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Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
07.03.2021
Lesedauer
3 Minuten
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Hermès Live: Eine Kollektion, zwei Choreographinnen, drei Städte

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
07.03.2021

Hermès präsentierte eine gekonnte Mischung aus Technologie, Choreografie und Mode – und das spektakulärste und sicherste Live-Event in einer ansonsten fast vollständig virtuellen Pariser Modewoche.


Hermès - Herbst/Winter 2021-22 - Womenswear - Paris - Photo: Hermès/Filippo Fior



Gerade einmal 20 Gäste – die Pariser Tageszeitungen, eine Handvoll professioneller Kritiker, ein paar hochrangige Führungskräfte und einige intellektuelle Influencer – saßen alle sozial distanziert am Samstagmittag in einem maßgefertigten Zelt auf dem Gelände der Garde Républicaine.
 
Die Models liefen durch eine perfekt durchdachte Kulisse aus orangefarbenen Hermès-Hutschachteln, die aus Holz statt aus Pappe gefertigt und zu wellenförmigen Wände und architektonischen Säulen aufgestapelt wurden.

Diese Herbst/Winter-Kollektion war mit Sicherheit die bisher härteste von Nadège Vanhée-Cybulski, der Womenswear-Kreativdirektorin des Hauses, und möglicherweise auch ihre beste. Hermès, ein 1837 gegründetes Sattlerunternehmen, hat einen bemerkenswerten Werdegang hinter sich und steht heute an der Spitze aller internationalen Prestigemarken. Als perfekte Verkörperung französischer Luxus-Handwerkskunst verfügt die Marke über die Mystik, nach der alle anderen Marken streben.
 
In fast zwei Jahrhunderten hat Hermès diese bemerkenswerte Leistung vollbracht, indem es Produkte mit exquisiter Handwerkskunst hergestellt hat, die sich auf sehr subtile Weise entwickeln, um ihre Zeit zu reflektieren. In den Augen vieler Ausländer mag die französische Kultur sehr konformistisch erscheinen, aber nicht bei Hermès. Diese Kleidung und diese Modenschau waren ein hervorragendes Beispiel dafür.
 
Diese begann mit einem "Prolog", einer direkten Verbindung zur Armory Show in New York, die auf einzelnen Monitoren zu sehen war – eine erhabene Tanzperformance und die freie Interpretation von Bewegungen durch die Choreografin Madeline Hollander, die aus Vanhée-Cybulskis Kollektion entlehnt wurden.
 
Die Tänzerinnen und Tänzer waren in tabakfarbene Kaschmirstrickwaren, halblange Röcke und Stiefel gekleidet und drehten sich in Ensembles unter orangefarbenen, hoch hängenden Hermès-Vorhängen in einer Reihe von befreiend schönen Tanzschritten. Kreisförmige und geometrische Bewegungen, die an das Muster eines Hermès-Schals erinnern. Zwei Tage vor dem Internationalen Frauentag schienen sie im Tanz die Hoffnungen von Milliarden Frauen auf ein besonderes und einzigartiges Leben auszudrücken.

Hermès - Herbst/Winter 2021-22 - Womenswear - Paris


Der nächste Schritt war die Live-Modenschau in Paris, bei der Nadège Vanhée-Cybulski die eigentliche Kollektion vorstellte, die sich sehr auf das konzentriert, was die Franzosen "flou" nennen, also das Schneiden und Drapieren von weichen Stoffen.

Die Kollektion bestand aus gepunkteten Seidenkleidern, die unter gesteppten Wildleder-Reitwesten getragen wurden, zarten, wadenlangen Kreppwickelröcken und einem wundervoll wogenden, in der Taille elastischen, orangefarbenen Seidenkleid, das von einer rothaarigen Schönheit präsentiert wurde.
 
Die Designerin spielte zudem brillant mit Lammfell, mit Tuniken und Cocktailkleidern, die für einen strengen Chic mit Hosenträgerriemen versehen wurden. Darüber hinaus gab es eine Reihe von Denim-Hosenanzügen und Mantelkleidern, die mit femininen Lederstiefeln kombiniert wurden, und einige sehr feine Schachbrettmuster, die in geschwungenen Jacken, die mit Radlerhosen getragen wurden, und in engen Tank-Tops zu sehen waren.
 
"Etwas, das man tragen kann, um der Gegenwart furchtlos gegenüberzutreten", erklärte NVC, wie sie von vielen genannt wird.
 
Das Ganze endete mit einem zweiten Tanz in Shanghai, bei dem sich die Choreografin Gu Jiani von dem Moodboard und den Skizzen der Designerin inspirieren ließ, ebenso wie von ihrem Vorschlag, einen Tanz zu kreieren, der an chinesische Traditionen anknüpft.
 
Ausgehend von der Omnipräsenz von Kisten in China baute ein halbes Dutzend Darsteller in Vanhée-Cybulskis karierten Oberteilen und Lederhosen Blöcke und Gänge mit Kisten im typischen Orange des Hauses.


Hermès - Herbst/Winter 2021-22 - Womenswear - Paris - Photo: Hermès/Filippo Fior


"Als ich die Arbeit dieser beiden jungen Frauen – Madeline Hollander und Gu Jiani – kennenlernte, schien es ein Selbstläufer zu sein. Ich habe mich tatsächlich verliebt, denn jede hat ihre eigene Art, weibliche Stärke auszudrücken. Da war etwas Erhabenes in ihrer Herangehensweise an den Tanz", erklärt die Designerin.

Was diese Choreographien, aber auch diese Kollektion gut auf den Punkt bringt. Multifunktionale Kleidung für Nachtleben, Arbeit und Freizeit. Klassisch, aber mit gerade genug Neuem, um Hermès-Kreationen aktuell und das Haus unbestritten an der Spitze zu halten.

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