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DPA
Veröffentlicht am
28.11.2011
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3 Minuten
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Feine Düfte - ausgerechnet aus Bitterfeld

Von
DPA
Veröffentlicht am
28.11.2011

Bitterfeld-Wolfen (dpa) - In der DDR war der Chemiestandort Bitterfeld für seinen Gestank berüchtigt - marode Anlagen des riesigen Chemie-Kombinats verpesteten die Luft. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Die Beschäftigten der Miltitz Aromatics GmbH Bitterfeld wollen für perfekten Duft sorgen. Das kleine Unternehmen im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) liefert Duft- und Aromastoffe in fast 30 Länder der Welt. Es ist zugleich ein Exot am Standort, der heute mit rund 360 Firmen der Chemie- und Pharmaindustrie laut Branche zu den modernsten seiner Art in Europa zählt.


Miltitz Aromatics


Die bei Miltitz Aromatics kreierten Stoffe sind nach Angaben des Unternehmens bei Parfümherstellern und Waschmittelproduzenten ebenso gefragt wie in der Lebensmittelindustrie. So steckt heute in manch weltbekanntem Parfüm auch ein Stück Bitterfeld. «Wir stellen etwa 50 verschiedene Riech- und Aromastoffe her», sagt Stefan Müller, Mitglied der Geschäftsführung.

Die Firma gehört zu einer kleinen Branche, es gibt nur wenige Hersteller von Aroma und Duftstoffen. Der Deutsche Verband der Riechstoffhersteller hat nach eigenen Angaben etwa 20 Mitglieder. Derzeit produzieren die rund 40 Beschäftigten in Bitterfeld jährlich 1000 bis 1200 Tonnen Duft- und Aromastoffe. Aus der dortigen Chemieküche kommt zum Beispiel der sogenannte «Ambra»-Riechstoff, ein Ausscheidungsprodukt von Walen. Doch Müller und sein Team können den Stoff nachbauen. Chemische Grundstoffe werden durch Katalysatoren in den Anlagen zusammengesetzt. «Katalysatoren sind das Zaubermittel in der Chemie, die ganz verschiedene Stoffe zusammenbringen können.»

Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, kreieren die Beschäftigten Düfte. Mit einem Jahresumsatz von elf Millionen Euro in diesem und im vergangenen Jahr hat die Firme eher bescheidene Volumen. Der Anbieter Symrise in Holzminden (Niedersachsen) zum Beispiel erzielte im vergangene Jahr einen Umsatz von 1,57 Milliarden Euro, wie ein Sprecherin sagte. Doch um die Nase auch angesichts großer Konkurrenz vorne zu haben, setzen die Bitterfelder auf Innovation. «Um ständig neue Düfte anbieten zu können, arbeitet gut ein Fünftel der Belegschaft im Bereich Forschung und Entwicklung», sagt Müller.

«Eine hohe Bedeutung am Markt haben sowohl Klassiker als auch neue Kreationen», sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Kosmetikverbandes Berlin. «Düfte sind neben der dekorativen Kosmetik derzeit die Gewinner in der Kosmetikbranche, sie erleben derzeit einen Boom.» Dem Verband gehören 50 deutsche Vertriebshäuser von in- und ausländischen Kosmetikproduzenten an. Sie repräsentieren mehr als 200 zum Teil weltbekannte Marken und einen Umsatz von zwei Milliarden Euro.

«Düfte erfüllen oft auch ganz simple Zwecke», sagt Bernd Glassl, Bereichsleiter im Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel in Frankfurt/Main. «So haben Waschmittel an sich einen unangenehmen Eigengeruch. Dieser muss mit Duftstoffen weggezaubert werden.» Die Geschmäcker seien dabei unterschiedlich. Die Deutschen bevorzugten frische Düfte, während es im Süden Europas etwas blumiger sein dürfe.

«Riechstoffe aus Pflanzen herzustellen, ist ein langwieriger, aufwendiger Prozess», sagt Müller. «Erst Ende des 19. Jahrhunderts, haben Wissenschaftler festgestellt, dass Düfte auch auf chemische Wege gewissermaßen nachgebaut werden können und Pflanzenblüten verzichtbar sind. Die Produktion in Laboren und Anlagen habe auch den Vorteil, dass die Düfte und Aromen von gleichbleibender Qualität sind.

Das Unternehmen setzt eine alte Tradition fort: Seit 1829 produziert die Firma Schimmel in Miltitz bei Leipzig Düfte und Aromen. Zu DDR-Zeiten enteignet und an ein Kombinat angegliedert, kam zur Wende fast das Aus. Doch Geschäftsführer Peter Müller, Vater von Stefan Müller, hatte die richtige Nase: Mit seinen Kollegen machte er sich selbstständig und zog nach Bitterfeld, wo es genügend Fachleute der Chemiebranche gab. Der erste Auftrag kam ausgerechnet aus Südfrankreich, dem Zentrum der Parfümindustrie.

Marketingchefin Delphine Dumas-Mittelberger mag hochwertige Düfte, doch tragen darf sie die nicht. Denn täglich werden in Bitterfeld hunderte von Duftproben gesetzt, um die Qualität der Erzeugnisse zu prüfen. «Und der Geruchssinn darf nicht verfälscht werden, deshalb tragen wir während der Arbeitszeit kein Parfüm, denn ohne eine gute Nase geht hier gar nichts», sagt sie.

Von Sabine Fuchs, dpa

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