Hugo Boss baut Online-Geschäft weiter aus – Aktie fällt nach Ausblick

Der Modekonzern Hugo Boss erwartet für das laufende Jahr weiteres Wachstum. Umsatz und Gewinn sollen zulegen, das Ergebnis soll dabei stärker steigen als der Umsatz. Beitragen soll dazu der Onlinehandel sowie ein überproportionales Wachstum in der Region Asien/Pazifik. An der Börse kam der Ausblick zunächst nicht gut an. Die Aktie verlor am späten Mittag 2,4 Prozent.


Vor allem den Internethandel will Hugo Boss weiter ausbauen. Im eigenen Online-Shop soll künftig auch in Irland und in Skandinavien bestellt werden können, kündigte Firmenchef Mark Langer am Donnerstag in einer Telefonkonferenz anlässlich der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr an. Außerdem will er die Zusammenarbeit mit Online-Plattformen ausbauen. Mit welchen Partnern er künftig zusammenarbeiten will, ließ Langer offen. Er ließ lediglich durchblicken, dass die neuen Vereinbarungen in Asien und Europa getroffen werden sollen.

Hugo Boss bietet seine Kleidung bereits über das Mode-Portal Zalando an. In China arbeitet das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Metzingen mit Alibaba und Tmall zusammen. Bislang macht das Online-Geschäft nur knapp zehn Prozent der Erlöse aus – auch wenn Hugo Boss im vergangenen Jahr beachtliche Wachstumsraten vorweisen konnte. Mit dem eigenen Online-Shop machte der Konzern 2018 mehr als 100 Millionen Euro Umsatz – währungsbereinigt ein Plus von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über den Großhandel könne man noch einmal 120 bis 130 Millionen Euro hinzurechnen, sagte Langer. Das lasse sich aber nur schätzen, weil einige Großhändler sowohl online als auch stationär verkauften.

Insgesamt verbuchte Hugo Boss im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von zwei Prozent auf knapp 2,8 Milliarden Euro – um Währungseffekte bereinigt lag das Plus bei vier Prozent. Der heiße Sommer hatte Hugo Boss – wie anderen Modekonzernen auch – im vergangenen Jahr das Geschäft verdorben. Dank des starken Weihnachtsgeschäfts erreichte der Konzern aber seine eigenen Ziele. Unterm Strich blieben 236 Millionen Euro – was ebenfalls einem Plus von zwei Prozent entsprach. Zwar hatten die Sparmaßnahmen von Boss gegriffen, dem gegenüber standen allerdings Investitionen in die eigenen Läden und die IT.

Firmenchef Langer war 2016 angetreten, um den Modekonzern wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Er hatte die teure Ladenexpansion gestoppt und sich von unprofitablen Standorten getrennt. Bei den Investitionen in die eigenen Filialen liege der Schwerpunkt nun auf der Renovierung, nicht auf der Neueröffnung, so Langer. Zuletzt hatte das Unternehmen noch 442 Läden weltweit. Gut zwei Drittel seiner Umsätze macht Hugo Boss über die eigenständigen Filialen, Läden auf Verkaufsflächen von Handelspartnern und den eigenen Online-Shop.

Dabei setzt Hugo Boss auch mehr und mehr auf Digitalisierung – auch in den Geschäften werden digitale Services wie die Bestellung fehlender Größen nach Hause angeboten. Die Produktentwicklung der Marke Hugo beispielsweise laufe inzwischen komplett digital ab, sagte Langer. Außerdem nutze der Vertrieb mehr und mehr digitale Showrooms.

Neben dem Online-Geschäft soll vor allem der chinesische Markt in diesem Jahr zum Wachstum beitragen. Der Modekonzern hofft erneut, seine Erlöse im mittleren einstelligen Prozentbereich steigern zu können. Beim operativen Ergebnis will Hugo Boss stärker zulegen als beim Umsatz: Hier geht das Management von einem hohen einstelligen Wachstum aus – nach einem Plus von lediglich 2 Prozent auf 347 Millionen Euro im Vorjahr. Dabei will Hugo Boss auch weniger Rabatte geben.

Investoren hielten sich zurück. Analystin Melanie Flouquet von JPMorgan kritisierte, der Ergebnisausblick liege im Gegensatz zur Umsatzprognose unter ihren Erwartungen. Sie vermutet höhere Betriebsausgaben als Grund dafür. Analyst Fred Speirs von der Großbank UBS wies darauf hin, dass der Anstieg der Lagerbestände des Modekonzerns zwar nachlasse, doch auch im vierten Quartal erneut prozentual zweistellig gewachsen sei.

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