gegeben hat.
 
Die beiden italienischen Designer starteten mit dem Heiligen. Die Kirchenglocken fingen an zu läuteten, und mehrere Dutzend sizilianischer Witwen marschierten ganz in Schwarz den Laufsteg auf und ab. Ihre Häupter waren mit Spitzenschleiern bedeckt und jede von ihnen hielt eine Kerze in der Hand.
 
Dann folgte das Kontrastprogramm von Dolce & Gabbana: Monica Bellucci schritt in einem figurbetonten Polka-Dot-Kleid über den Laufsteg; Carla Bruni Sarkozy, die ehemalige französische First Lady, feierte ihr Runway-Come Back in einer goldenen Paisley-Hose mit einer himmelblauen Jacquardweste. Eva Herzigová verwandelte sich in eine Contessa gehüllt in tiefschwarzem Tüll, wie aus dem Film "The Leopard" entsprungen.
 
Die Titelmusik von Viscontis Filmklassiker läutete wie immer die Show ein. Danach ertönte Luciano Pavarotti. Seine Stimme schlug hohe Töne an, ideal für diese Opernshow.
 
Die Einladung las "DNA" in Goldschrift über einem Fingerabdruck und machte die Botschaft deutlich: die Fokussierung auf die Multi-Root-DNA des Duos in einer ausladenden Show. Während ein reduziertes Programm mit der Lektüre von "DNA Evolution" die übergeordnete Idee erklärte, waren in dieser Kollektion alle großen Hits von Domenico und Stefano vertreten: Helena Christensen als sexy Witwe in einem mehrteiligen, kleinen, schwarzen, dünnen Negligé, die Haare mit Rosen bedeckt, dazu Goldohrringe. Dazu gesellten sich heraldische Sweatshirts, Maiolica-Muster-Cocktailkleider oder verrückte Keramik-Print Palazzo Hosen. Abgerundet mit religiösen Gewändern und goldenen Hotpants mit passenden und knappen Blumenkorsetts aus Stoff.
 
Zwei weibliche Models, eins in einem Abendkleid, das andere in einem Smoking-Hosenanzug, beide in das gleiche graphische Schwarz-Weiß-Graffiti-Print gehüllt, marschierten Hand in Hand über den Laufsteg. Genauso wie mehrere Mütter- und Töchterpaare und sogar eine Oma und ihre Enkelin. Darauf folgten auch einige XXL-Damenmodels, die alle großen Applaus ernten.
 
Die Kollektion war eine fantasievolle Präsentation italienischer Handwerkskunst. Allerdings war nicht zu übersehen, dass die Looks dem Modepublikum sehr vertraut waren. Zu viele großartige Hits und weniger innovative Ideen. Man konnte aber das ganze prächtiges Oeuvre bewundern. Trotzdem hatte man nach der Show das Gefühl, dass ein kraftvolles zentrales Thema fehlte.

Tatsächlich hat sich die DNA trotz des Titels der Kollektion nicht wirklich weiterentwickelt.

Übersetzt von Eva Bolhoefer

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