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Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
27.01.2021
Lesedauer
4 Minuten
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Fendi Couture: Kim Jones feiert sein Debüt mit Bloomsbury in La Bourse

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
27.01.2021

Fashionistas lieben nichts mehr als ein Debüt, umso mehr, wenn es sich wie in dieser Saison um die Premiere von Kim Jones mit einer von Bloomsbury inspirierten Kollektion beim etablierten Luxusmodehaus Fendi handelt.


 

Obwohl die für ihre Pelze bekannte Marke aus Rom stammt, entschied sich Jones dafür, seine allererste Show für Fendi und seine allererste Damenkollektion in Paris während der französischen Haute-Couture-Saison zu zeigen.
 
Allerdings ohne Live-Publikum, denn die Pariser Polizeipräfektur hatte alle öffentlichen Versammlungen verboten, so dass die gesamte Saison, die etwa 25 Marken umfasst, gezwungenermaßen online stattfindet.
 
Jones enthüllte seine Kreationen im Palais Brongniart, der ehemaligen Börse von Paris, besser bekannt als La Bourse, hinter den verschlossenen Türen dieses neoklassizistischen Tempels, der von riesigen korinthischen Säulen getragen wird. Fendi mag seine Ursprünge in den sonnigen Straßen von Rom haben, aber dieses Debüt fand an einem nasskalten Januar in Paris statt.
 
Statt irgendetwas besonders Italienischem, widmete Jones die Kollektion der literarischen Bloomsbury Group, deren berühmtestes Mitglied Virginia Wolf einst in einem Cottage in der Nähe von Rodmell in Sussex lebte, wo Kim kürzlich ein Landhaus gekauft hat.
 
Die Kollektion markierte einen großen Sprung für Jones, der im letzten Jahrzehnt in Paris einer der einflussreichsten Menswear-Designer war, mit sieben Jahren bei Louis Vuitton und drei Jahren bei Dior Homme – ein Job, den er weiterhin ausübt, während er nach Rom hin und her pendelt. Seine Tätigkeit bei Fendi begann er nicht einmal zwei Jahre nach dem Tod des weltberühmtesten Designers Karl Lagerfeld, der 54 Jahre lang Kreativdirektor von Fendi war.
 
Ein exklusives Feature, das der britischen Vogue vor der Show gewährt wurde, zeigte Kate Moss mit dem Hut von Vanessa Bell und nur einem Paar Seidenstiefel, die mit Muranoglas bestickt waren. In Paris hatte es der britische Designer offensichtlich besonders eilig, seine erste Couture-Schau frühzeitig zu zeigen, und beklebte letzte Woche Bushaltestellen und Zeitschriftenkioske im gesamten Stadtzentrum mit Postern seiner ersten Looks. Das gleiche Eröffnungsbild, das online zu sehen war, zeigte Kims Poster mit Adwoa Aboah und Thatcher Thornton in den Hauptrollen.

Dann fuhr die Kamera durch ein Labyrinth aus riesigen Glaskästen, die mit Pflanzen, Stühlen und Koffern gefüllt waren, die auf dem Marmorboden ausgelegt waren.

Unter den Models waren einige alte Hasen, wie Kate Moss und Naomi Campbell sowie Größen wie Christy Turlington und Farida Kelfa, die Trauzeugin von Nicolas Sarkozy und Carla Bruni.

Bella Hadid sah umwerfend aus in einem perlgrauen, halbdurchsichtigen Kleid, gefolgt von einigen jüngeren Models in eisigen mit Perlen verzierten Säulenkleidern. Alle Models wurden von Sam McKnight mit wundervollen, komplizierten Frisuren ausgestattet. Die wunderschönen baumelnden Glasperlen-Ohrringe wurden von Fendis Accessoires-Designerin Silvia Venturini Fendi entworfen.

Carra Delevingne sah in einem Matador-Ensemble angemessen launisch aus, und Delfina Delettrez, Urenkelin der Fendi-Gründer, überraschte fast auf dem Laufsteg, als sie aus einer Trockeneiswolke auftauchte.
 
Die Kollektion hatte die Noblesse, die man von Fendi gewohnt ist. Jones verwendete sogar einige kalligrafische Monogramme aus Lagerfelds letzter Kollektion, die mit Perlen an Stiefeln angebracht waren.

In Anlehnung an "Orlando", Wolfs Roman über einen zeitreisenden Helden, der über Nacht das Geschlecht wechselt, gab es sogar einen Kerl in einem komplett schwarzen, priesterlichen, edwardianischen Anzug zu sehen – den Duncan Grant des Defilées. Diesen Gender-Bending-Gedanken weiterführend erschien auch ein männliches Model in einem lindgrünen Seidenkleid mit Chinoiserie-Details.

Moss flanierte als Vita Sackville West der Show stolz in einem grauen, hochtaillierten Empire-Kleid, bevor sie am Ende in einer Gartenkiste stand, während Turlington in einem rosa Jacquard-Hosenanzug erschien. Naomi trug ein wunderschönes grau meliertes Seidenkleid, das an das marmorierte Papier erinnerte, das einst die Bücher von Bloomsbury einband. La Campbell stand am Ende auf einem Stapel von Koffern. Was genau diese Geste darstellen sollte, können wir nur mutmaßen.

Wolfs Orlando hat seit langem Einfluss in der Mode. Um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen: die Givenchy-Schau im vergangenen Januar und Rei Kawakubos Kostüme für die Inszenierung des Romans an der Wiener Oper.

"So unbedeutend sie auch erscheinen mag, Kleidung hat, so sagt man, wichtigere Aufgaben, als uns nur warm zu halten. Sie verändern unseren Blick auf die Welt und den Blick der Welt auf uns", wird Orlando in Jones' Programmheft zitiert.

Selbst angesichts einiger fabelhafter Looks kamen die Kollektion und die Show jedoch nie richtig in Schwung. Auch die zentrale Idee der Couture als das große Laboratorium der Mode kam nicht zum Tragen.

Alles in allem ein guter erster Versuch von Jones bei Fendi und nicht weit entfernt von dem hochtrabenden Rummel, der Orlando zu einem so enormen Erfolg und einem so beliebten Roman machte.

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