Esprit im Umbruch: Aufgemöbelte Läden und neue Gesichter

Jose Manuel Martinez Gutiérrez.
RATINGEN (dpa-AFX) - Mode allein reicht nicht mehr. "Es ist heutzutage nicht mehr gut genug zu sagen, ich mache tolle T-Shirts", sagte der scheidende Esprit-Chef Ronald van der Vis vor wenigen Wochen in Düsseldorf. Auch auf eine ansprechende Präsentation der Ware komme es an.

Drei Monate später erklärt van der Vis zum letzten Mal, wie die Zukunft der Modekette aussehen soll. Die Bilanzvorlage in Hongkong, wo Esprit an der Börse notiert ist, war am Mittwoch sein letzter Arbeitstag. "Wir bringen Esprit zurück auf die Einkaufslisten der Verbraucher", zeigte sich der Niederländer überzeugt. Esprit sei schneller geworden. Mit einer Vorlaufzeit von nur noch acht bis zwölf Wochen sei die Abverkaufsgeschwindigkeit neuer Trendprodukte jüngst mehr als doppelt so hoch wie bei anderen Kollektionen gewesen.

Immer schneller dreht sich das Rad in der Textilbranche. Eine Kollektion folgt der nächsten. Außerdem treten neue Konkurrenten auf den Plan. "Von unten setzen die Textildiscounter den Markt unter Druck, dann haben wir die großen, inzwischen etablierten Ketten wie H&M oder Zara, die mit immer neuen Formaten kommen und dann drängen auch immer mehr ausländische Marken auf den Markt", beschreibt Marco Atzberger, Geschäftsführer beim Handelsinstitut EHI, die Situation. Konkurrenz bekämen Geschäfte verstärkt auch von Online-Händlern.

Aber auch andere Faktoren wie hohe Rohstoffpreise oder lange Transportwege müssen die Anbieter meistern. "Wer günstig in Fernost produzieren lässt, nimmt zwangsläufig auch lange Lieferwege in Kauf", betont Atzberger. Da die Kollektionen immer schneller wechselten und inzwischen im Monatsrhythmus neue Ware in den Regalen liegen müsse, stelle das Unternehmen vor große organisatorische Herausforderungen.

Kein Wunder, dass im Wettlauf um angesagte Jeans und Pullover immer mehr Anbietern die Puste ausgeht. In Deutschland ging der Marktanteil von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von unter fünf Millionen Euro seit der Jahrtausendwende um über zehn Prozentpunkte auf rund 28 Prozent zurück, wie aus Zahlen des Branchenverbands BTE hervorgeht. Im gleichen Zug sicherten sich die Platzhirsche ein immer größeres Stück vom Kuchen: Fast die Hälfte des Marktes liegt nun in den Händen von Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz.

Aber auch starke Mittelständler gehören laut der BTE-Analyse zu den Gewinnern der rasanten Konsolidierung. Oft handelt es sich dabei um Firmen die von Unternehmer-Persönlichkeiten geführt werden, die ein gutes Gespür für die Kundschaft in ihrer jeweiligen Region haben.

Selbst der Riese Esprit muss sich im schnelllebigen Modegeschäft strecken. Die Marke, die laut van der Vis zu brav geworden war, muss aufpoliert und die Ertragskraft des Unternehmens gestärkt werden. Dafür sind binnen vier Jahren Gesamtinvestitionen von umgerechnet 1,7 Milliarden Euro vorgesehen, kündigte er zum Start des Konzernumbaus vor einem Jahr an. Bis Mitte 2013 würden fast 1000 Verkaufsstellen umgestaltet.

Der Mann, der dafür jetzt die Verantwortung bei Esprit trägt, heißt Jose Manuel Martínez Gutiérrez. Er kommt vom spanischen Textil-Riesen Inditex , zu dem die Modekette Zara gehört. Der alte und der neue Konzernchef übten am Mittwoch vor den Fotografen den Schulterschluss. Der Konzernumbau wird fortgesetzt. Aber auch den Verbraucher wird ein neues Gesicht präsentiert. Anstelle von Topmodel Gisele Bündchen, die ihr zweites Kind erwartet, wird in nächster Zeit Christy Turlington Esprit-Mode werbewirksam in Szene setzen./she/vd/

--- Von Simone Hett, dpa-AFX und Volker Danisch, dpa---

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