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Fabeau
Veröffentlicht am
20.06.2016
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3 Minuten
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Immer noch Krisenstimmung für Russlands Modehandel

Von
Fabeau
Veröffentlicht am
20.06.2016



Zara muss sich für Russland gegebenenfalls eine neue Strategie einfallen lassen, denn die Kette ist für die Mittelschicht fast zu teuer


Louis Vuitton Boutique in St. Petersburg: Der Luxusmarkt in Russland stabilisiert sich., profitieren werden aber nur die großen gewichtigen Player des Genres
Internationale Verwerfungen und Einfuhrsanktionen, ein schwacher Rubel, niedrige Ölpreise und fehlende Investitionsbereitschaft im eigenen Land machten es dem russischen Handel zuletzt überaus schwer. Im letzten Jahr schrumpfte die russische Wirtschaft um über 3,7%. Die Realeinkommen sanken deutlich, das Geld reichte bei vielen gerade noch, um das Lebensnotwendigste zu kaufen. Die Russen, die es sich leisten können, weiter im Luxussegment zu shoppen, kauften lieber im Ausland. Viele Marken und Modeketten wie Esprit, New Look, American Eagle Outfitters oder River Island zogen sich angesichts der Krise aus dem früher so verheißungsvollen Markt zurück.
Doch das Blatt wandelt sich: Viele Luxusmarken, darunter Fendi, Bulgari oder auch Louis Vuitton, wollen neue Stores in den russischen Metropolen eröffnen. Die Branche sieht Anzeichen der Besserung und große Hoffnungen darauf, dass die Sanktionen zumindest teilweise zurückgenommen werden. Das ließ sich auch an den Besucherzahlen der kürzlich zu Ende gegangenen Pitti Uomo ablesen, wo die Zahl der russischen Einkäufer um 10% über dem Vorjahr lag.


Entwicklung des russischen Bekleidungsmarktes nach Preissegmenten (in Marktanteilen)

Mittleres Preissegment schrumpft

Es zeigt sich, dass während sich der Luxusmarkt langsam wieder stabilisiert, und wie bisher für rund 10% des russischen Mode-Marktvolumens steht. Dagegen gibt es dramatische Verschiebungen im mittleren und niedrigen Preissegment. Die Fashion Consulting Group Russia prognostizierte auf dem Russian Fashion Retail Forum im März, dass das modische Mittelpreissegment um etwa die Hälfte, im günstigen Fall um ein Drittel, schrumpfen wird und letztlich nur noch für 20-25% des gesamten Bekleidungsmarktes stehen wird. Die Mittelschicht wird zwar weiter versuchen bekannte internationale Marken zu kaufen, aber verstärkt auf Reduzierungen warten und günstigere Kanäle wie Offprice-Outlets oder Vintage Sales nutzen. Dagegen erlebt das Billigsegment einen deutlichen Anstieg, von etwas mehr als 50% auf aktuell 65-70%. No-Name-Produkte sind gefragt wie nie. Internationale Fashion-Discounter wie Primark oder Kiabi könnten in Russland nun ihre große Chance haben.

Textilproduktion in Russland zieht an

Während der Absatz von Bekleidung in Russland stetig sinkt, zeigt sich die russische Textilbranche aber recht aktiv. Infolge der Rubelabwertung ist es - wenn man allein die monatlichen Lohnkosten einer Näherin betrachtet - momentan günstiger in Russland zu produzieren als in China. Einige internationale Markenhersteller haben auf diese Entwicklung bereits reagiert und die Produktion an russische Lieferanten vergeben, darunter bspw. Marken wie Sportmaster, die Melon Fashion Group (Love Republic) oder Finn Flare. So gab es im erste Quartal 2016 im Bereich Berufsbekleidung oder Mäntel bereits deutliche Zuwächse im hohen einstelligen Bereich. Andere Händler wie etwa Zara, H&M, Benetton oder Decathlon sondieren aktuell noch die Möglichkeiten. Die Fertigung in Russland ist nicht ganz einfach: Anders als in China muss ein Großteil der Rohwaren und Materialien im Ausland eingekauft werden, was das Kostenrisiko nicht schmälert. Da die Türkei neben China einer der Hauptstofflieferanten ist und das Verhältnis zwischen beiden Staaten bekanntlich sehr angespannt ist, erleichtert die Situation nicht. Insofern arbeitet die Regierung daran, sich über (fast) alle Wertschöpfungsketten unabhängiger aufzustellen. Der Kreml fördert in diesem Sinne gezielt Investitionen.

Fotos: DW (Archiv); *Tabelle: Daten-Grundlage von Fashion Consulting Group Russi Präsentation 2016

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