Farfetch ruft dazu auf, sich im Kampf gegen Rabatte zu engagieren

Der Chef von Oscar de la Renta und mehrere Einzelhändler stimmen dem Aufruf von Farfetch CEO José Neves zu, übermäßige Rabatte einzudämmen. Sie sind jedoch der Meinung, dass auch Farfetch seinen Teil dazu beitragen müsse, da die Online-Plattform ebenfalls Rabatte anbietet, um Verbraucher anzuziehen.


Am Rande einer Luxuskonferenz, die letzten Monat in Hongkong stattfand, sagte José Neves FashionNetwork.com, dass Marken Maßnahmen ergreifen müssen, um einen "Wettlauf nach unten" bei den Rabatten zu vermeiden, da sie das Überleben des Ökosystems des Modeeinzelhandels gefährden.

Alexander Bolen, Geschäftsführer der amerikanischen Marke Oscar de la Renta, sowie die unabhängigen Einzelhändler L'Exception in Paris und Aizel in Russland sagten, dass sie diese Position unterstützen, die Farfetch-Plattform jedoch selbst strenger sein müsse, um übermäßige Rabatte zu vermeiden.

Mit dem Erfolg von Aktionen wie dem Black Friday im vergangenen Monat, die manchmal früher als erwartet beginnen, ist das Thema Rabatte zu einem zentralen Diskussionsthema für Führungskräfte aus Mode und Handel geworden.

Diese erheblichen Rabatte traten mit der Finanzkrise 2008-2009 allmählich in Erscheinung und haben seitdem nie wieder aufgehört. Jedes Jahr beginnen die Werbeaktionen früher, was sich auf die Verbraucherpsychologie auswirkt und die Kunden ermutigt, außerhalb der Rabattperioden auf den Kauf zu verzichten.

"Ich stimme José Neves zu – wir teilen diese Bedenken – aber Farfetch sollte selbst die gleiche Disziplin anwenden", so Alexander Bolen, Leiter von Oscar de la Renta. "Wir sind sehr begeistert von Farfetch, aber ich denke, es gibt bessere Möglichkeiten, Kunden anzuziehen, als die Preise zu senken; ich denke an exklusive Produktangebote oder Einladungen für VIP-Kunden zu Modenschauen und Launch-Events." Der Inhaber der amerikanischen Marke erklärte auch, dass seine Marke auf der Website sehr erfolgreich sei. Er sehe darin ein gutes Instrument, um Kunden in neuen Märkten zu erreichen. Allerdings werde die Londoner Plattform seiner Meinung nach früher oder später zwischen Geschäften und Marken wählen müssen, da sie sie in einen direkten Preiswettbewerb stellt.

Neves seinerseits weist regelmäßig den Vorschlag zurück, dass Geschäfte die Farfetch-Plattform verlassen sollten: Sie sind seiner Meinung nach Teil seiner Identität und stehen im Zentrum seines "Mehrwerts".

Mehrere High-End-Marken wie Chanel schließen ihre Großhandelskonten in Kaufhäusern in den wichtigsten Märkten wie den USA, um ihre Preise und ihr Image in Form von Konzessionen besser zu kontrollieren.

Aizel, ein unabhängiger Reseller mit Sitz in Moskau, fügt hinzu: "Was Herr Neves in Hongkong zu FashionNetwork.com sagte, ist sehr überraschend. In Russland zum Beispiel war Farfetch am Black Friday 2018 der erste, der seinen Kunden im Internet Rabatte anbot. Manchmal spielen sie mit Preisen und sie können sogar niedriger sein als von den Marken empfohlenen." In dem Interview mit FashionNetwork.com versicherte uns José Neves, dass Farfetch nicht der erste war, der im Laufe des Jahres Rabattaktionen anbot.

In Paris sagte der Multibrand Store L'Exception, der diese Woche die Einführung seiner eigenen Prêt-à-porter-Marke feierte und seine Produkte auf Farfetch vertreibt, dass Aktionen wie der "Black Friday" die Verbraucher ermutigen, für diese Rabattzeiten zu sparen, was sich erheblich auf die Konjunktur ausgewirkt hat.

"Für den Black Friday 2018 warteten viele Kunden auf Werbeaktionen, um ihre Einkäufe zu tätigen, so dass das Geschäft für den Monat schwach blieb und diese Ereignisse einen Einfluss auf die Margen der Händler haben", erklärte Régis Pennel, Gründer und General Manager von l'Exception. "Das ist keine gute Sache für das gesamte Mode-Ökosystem. Wir müssen unsere Preiskontrolle verschärfen, da Werbeaktionen und Rabatte immer gefährlichere Ausmaße annehmen, sowohl für Marken als auch für Einzelhändler", schloss er.

Übersetzt von Felicia Enderes

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