Großbritannien: Leichter Aufwind

Im Rahmen der Veröffentlichung der Geschäftszahlen von Next am 12. September zeigte sich dessen Generaldirektor Lord Wolfson vorsichtig optimistisch: „Wir sind an einem Schlüsselmoment angekommen, wo die Zeit der Kreditklemme hinter uns liegt und wir langsam den Beginn eines Aufwärtstrends spüren.“

Oxford Street in London (Foto: AFP)

Ähnlich äußern sich auch andere Firmenchefs der Branche. Das für das Königreich außergewöhnlich warme Wetter im Juli und August hat den Verkauf von Sommerbekleidung stark begünstigt: Die Verkaufszahlen im Juli sind laut dem British Retail Consortium (BRC) um 3,9 Prozent im Vorjahresvergleich gestiegen (um 2,2 Prozent von Neuakquisen bereinigt). Im August ging es mit einem Wachstum von 3,6 Prozent (bereinigt: 1,8 Prozent) positiv weiter.

Der Bekleidungssektor steht dank seiner guten Leistungen an erster Stelle der Verkaufsstatistiken im Non-Food-Bereich. Er hat auch die Online-Käufe gerettet, die im Juni und Juli im Vereinigten Königreich so schwach gewachsen sind wie seit Januar 2010 nicht mehr. Abgesehen vom Wetter erklären die Experten die guten Verkaufszahlen auch durch positive Ereignisse wie Geburt des Royal Babys und die sportlichen Erfolge der Briten in Wimbledon und bei der Tour de France. Die wiederentdeckte Shoppinglust hängt außerdem mit einer starken Preissenkung in der Branche zusammen: Innerhalb eines Jahres wurden Bekleidung und Schuhe um 9,7 Prozent günstiger. Das stellt den drastischsten Preisverfall dar, den Nielsen Shop Price seit seiner Gründung im Dezember 2006 verzeichnet hat.

Die Experten bleiben jedoch vorsichtig, was die langfristige Entwicklung des Aufwärtstrends angeht: „Die Händler werden jetzt versuchen, den Restbestand der Sommerkollektionen zu verkaufen und hoffen, dass der Herbst nicht zu mild wird. Denn das könnte den Verkauf der jetzt schon ausliegenden Herbst- und Winterware bremsen“, erklärt Clive Black, Analyst für Shore Capital.

Ein positives Zeichen: Die britische Zentralbank hat kürzlich Wachstumsprognosen von 0,7 Prozent für das dritte Quartal ausgesprochen. In früheren Einschätzungen sagte sie 0,5 Prozent voraus, der jetzt höhere Wert ist auf das verbesserte Kaufverhalten der Haushalte zurückzuführen. Die Finanzdirektoren der größten britischen Vertriebsgruppen rechnen außerdem mit einem Wachstum der Branche innerhalb der nächsten zwölf Monate: Laut einer von der englischen Bank RBS und dem Beratungsbüro BDO durchgeführten Studie, erwarten 4 von 5 befragten Finanzdirektoren ein gutes Wachstum. „Wenn die guten makro-ökonomischen Indikatoren bis in den Herbst anhalten, kann sich die Branche zweifellos auf ein gutes Weihnachtsgeschäft freuen“, so schätzt es Clive Black ein.

In der Zwischenzeit hat die Branche weiterhin an den Folgen der Krise zu knabbern: Nach einer im August vom Forschungsbüro Conlumino veröffentlichten Studie hat die seit 2007 steigende Arbeitslosenrate den Bereich Businesswear in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 706 Mio. Pfund (825 Mio. Euro) gekostet.

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