Gucci-Mutter Kering: Einigung in Sicht im Steuerstreit mit Italien

Zur Beilegung des Steuerstreits in Italien um die von der Konzerntochter Gucci in der Schweiz versteuerten Einnahmen könnte Kering einen Deal in Höhe von EUR 1,3 bis 1,4 Milliarden annehmen, wie drei Quellen am Donnerstag bestätigten.


Kering


Die Einigung zwischen dem Konzern und den italienischen Steuerbehörden könnte bereits Anfang Mai unterzeichnet werden, so eine direkt mit dem Fall betraute Quelle.

Es handelt sich um die größte Vergleichsvereinbarung, die die italienischen Steuerbehörden je mit einem Unternehmen ausgehandelt haben.

Per E-Mail versandte Kering eine Mitteilung, wonach die Gespräche mit dem italienischen Fiskus im Gange seien. Die Treffen finden dem Unternehmen zufolge in "einem offenen und kollaborativen Umfeld" statt. "Zum jetzigen Zeitpunkt wurde keine Einigung zu einem spezifischen Betrag erzielt", so das Unternehmen weiter. Die Steuerbehörde war für einen Kommentar nicht erreichbar.

Zu Beginn des Jahres beliefen sich die Forderungen der italienischen Steuerbehörden laut Kering auf EUR 1,4 Milliarden für nicht entrichtete Steuern. Das Unternehmen war jedoch mit der Höhe der beanstandeten Steuerschuld nicht einverstanden.

Der Konzern wies jegliche Anschuldigung der Steuerhinterziehung konsequent zurück, Gucci sei in seiner Geschäftstätigkeit allen steuerlichen Verpflichtungen vollumfänglich nachgekommen.

Die in der Schweiz niedergelassene Konzernfiliale Luxury Goods International (LGI) geriet ins Visier der italienischen Behörden, da vermutet wurde, dass in anderen Ländern erzielte Einkommen über diese Filiale deklariert und auch in der Schweiz versteuert wurden.

Die wichtigsten Anschuldigungen betreffen Gucci, die Büros des Modehauses in Mailand und Florenz wurden deshalb Ende 2017 von der italienischen Polizei durchsucht.

Im November schloss die mailändische Staatsanwaltschaft ihre Untersuchung zur mutmasslichen Hinterziehung von Steuern in Höhe von über EUR 1 Milliarde in den Jahren 2010 bis 2016 ab. Die Behörde kam zum Schluss, dass die über LGI deklarierten Einkommen in Italien und nicht in der Schweiz hätten versteuert werden sollen.

Willigt Kering nun in einen Vergleich ein, kann das Unternehmen die Zahlung der Zinsen und Strafen für Zahlungsverzug umgehen. Diese könnten sich einer Quelle zufolge auf rund EUR 500 Millionen belaufen.

Gegen Gucci-CEO Marco Bizzarri und seinen Vorgänger Patrizio Di Marco wird in dieser Sache ermittelt.

Es wird erwartet, dass die Untersuchung nach Beilegung des Steuerstreits mit dem Unternehmen zu einem gesonderten Vergleich führen wird. Die Anwälte von Marco Bizzarri und Patrizio Di Marco waren für eine Stellungnahme jedoch nicht erreichbar.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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