Eine strategische Präsentation: Der DACH Showroom

Bereits zum zweiten Mal fand der Zusammenschluss von deutschen, österreichischen und schweizer Designern unter dem gemeinsamen DACH Showroom während der Fashion Week Paris (vom 2. bis 6. März 2018) statt. Die Partnerschaft aus dem Berliner Showroom, der Austrian Fashion Association Agency und der Mode Suisse versammelte die internationalen Designer und gruppierte sich strategisch geschickt für die Präsentation der Herbst-/Winterkollektionen 2018/19.

Unter neuer Adresse, in der Rue Perrée Nummer 18 im 3. Arrondissement, Nähe République und ums Eck des vorherigen Veranstaltungsortes, wurde aufgrund des guten Feedbacks von allen Seiten – gerade wegen der starken Synergie – der Showroom erneut abgehalten. Der Aufhänger dieser Veranstaltung ist besonders durch das Motto "gemeinsam ist man stark" geprägt. Der Name "DACH" steht zwar für die Länder-Codes, soll aber gleichzeitig im übertragenen Sinne die Verbindung unter einem Dach verdeutlichen. Das Label Steinrohner (DE) zum Beispiel, ist zwar in Berlin ansässig, deckt aber gleich mehrere Länder ab: die Schweiz und Deutschland, zudem ist man mit russischen Wurzeln ausgestattet. Deswegen sei der Showroom eine "perfekte Vereinigung" für "ein europäisches Label", wie die eine der beiden Markengründerinnen, Inna Stein, berichtet. "Wir kannten hier schon viele Designer, sowohl aus Deutschland als auch aus der Schweiz, und es ist toll, dass wir uns nicht entscheiden brauchten, in welche Ländergruppe wir fallen."

Alles gut sichtbar dank der großen Schaufenster! - Elisa Gianna Gerlach

Die Vermieter eröffneten erstmalig die helle, geräumige Location, die mit großen Schaufenstern, zwei Etagen (EG und UG) und in weiß gehaltenem Interieur die 30 Labels (in der Vorsaison waren es 25) beherbergte. Von der Straße sind die Kleiderstangen und die Präsentationsfläche bereits einsehbar, was sowohl die Veranstalter als auch die Besucher erfreute. Man war sich einig, dass diesmal alles repräsentativer und hochwertig aussah.

Jedes Land hat sein Verfahren, welcher Designer mitmachen darf. Grundsätzlich sind es vielfältige Kollektionen, viele Labels haben sich bereits einen Namen gemacht und sind auch international ein Begriff. Auf der anderen Seite sind vielversprechende Newcomer dabei. Designer Vladimir Karaleev (DE) heißt das gut: "Ich finde wichtig für so einen Showroom, dass keiner in direkter Konkurrenz mit den anderen steht, dass es eine gute Mischung gibt." Und die Stimmung unter den Kreativen? "Es herrscht eine total super Stimmung unter uns, aber natürlich macht jeder seins", berichtet Designerin Mira von der Osten vom Label Cruba (DE). "Es ist immer eine Chance, auch andere Designer kennenzulernen, auch über die Grenze hinaus. Ein Aspekt, den man auf den ersten Blick nicht erwartet."

Wo liegt der Anreiz für eine Marke, im DACH Showroom überhaupt mitzumachen? Arne Eberle, PR-Spezialist und Organisator von der deutschen Sektion, gibt an, dass im Gegensatz zu den Messen die Teilnahme hier günstiger sei und die Werbetrommel stärker gerührt werde. Die PR sei insgesamt stärker in diesem Kontext und auch während der Veranstaltungsperiode, der Showroom werde zudem inszeniert, die Einkäufer verstärkt angezogen und auf die Atmosphäre lege man wert – auch mit Getränken und Snacks – damit sich die Besucher wohlfühlen, gerne kommen und vor allem wiederkommen. Das sei auf den Messen nicht unbedingt so.

