Fashion ist fast, Interior wird faster

Am 25. Mai 2018 eröffnet die US-amerikanische Marke Anthropologie mit Fokus auf die Bereiche Interior und Fashion ihre erste Deutschlandfiliale in der Düsseldorfer Innenstadt. 
Aus dem Hause URBN, zu dem auch der Retailer Urban Outfitters gehört, bietet der Go-to-Shop von Anthropologie auf einer Fläche von 950 qm auf der Königsallee ein kunstinspiriertes Sortiment aus Bekleidung, Wohnartikeln und Nischenprodukten im Beauty-Bereich. Dieser Vorstoß in die deutsche POS-Landschaft ist eine von vielzähligen Beispielen dafür, dass der hiesige Markt immer stärker auf Lifestyle-Konzepte und Angebotsvielfalt geht, um seinen Kunden attraktive Erlebniswelten zu bieten.

Die Markenwelt von Anthropologie - Anthropologie

Die Markenwelten der High-End-Fashion sind dabei ein tradiertes Vorbild, Modehäuser wie Armani oder Versace bieten Interior als integrale und wirtschaftlich etablierte Bestandteile ihrer Imperien an. Dass aber Vertikale wie H&M und Zara eigene Stores in 1a-Lagen der deutschen Innenstädte mit Wohndekor-Angeboten bespielen, ist eine junge Entwicklung und für die hiesige Einrichtungsbranche so revolutionär wie bedrohlich. Denn die konventionellen Anbieter von Wohnaccessoires und auch Bettwaren kämpfen damit, dass sie mit ihren Stammkunden alt geworden sind und vielerorts verpasst haben, sich auf eine neue Generation von Kunden einzustellen, die jenseits von Ikea nach starken Marken mit mittlerer Preislage suchen. So wurde laut IFH Köln in 2017 gerade mal 26 % des Umsatzes mit Heim- und Haustextilien von Raumausstattern und dem Textilfachhandel gemacht.
 
Dabei gehen die neuen Kunden an das Interior-Angebot heran, wie sie es vom Kleiderkauf kennen: trendorientiert, impulsiv und saisonal. Fashion-Anbieter nutzen also ihre Sprache, die vom Kunden schon verstanden wird, um weitere Produkte anzubieten. "In unseren Stores tauchen Kunden in die Welt von Anthropologie ein. Sie sehen bedruckte Seidenkleider direkt neben Ausstellungen besonderer Keramik und unsere aufwändigen Accessoires werden durch ausgewählte Schreibwaren ergänzt. Wir erkennen, dass unsere Kunden ein ganz eigenes Gespür für ihren Stil haben und das nicht nur in Bezug auf die Art, wie sie sich kleiden, sondern auch wie sie sich durch ihr Zuhause ausdrücken möchten. Momentan umfasst unser Sortiment etwa 60 % Kleidung und 40 % Home-Produkte", erklärt Gisela Garcia Escuela, Managing Director von Anthropologie Europe, gegenüber Fashionnetwork.
 
Dabei ist die Verbindung von Mode und Interior in Deutschland traditionell ein starkes Thema, insofern als viele deutsche Marken, wie etwa Marc O’Polo, Joop, Bugatti oder S.Oliver starke Lizenzen im Bereich der Bettwäsche oder aber für Badartikel haben. Regelmäßig verzeichnen sie in diesen Bereiche höhere Wachstumsraten, als in der Hauptkategorie Mode. Nun zieht also der Handel endlich nach? Beobachtet man die Signature POS in Deutschland, bekommt man diesen Eindruck. Erst letztes Jahr ging das Luxus-Kaufhaus Oberpollinger in München mit einem brandneuen Flächenkonzept für Interior an den Start. Und die Concept-Store-Kette Apropos baut kontinuierlich ihr Möbel und Homedekor-Angebot aus, wie vergangenes Jahr durch eine Sonderfläche für die Trend-Marke Fornasetti. Unabhängige Händler vielerorts ergänzen ihr Sortiment um Decken und Kissen, Duftkerzen und Keramik.
 
"Der Deutsche Interior-Markt ist im Vergleich zu anderen sehr reif und etabliert und es ermutigt, zu sehen, dass immer mehr Händler Möbel und Wohnaccessoires Seite an Seite mit Modekollektionen anbieten. Traditionelle Marken leisten gute Arbeit in Bezug auf ein solches Angebot im High-End-Segment, schließen dabei aber ein breites Publikum aus. Wenn also eine Modemarke beginnt anspruchsvolle und dennoch erschwingliche Wohnaccessoires neben ihren Kollektionen anzubieten, reagieren Kunden darauf sehr positiv. Auch weil sie heute ihre Wohnräume auf eine ähnliche Weise dekorieren, wie sie ihren Kleiderschrank updaten. Unser Interior-Warenlager dreht sich schneller als das von traditionellen Einrichtungsgeschäften, weil für uns schnelle Trends eine wichtige Rolle spielen, und wir reagieren sehr schnell und flexibel auf steigende Nachfragen in den jeweiligen Kategorien", erklärt uns Gisela Garcia Escuela weiter.
 
Marken wie Anthropologie kreieren mithilfe einer smarten Kombination verschiedener Kategorien also immer stärkere Lifestyle-Welten und Retailer entwickeln im Sinne des Curated Shopping durch ein diversifiziertes Sortiment eine ganz eigene Handschrift. Branchen wachsen zu Gesamtkonzepten zusammen und kreieren damit eine Antwort auf den holistischen Konsumstil ihrer Kunden. Wohl dem, der dies erkennt und sein Sortiment im Griff hat.

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