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Givenchys Premiere vor dem Obersten Gericht

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 01.10.2017
Lesedauer
access_time 2 Minuten
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In einer Saison voller Premieren wurde dieses Debüt besonders sehnlichst erwartet: Die Rede ist von Clare Waight Kellers ersten Kollektion für Givenchy, also dem ersten Auftritt einer renommierten Designerin für eines der traditionsreichsten Modehäuser Frankreichs.
 

Givenchy - Frühjahr/Sommer 2018 - Photo: PixelFormula


Nicht ohne Ironie präsentierte Clare Waight Keller ihre erste Show vor der strengsten Jury der Welt: Einer ganzen Armee an Modekritikern – im Pariser Palais de Justice.  Und offen gesagt – das Urteil steht noch aus.
 
Die Show bot zahlreiche gewinnende Looks in dieser Show, von den bezaubernden aufgebauschten ärmellosen Tops über ein paar hinreißende Cocktailkleider aus schwarzer Seide bis hin zu atemberaubenden spitzenbesetzen Chiffonkleidern in Schwarz und Weiß. Auch die Neuinterpretation Waight Kellers von großen Givenchy-Klassikern – insbesondere die Bettina-Bluse – waren eindeutig bewundernswert. Außerdem bot sie einige reizvolle Kilts mit Plissé-Einsätzen, die sehr verführerisch wirkten. Clare Waight Keller präsentierte weiter ein paar sehr elegante Stiefelchen, die einen reißenden Absatz finden dürften.

Alle Indikatoren deuteten auf einen durchschlagenden Erfolg: Givenchy sandte die schönsten Einladungen der Woche aus, der Veranstaltungsort im riesigen Vorhof des Gerichtsgebäudes, 1000 geladene Gäste, und zahlreiche Sternchen in der ersten Reihe, darunter Cate Blanchett, Julianne Moore, Rooney Mara und Rocksängerin Fergie. Doch schlussendlich fehlte der Show das gewisse Etwas. Just zu dem Zeitpunkt, als die Show an Intensität gewann, schickte die Kreativdesignerin ein Dutzend Menswear-Looks auf den Catwalk und präsentierte somit ein zweites Debüt. Unter den Outfits befanden sich einige brilliant geschnittene Herrenanzüge und Blazer, doch wirkte der Rock-Einschlag etwas zu brav.
 
Alles in allem blieb die Stimmung jedoch gedämpft und viele Redaktoren aus den französischen Reihen wunderten sich beim Verlassen der Show leise über die Ähnlichkeiten mit Saint Laurent und sogar mit Waight Kellers ehemaligem Label Chloé.
 
Waight Keller arbeitete von 2011 bis 2017 für Chloé, zuvor war sie zeitweise für Pringle of Scotland und Gucci tätig. Im Frühjahr wechselte sie zu Givenchy. Ihr Einsatz für Chloé war ein unbestrittener Erfolg, sie führte das Modehaus ins Rampenlicht. Man könnte ihr vorwerfen, keine Revolution angestoßen zu haben, doch brachte sie das Label erfolgreich in eine neue Kategorie. Ihr Markenzeichen – leichte, feminine Kleidung in Kombination mit schweren Stiefeln und oft mit einem Hauch Cowgirl-Flair, war irgendwie typisch französisch und sehr verspielt.
 
Dass die Kreativdirektorin auch bei Givenchy erfolgreich sein wird, bezweifelt niemand so richtig. Die gezeigte Show war jedoch ein Paradebeispiel für einen Kreativdesigner, der mit den Codes eines neuen Modehauses hadert. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass viele Designer vor ihr bei diesem Label Anfangsschwierigkeiten hatten. Dazu zählen Modelegenden wie John Galliano und Alexander McQueen, die beide eine kurze Zeit lang Kreativdirektoren von Givenchy waren. Clare Waight Keller hat somit mehr als genug Zeit, ihren Platz zu finden. Die heutige Show war nur der Anfang.
 

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