Die Anzahl der Marken sei ebenfalls ein entscheidender Faktor: Der gute Umfang biete den Besuchern die Möglichkeit, sich mehr Zeit zu nehmen und viele Kollektionen anzusehen. Bestehe Interesse an einer Marke, dann könnten eben auch weitere Vorschläge von anderen Labels angeboten werden. Und warum Paris? "Weil das hier der große Modemarkt ist, die allermeisten Leute kommen hier her, von jedem großen Shop sind Vertreter in der Stadt. In Paris ist ein globaler Markt, im Gegensatz zu anderen Modestädten, wo eher ein regionaler Markt herrsche. In Paris kann man einfach die meisten Leute treffen."

Die neue Location des DACH Showrooms findet großen Anklang. - Elisa Gianna Gerlach

Die Aufteilung der einzelnen Plätze und Zuteilung der Kleiderstangen wurde von den Veranstaltern vorgenommen. Am Ende (Untergeschoss hinten) wurde mit Absicht das Best-Seller Label positioniert, Wendy Jim aus Österreich. Dadurch müssen die Besucher ganz automatisch an allen anderen Kollektionen vorbei. Im Erdgeschoss befinden sich viele Newcomer und reichlich Temporary Design, um die Besucher im Entree gleich visuell anzulocken und natürlich auch um die Aufmerksamkeit für diese Marken zu steigern.

Finanziell herrscht Gleichberechtigung: Jeder Teilnehmer des Showrooms bezahlt den gleichen Betrag fürs Mitmachen – ein Aufpreis wird bei einer zusätzlichen Kleiderstange erhoben. "Der Zusammenschluss sorgt dafür, dass mehr Leute angezogen werden und auch noch einmal ganz andere Zielgruppen, neue Einkäufer", berichtet Designer Hien Le. "Es ist gar nicht schlimm, im Untergeschoss positioniert zu sein, es ist unten genauso schön wie oben." Und der Wunsch für das nächste Mal? "Natürlich noch mehr Einkäufer, noch mehr internationale Einkäufer hier zu haben. Das ist, glaube ich, der Wunsch aller: noch mehr Aufträge." Und beim Konzept? "Da bin ich wunschlos!"

Welche Einkäufer sind am stärksten vertreten? Der asiatische Markt (vor allem Japan, Hongkong und China) sei besonders interessiert und mache knapp die Hälfte der Besucher aus. Ansonsten sind viele aus dem deutschsprachigen Raum da. Klassische Ordern bewegen sich zwischen 2.000 bis 3.000 Euro – das hänge sowohl von den Shops ab, aber auch vom Designer und der etwaigen Mindestbestellmenge. Anfragen nach der Veranstaltung werden von den Organisatoren des DACH Showrooms an die entsprechenden Presse- und Sales-Agenturen oder die Designer direkt weitergeleitet.

Auf zwei Etagen sind die 30 Designer und Marken vertreten. - Elisa Gianna Gerlach

Zu besichtigen gab es bei dieser Ausgabe u.a. Folgendes: das Traditionsunternehmen für Hüte Mühlbauer (AT), Collective Swallow (CH) mit einer von Pizza inspirierten Kollektion mit Unisex-Konzept, Published By (AT) mit Knöpfen aus dem 3D-Drucker, Last Heirs (DE) der Designer Max und Lea mit vielen Vinyl-Kleidungsstücken, zudem der aus Taiwan stammende, aber seit 2012 in Berlin ansässige Designer Damur Huang ("I love Berlin, it feels like home!") mit seinem Label Damur, die von den Gemälden Mark Milroys inspirierte Kollektion von Cruba (DE), ausserdem die UDK-Absolventin Friederike Haller (DE) mit ihrer ersten Kollektion, Julia Heuer (CH) mit kunstvollen, handbemalten Plissee-Techniken, das große Zugpferd Wendy Jim (AT), auch im offiziellen Kalender der Paris Fashion Week gelistet und die besonders bei Apartment Stores und den Asiaten reißenden Absatz finden, sowie die Französin Tata Christiane (DE) aus Berlin, das Bio-Label Rudolf aus Wien mit flauschigem Strick und ansonsten noch Taschen, Schuhe und Accessoires.

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