Größerer Besucherschwund bei der Who’s Next

Wie kann das Ruder herumgerissen werden? Diese Frage drängt sich nach der letzten Ausgabe der Who’s Next angesichts des markanten Besucherrückgangs auf. Die Pariser Messe zog vom 4.-7. Juli insgesamt 18 Prozent weniger Fachbesucher aus Frankreich an. Die französischen Besucher machten 62 Prozent der Gesamteintritte aus, die sich dieses Jahr auf 22 730 beliefen – Im Juli 2013 waren es noch 27 872.

Auch die internationalen Besucher blieben der Veranstaltung vermehrt fern: Mit 14 080 Eintritten wurden 15 Prozent weniger Besucher registriert als im Vorjahr. Zufriedenstellend ist für die Veranstalter jedoch das deutlich steigende Interesse aus dem asiatischen Raum: mit 2554 Eintritten waren so viele Asiaten wie noch nie an einer Sommerausgabe.

Der Bereich „Fame“ im Juli 2014. Bild: Who’s Next.

Die schlechten Gesamtergebnisse bestätigen jedoch die negative Tendenz der Sommerausgabe seit dem Zusammenschluss der Prêt-à-Porter Paris mit der Who’s Next. Auch die vom September auf den Juli vorverlegten Daten haben sicherlich zur aktuellen Situation beigetragen. Im Juli 2012 verzeichnete die Who’s Next insgesamt 47 067 Eintritte, im Juli 2014 noch 36 810. Die Aussteller spüren diesen deutlichen Besucherschwund natürlich und einige machen sich Gedanken, nicht nur über den vorherrschenden wirtschaftlichen Rahmen, sondern auch über die allgemeine Ausrichtung der Messe und ihren Platz im Kalender. Einer der Mitbegründer der Who’s Next, Xavier Clergerie, gibt zu, dass diese Zahlen beunruhigend sind und dass sie ihn beschäftigen.

Die Vorverlegung des Veranstaltungsdatums im Juli 2012 geschah ohne den Rückhalt einiger französischer Einzelhändler, die sich am zeitlichen Zusammentreffen mit dem Sommerschlussverkauf störten. Die Who’s Next entschied sich trotzdem für diesen Schritt, um internationaler zu werden. Leider zeigt die Bilanz zwei Jahre später, dass der erhoffte Zuwachs bei den ausländischen Besuchern nicht eingetreten ist (17 000 Besucher im Sommer 2012 gegen 14 080 im Sommer 2014). Der Rückgang der französischen Messebesucher konnte somit nicht wettgemacht werden. Natürlich leiden alle europäischen Messen an der schwierigen Konjunktur, die Auswirkungen sind jedoch je nach Zielmarkt und Ausrichtung unterschiedlich ausgeprägt.

Auf Ebene der Who’s Next entwickeln sich die Sommer- und Winterausgaben unterschiedlich. Obwohl die Januarmesse im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls rückläufige Besucherzahlen (-11 Prozent) verzeichnete, ist der Rückgang hier weniger stark ausgeprägt als im Sommer. Deshalb beschäftigt die Veranstaltung im Juli die ausstellenden Marken besonders. Einige Labels haben ihr Verlangen nach einer Änderung geäußert, und hoffen auf eine neue Dynamik.

Ist deshalb mit einem anderen Veranstaltungsort oder einer strukturellen Änderung zu rechnen, analog zur Bread & Butter, die mit einer baldigen Rückkehr nach Barcelona auf höhere Besucherzahlen hofft? Oder soll ein neues Modell zum Zug kommen, das besser auf die Anliegen der verschiedenen Branchen angepasst ist, als die allgemeine Ausrichtung?

Denn in der letzten Ausgabe schnitt die Halle mit dem Luxusangebot der Fame und der Première Classe beispielsweise besser ab als die anderen. Vielleicht gelingt es diesem Bereich besser, die ausländischen Kunden, die sich für diese Produkte interessieren, in Paris anzuziehen.

Xavier Clergerie kommt zum selben Schluss: „Die kreativen Bereiche haben besser funktioniert“, betont er. Die Besucher seien entschlossener gewesen bei ihren Einkäufen.

Die Hallen „Who‘s Next Ready-to-Wear“ und „Who’s Next Accessories“, die eher das Mittelfeld vertreten, wurden am stärksten mit dem Besucherrückgang konfrontiert.

Die Accessoires haben sich für diese Ausgabe neu in der Halle 5 beim Eingang des Messegeländes einquartiert. Dieser Bereich wird in einem neuen Messekonzept von WSN Développement aufgenommen, als „zusätzliche“ Messe. Unter dem Namen „Maro & Go“ findet diese vom 14.-16. September statt, am selben Ort wie die Muttermesse, d.h. an der Porte de Versailles in Paris. Gemäß Pressemitteilung der Who’s Next soll sie den Ausstellern die Möglichkeit geben, ihre Verkaufsziele später in der Saison zu bestätigen.

Ist darin ein Anzeichen für eine Zersplitterung in mehrere kleine Messen zu sehen? Oder handelt es sich um eine Entscheidung, die auf Einzelfallbasis gefällt wird und sich eher an die Aussteller im Accessoires-Bereich richtet als an die Ready-to-wear-Sparte? Dieser Ansatz scheint wahrscheinlicher.

Xavier Clergerie will aber keine überstürzten Entscheidungen fällen. Er wird eine Umfrage durchführen, um die optimale Strategie für die Zukunft zu ermitteln.

Der nächsten Ausgabe der Who’s Next, die vom 23.-26. Januar 2015 stattfindet, kommt eine besondere Bedeutung zu: Sie kennzeichnet das 20. Jubiläum der Messe. In diesem schwierigen Umfeld wird ihr deshalb auch in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung viel Beachtung zukommen.

Anaïs Lerévérend (mit Jean-Paul Leroy)

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