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Italien: Gucci schließt seine Anlagen, LVMH hält sie aktiv

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
13.03.2020
Lesedauer
4 Minuten
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Vergangenen Mittwochabend hat die italienische Regierung ihren Kampf gegen die Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie weiter verstärkt und die Schließung aller Läden mit Ausnahme von Apotheken und Lebensmittelgeschäften angeordnet. Nun stellt sich für einige – wenn auch nicht direkt davon betroffene – Unternehmen die Frage, ob sie die Tätigkeiten in ihren Fabriken fortsetzen oder einstellen sollen. Dies gilt insbesondere für die Luxusindustrie, da die Halbinsel zur wahren Luxusfabrik für Europa und die Welt geworden ist.


Das Gucci ArtLab, das Experimentierzentrum der Marke - Gucci


Gucci, die Vorzeigemarke des Kering-Konzerns, kündigte als erstes die Schließung seiner Produktion in Italien an, wo es sechs Standorte zwischen der Toskana und den Marken beitzt. "Als Vorsichtsmaßnahme zum weiteren Schutz der Gesundheit der Gemeinschaft bleiben die Produktionsstätten bis zum 20. März geschlossen, während die für die Kontinuität unseres Geschäfts unerlässlichen Aktivitäten weitergeführt werden. Diese vorübergehende Schließung wird daher die Versorgung unserer Kunden mit unseren Produkten nicht beeinträchtigen", erklärt ein Sprecher des Unternehmens.
 
Darüber hinaus hat Gucci in den letzten Tagen seine Büroangestellten zu flexiblen Arbeitsformen ermutigt – von der Telearbeit bis zur Einführung einer Vier-Tage-Woche von Montag bis Donnerstag. Was den Handel betrifft, so sind alle Läden in Italien bis zum 3. April geschlossen, entsprechend den von der Regierung angeordneten Maßnahmen. Die Marke hat jedoch erklärt, dass sie ihre Kunden weiterhin "über Gucci.com und mit Unterstützung unseres Kundenservice-Zentrums" beliefern wird.

Neben Gucci bestitz der französische Kering Konzern weitere italienische Marken, wie Bottega Veneta, Brioni, Pomellato und Dodo. Nicht zu vergessen Kering Eyewear, das in der Nähe von Padua im Veneto ansässig ist und die Brillenkollektionen der Gruppe entwickelt und produziert.
 
Hinzu kommen italienische Fabriken, die andere Marken der Gruppe beliefern, wie z.B. die Lederwarenfabrik, die Saint Laurent kürzlich in Scandicci in der Nähe von Florenz eröffnet hat. Kering lehnt es jedoch ab, sich zu seinen anderen Anlagen in Italien zu äußern.
 
LVMH – ein weiterer Luxuskoloss, der auf der Halbinsel sehr präsent ist – hat hingegen beschlossen, seine Aktivitäten dort nicht einzustellen. "Es bleiben alle Fabriken der Gruppe auf der Halbinsel zu 100 Prozent in Betrieb", wie gegenüber FashionNetwork.com bestätigt wurde. Das betrifft die Produktion von Schuhen für Louis Vuitton in Fiesso d'Artico im Veneto, für Fendi in den Marken und für Berluti in Ferrara bis hin zur Bulgari Schmuckfabrik in Valenza im Piemont. Ebenso die Lederwarenfabriken in der Toskana, insbesondere für Fendi, Bulgari und Celine, und das Joint Venture Thelios, das mit dem Brillenhersteller Marcolin in der Region Veneto gegründet wurde.
 

Die Fabrik von Bulgari in Valenza bleibt in Betrieb - LVMH


"Natürlich wurden Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer ergriffen, indem weniger Menschen zusammen arbeiten, aber mit mehr Schichtwechseln", betonte die Gruppe. LVMH beschäftigt derzeit rund 11.000 Mitarbeiter in Italien – eine Zahl, die sich in den letzten fünf bis sechs Jahren verdoppelt hat – und betreibt 30 Produktionsstätten. Diese Standorte bleiben zwar offen, doch gilt dies nicht für Subunternehmer, die in der Luxusindustrie arbeiten, von denen viele unter den Auswirkungen der Epidemie leiden. Die kleinen Handwerker und KMU, die in Italien für diesen Sektor arbeiten, haben bereits einen Rückgang ihrer Aufträge festgestellt.
 
Giorgio Armani schloss Ende Februar seine Fabriken im Norden des Landes für eine Woche, um eine allgemeine Desinfektion durchzuführen. Seitdem wurden die Aktivitäten jedoch wieder aufgenommen. Nur wenige Modehäuser sind bereit, sich zu diesem Thema zu äußern. Giuseppe Santoni, der das Familienunternehmen für Luxusschuhe leitet, ist einer von ihnen. In einem Interview im "Corriere Adriatico" erläuterte er die Maßnahmen, die in seinen Fabriken ergriffen wurden: obligatorisches Tragen von Masken, ständige Desinfektion der Räume, weitestgehende Vermeidung von Reisen, Aufteilung der Arbeiter in kleine Gruppen, mehrere Ausgangs- und Eingangstüren.
 
Die Entscheidung der Regierung, Fabriken und andere Produktionsaktivitäten weiterlaufen zu lassen, während ganze Wirtschaftszweige, wie der Handel, eingestellt wurden, stößt bei den Beschäftigten teilweise auf Widerstand. Am Donnerstag, dem Tag nach der Einführung der strengeren Maßnahmen, kam es im ganzen Land zu einer Reihe spontaner Streiks.
 
Mehrere Gruppen von Arbeitnehmern protestierten gegen die wenigen Maßnahmen, die in den Fabriken zu ihrem Schutz ergriffen wurden, und gegen die Tatsache, dass es vielen von ihnen unmöglich ist, unter bestimmten Bedingungen effektiv zu arbeiten. Andere prangerten die scheinbare Doppelmoral bei den Maßnahmen zum Schutz der verschiedenen sozialen Schichten an. So geschehen bei den Beschäftigten der Fabrik der traditionsreichen Herrenbekleidungsmarke Corneliani in Mantua, die am Donnerstagmorgen die Arbeit verweigerten, wie auf der Website "Repubblica" berichtet wurde. 

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