Franco Penè (Onward Luxury Group): "Luxusmarkt wird von China und den Millennials getragen "

Der 65-jährige Manager Franco Penè steht seit 24 Jahren an der Spitze der Onward Luxury Group (OLG). Mit FashionNetwork.com spricht er kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand über seine Erfahrungen in dieser Zeit. Der italienisch-japanische Modekonzern, der ursprünglich Gibò hieß, umfasst die Marken Jil Sander, Moreau und Charlotte Olympia. Außerdem kümmert er sich direkt um die Produktion und den Vertrieb der Bekleidungs- und Schuhkollektionen zahlreicher Marken. Für die Zukunft stehen viele neue Projekte an.


Franco Penè - DR

FashionNetwork: Vor einem Jahr beförderten Sie Lucie und Luke Meier an die Spitze Ihrer Marke Jil Sander. Wie hat sich ihre Arbeit seither ausgewirkt?

Franco Pené: Die Rückmeldungen sind hervorragend! Seit der Ankunft der beiden Designer haben wir ein Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich verzeichnet. Das Geschäft zog sowohl im Groß- als auch im Einzelhandel an. Auch in Japan sind die Ergebnisse gut, hier hat Jil Sander 10 Stores. Wir überarbeiten einige davon und planen auch Neueröffnungen, vor allem in Tokio.

FNW: Nach dem Abgang von Raf Simons schien Ihnen der Relaunch der Marke bis zur Ankunft von Lucie und Luke Meier nicht so richtig gelingen zu wollen …

FP: Seit die Gründerin Jil Sander ihre Marke verkauft hat, ist es dem Label schwer gefallen, wieder zu sich zu finden. Ich habe das Gefühl, dass uns dies jetzt gelungen ist. Ursprünglich war Jil Sander eine Bekleidungsmarke, die Accessoires werden sich langsam entwickeln, längerfristig aber einen bedeutenden Anteil ausmachen.

FNW: Im Zuge der Ernennung der neuen Kreativdirektoren trat OLG in das Kapital von OAMC ein – eine von Luke Meier und Arnaud Faeh gegründete Marke. Warum?

FP: Wir glauben an das Talent von Luke und Lucie. Einerseits haben wir eine Minderheitsbeteiligung an OAMC und andererseits die Entwicklung der Kollektion in Lizenz übernommen. Wir sind überzeugt, dass die Förderung von OAMC für das globale Projekt sinnvoll ist. Mit Jil Sander sind Synergien möglich. Die Marke wurde bereits in Italien produziert. Das Paar war schon immer in Mailand stationiert, auch heute noch.

FNW: Die Übernahme der Prêt-à-Porter Männerkollektion von Rochas vom jetzigen Besitzer Interparfums soll auf dem Tisch liegen. Stimmt das?

FP: Wir sind noch im Verhandlungs- und Bewertungsstadium, und ohnehin würde ein solches Projekt sowieso nicht vor 2019 abgewickelt werden können. Zum heutigen Zeitpunkt wurde noch kein Kreativdirektor ernannt. Sollten wir die Männerkollektion tatsächlich übernehmen, wäre es im Rahmen eines Synergieprojekts mit der Damenlinie, deren Prêt-à-porter-Kollektion wir seit dem Relaunch nach Olivier Theyskens Rücktritt 2006 verwalten.

FNW: Sie haben vor Kurzem die Schuhmarke Charlotte Olympia übernommen. Was sind Ihre Pläne?

FP: Zunächst wollen wir die Marke in die Geschäftstätigkeit unseres Konzerns eingliedern, und ihr insbesondere unsere Showrooms zur Verfügung stellen. Ihre Büros werden in London bleiben. In den USA wurde das Unternehmen, das die Stores der Marke auf regionaler Ebene verwaltete, geschlossen. Es meldete Konkurs an, da der Einzelhandel in diesem Markt stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

FNW: Was ist ihr Businessmodell?

FP: Wir teilen unsere Arbeit zwischen der Lizenztätigkeit und unseren eigenen Marken auf. Joseph ist eine Ausnahme, da das Label direkt zu Onward gehört, und die Stores von unserem japanischen Mutterhaus geführt werden. Wir kümmern uns um die Taschen und Schuhe des Labels und beginnen bald auch mit der Bekleidung. Die Onward Luxury Group verfügt über ihre eigenen industriellen Strukturen und Design-Kapazitäten und verfügt über das erforderliche Know-how in den Sparten Bekleidung, Strickwaren, Taschen, Schuhe. Über 1500 Personen arbeiten für uns. Wir möchten an der aktuellen Wachstumsdynamik festhalten.

FNW: Welches sind Ihre eigenen Marken?

FP: Angefangen haben wir mit den Lizenzen, dann erstellten wir unser eigenes Markenportfolio mit Jil Sander und zur Ergänzung des Accessoires-Segments Charlotte Olympia und Moreau. Diese haben wir vor zehn Jahren übernommen, damals war sie quasi inexistent. Wir eröffneten einen Store in Paris, an der Rue du Faubourg Saint-Honoré, dann einen in London und schließlich ein Franchise-Geschäft in San Francisco. Die Produktion bleibt aber in Frankreich, da wir die französische Identität des Labels bewahren möchten. Die Marke wächst, doch wollen wir den Rhythmus nicht zu stark forcieren.

FNW: Wie sieht es mit den Lizenzen aus?

FP: Im Bereich Schuhe haben wir die Lizenzen von Rochas, Mulberry, OAMC, See by Chloé, Nina Ricci und Proenza Schouler. Bei der Bekleidung sind es Rochas, Mulberry, OAMC und Michael Kors. Letztere ist eine Lizenz historischer Bedeutung für uns, doch ab 2019 überblicken wir nur noch die Produktion, da der Konzern den Vertrieb selbst übernehmen wird. Mit der Herbst-/Wintersaison 2018/2019 läuft übrigens auch die Stefano Berardi-Lizenz aus, die Marke hat sich entschieden, die Verwaltung intern abzuwickeln.

FNW: Wie gedenken Sie, diesen Verlust auszugleichen?

FP: In Kürze werden wir ein neues Projekt ankünden. Wir setzen auf Newcomer und neue Namen. Das war schon immer eine besondere Eigenschaft unseres Unternehmens. Doch mehr kann ich Ihnen an dieser Stelle nicht verraten.

FNW: Wie sehen Sie den heutigen Luxusmarkt?

FP: Aus Sicht der Produktion bleibt Italien die Referenz. Bei den anderen Aspekten ist der Markt sehr uneinheitlich. Einige Marken erzielen Rekordgewinne, andere sind in Schwierigkeiten geraten. Wir sind in einem interdependenten System mit Bereichen mit starkem Wachstum und anderen, die stagnieren. Der Westen ist weiter problematisch und kommt nur mit Hilfe der Touristen weiter. Je weiter wir dann nach Osten und in Richtung Orient gehen, je besser steht es um den Markt.

FNW: Was ist der Schlüssel zum Erfolg?

FP: Um im heutigen Markt Erfolg zu haben, muss man zwei Zielgruppen erreichen können: die asiatische Front, und insbesondere China – der Markt mit dem stärksten Wachstumspotenzial – und die Millennial-Generation. Diese beiden Gruppen tragen den modernen Luxusmarkt. Wer diesen zwei Trends nicht folgen kann, wird in Zukunft zwangsläufig leidtragend sein. Daher auch der verstärkte Einfluss der Streetwear im Luxus, um jüngere Kunden anzusprechen.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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