H&M startet in Hamburg Pilotprojekt für nachhaltige Mode

Der schwedische Bekleidungsriese H&M hat sich bis 2030 das sehr ehrgeizige Ziel gesetzt, nur noch rezyklierte oder nachhaltige Materialien zu verwenden. Nun versucht das Unternehmen, auch seine Kunden zu mehr Nachhaltigkeit zu animieren. In seinem Store in der Spitalerstraße in Hamburg startet H&M das Pilotprojekt "Take Care".


Nähkits und Aufnäher gleich am Eingang - FashionNetwork

Das Konzept kombiniert den Verkauf von Pflegeprodukten, Flick-Ateliers im Store und Online-Tipps. Damit sollen Kunden dazu animiert werden, die Lebensdauer ihrer Kleidungsstücke zu verlängern, indem ihnen die Schlüssel für einen schonenderen Umgang mit den Modeartikeln an die Hand gegeben werden.

Der erste nachhaltige Pop-up des "Take Care"-Konzepts wurde am 12. April im H&M-Store an der Hamburger Spitalerstraße eröffnet. Mit kostenlosen Workshops unter der Leitung von Influencern bietet H&M verschiedene Lösungen für das Reparieren von Kleidungsstücken, so unter anderem einen Stickerei-Workshop. Weiter können Kleidungsstücke aller Marken direkt vor Ort von Schneider- und Nähprofis geflickt werden. Über die H&M-App, aber auch über die in den Stores zur Verfügung gestellten iPads werden in Form witziger Videos Tipps präsentiert, um wirksam Lippenstiftspuren von Kleidern zu entfernen oder Knöpfe wieder anzunähen.


H&M erweitert sein Angebot um eine Stoffpflegelinie - FashionNetwork

Darüber hinaus führt H&M seine erste Waschmittellinie ein mit einem speziellen Fleckspray, der das Label "Good Environmental Choice" trägt. Weiter gibt es Pflegetücher für Sneaker und Näh-Kits sowie Aufnäher für löchrige oder durchgetragene Stellen. Ein Wäschesack soll verhindern, dass mikroskopisch kleine Plastikteilchen von synthetischen Stoffen ins Wasser geraten.

Das Projekt wird zunächst nur in Hamburg umgesetzt. "Es handelt sich um einen Test, doch mittelfristig wollen wir das Konzept im ganzen Ladennetzwerk entwickeln und es entsprechend den Rückmeldungen der Kunden anpassen", erklärt Cecilia Brännsten, verantwortlich für nachhaltige Entwicklung bei H&M. "Für uns ist dies auch eine Möglichkeit, unser Angebot zu diversifizieren, und Personen in die Läden zu holen, die speziell für das Customizing ihrer Kleider oder für Reparaturarbeiten herkommen".


H&M-Schaufenster zum Thema Nachhaltigkeit - FashionNetwork

Für H&M fiel die Wahl auf Deutschland, da es sich "um den größten Markt der Marke handelt", so Yola Kiwoka, Nachhaltigkeitsverantwortliche für H&M Deutschland. "Zudem verfügen die deutschen Kunden über ein sehr starkes Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung", ergänzt sie.

Durch die Einführung im absatzstärksten Markt des Unternehmens erhält das Konzept eine größere Sichtbarkeit. Mit EUR 3,58 Milliarden Umsatz im Jahr 2017 (-1 Prozent bzw. -3 Prozent in lokalen Währungen) liegt Deutschland noch vor den USA, Großbritannien und Frankreich.

Dabei erwirtschaftete H&M in Deutschland im vergangenen Jahr erstmals seit 2011 einen rückläufigen Umsatz. Das Ladennetzwerk wurde um 4 Stores auf 463 Verkaufsstellen erweitert. Im Oktober 2017 wurde der erste Store der neuen Tochtermarke Arket in München eröffnet. Das seit 1980 in Deutschland aktive schwedische Unternehmen beschäftigt fast 20.000 Personen im ganzen Land. Im ersten Quartal 2018 ergab sich mit einem Umsatz von EUR 782,6 Millionen im Vergleich zur Vorjahresperiode erneut ein Rückgang um 3 Prozent (6 Prozent in lokalen Währungen).

Global sank der Gewinn in den 4743 Geschäften weltweit im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent, obwohl der Umsatz um 4 Prozent auf EUR 23,7 Milliarden anstieg. Angesichts des tiefgreifenden Wandels in der Einzelhandelsbranche will sich der Konzern im kommenden Jahr auf die Beschleunigung im Online-Handel (Verkauf über Tmall seit Anfang 2018, neue Onlineshops in Planung) und die Diversifizierung des Portfolios durch die Gründung neuer Marken (Afound, Nyden) konzentrieren, um das Wachstum wieder anzukurbeln. Dieses kam auch im ersten Quartal 2018 ins Wanken: Der Umsatz sank konzernweit um 1,5 Prozent, der Reingewinn um 44 Prozent.

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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