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Fendis orphische und poetische Couture-Vision

Veröffentlicht am
today 05.07.2018
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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Man hatte das Gefühl, dass die Couture-Saison im Zeichen von herumblödelnden Bloggern, nüchterner Schneiderkunst und konservativer Huldigungen an die Modehäuser stand, aber dann waren Karl Lagerfeld und Silvia Fendi an der Reihe, um das Mode-Publikum mit poetischer Couture zu begeistern.

Fendi - Herbst/Winter 2018 - Haute Couture - Paris - © PixelFormula


Genauer gesagt überschritten sie Grenzen mit dem Ziel, ein neues Modeparadigma für die berühmteste Pelzmarke der Welt zu schaffen und der Haute Couture wieder Poesie und Fantasie zu verleihen.

"Sie können es bestimmt nicht fassen, aber 80 % dieser Kleider waren nicht einmal aus Pelz", erklärte Karl Lagerfeld im Backstage-Bereich des Palais Brongniart, Frankreichs ehemaliger Börse.

Inspiriert von der Orphic Kubism-Kunstbewegung mit ihrer Obsession für geometrische Muster und strahlende Abstraktion, hatte die Kollektion eine wunderbare künstlerische Note – zum Beispiel die kreisförmigen Motive, die viele atemberaubende Mäntel zierten.
 
"Eigentlich ist dieses Stück aus Shearling", korrigierte Silvia Fendi höflich auf die Frage eines Redakteurs nach einem honigfarbenen Mantel, der mit den berühmten, vom tschechischen Maler František Kupka erdachten Kreismustern verziert war und aus Nerz zu sein schien, aber tatsächlich aus Lammfell gefertigt war.

Ein bemerkenswerter mehrfarbiger Mantel, der an Robert Delaunays vertikale abstrakte Architekturgemälde erinnerte, wirkte wie aus Shearling gefertigt, dabei war es aber tatsächlich Organza. Auch ein opulenter schwarzer Astrachan-Mantel mit breiter Schulter, entpuppte sich als Samt. Und ein abstrakter Bolero mit Fransenrock, wie aus einem Gemälde von Sonia Delaunay, mutete wie Leder an, war aber stattdessen ebenfalls aus Organza.
 
Zu Recht hieß die Kollektion Fendi Couture, im Gegensatz zu ihrem früheren Titel Fendi Fourrure, mit dem sich das Modehaus selbst einschränkte.

Das gesamte Casting schritt in Schuhkreationen über den Laufsteg, die sich zwischen Multimedia, Memphis und Kubismus bewegten – ausgestattet mit Absätzen aus Plexiglas, Ahorn und Horn.

Weit über die Technik der Schneiderkunst hinaus zeigte diese Kollektion eine Vision von perfekter Raffinesse, mit außergewöhnlichen Farben und energiegeladener Noblesse. Eine echte Erleichterung nach einer Saison voller entweder kühner und gewagter oder aber sehr nüchterner Kreationen.

Fendi - Herbst/Winter 2018 - Haute Couture - Paris - © PixelFormula


Der Begriff Orphismus wurde von dem großen französischen Dichter Guillaume Apollinaire erfunden, der jedoch von den literarischen Qualitäten des Programms der Schau, das Phrasen wie "Kaskaden des mongolischen Lammes" präsentierte, sicherlich nicht beeindruckt gewesen wäre. Ehm…

Die Show war auch ein brillantes Paris-Debüt für Fendis neuen CEO, Serge Brunschwig, der eine positive Stimmung verbreitete. Auch wenn seine beiden Vorgänger, Michael Burke und Pietro Beccari hinter den Kulissen zu Gast waren, um etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen.

"Absolut erhaben", findet LVMH-Chairman und Fendis Besitzer, Bernard Arnault, und umarmte damit Lagerfeld.

Auf die Frage nach einem kürzlich in der New York Times veröffentlichten Artikel, dass LVMH und seine Konkurrenten Kering und Richemont alle dabei seien, sich von den kleinsten Marken in ihrem Portfolio zu trennen, um sich auf größere Neuerwerbungen vorzubereiten, zuckte Bernard Arnault einfach mit den Schultern: "Wir haben nicht viel verkauft. Starke Marken sind wie großartige Gemälde, es ist schlauer, sie zu behalten."

"So wie Ihre Designer?", fragte ein Redakteur.

 "Genau wie großartige Designer", lachte Arnault.
 

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