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Veröffentlicht am
13.09.2017
Lesedauer
3 Minuten
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Italiens Kaschmir-König Brunello Cucinelli steht auf die gute Art

Von
DPA
Veröffentlicht am
13.09.2017

Der Italiener Brunello Cucinelli verkauft Kaschmir-Mode für Superreiche und gilt in seiner Heimat als Humanist der Wirtschaftswelt. Mit seinem ungewöhnlichen Geschäftsansatz und originellen Marketing fährt er obendrein wachsende Gewinne ein.

Um die Mittagszeit ist das Unternehmen verwaist. In den Produktionshallen sitzt niemand an der Nähmaschine oder am Schneidertisch. Der Chef hat eine 90 Minuten lange Pause angeordnet, die Mitarbeiter nehmen das gern an. Er selbst darf nach dem Essen weitere 30 Minuten ruhen, so viel nimmt sich der Chef heraus.

Arbeiterfreundliche Kaschmir-Ware aus Italien - Brunello Cucinelli


"Alle Firmen müssen Profit machen. Aber wir wollen es auf eine gute Art und Weise machen, in moralischer und ethischer Würde", sagt der 64-jährige "Kaschmir-König", wie er auch genannt wird. Er sitzt vor einer Bücherwand mit Philosophie- und Design-Klassikern.

Das Unternehmen sitzt in Solomeo, einem kleinen Bilderbuch-Ort auf einem Hügel in Umbrien, wo an den Häusern Sprüche von Kant, Aristoteles, Galileo und Papst Franziskus hängen. Hier arbeiten 800 der weltweit rund 1.500 Beschäftigten. Die Luxus-Pullover von Cucinelli, die auch James-Bond-Darsteller Daniel Craig trägt, finden sich auch in Deutschland in teuren Kaufhäusern.

Cucinelli zahlt seinen Mitarbeitern bis zu 20 Prozent mehr als in der Branche üblich. Er schickt sie pünktlich um 17.30 Uhr nach Hause. E-Mail-Verschicken im Feierabend ist verboten. Letztes Jahr spendierte er zudem pro Kopf bis zu 1.000 Euro Bonus, damit sich die Mitarbeiter Bücher, Theaterkarten oder Museumstickets kaufen konnten. Der Chef lässt ebenfalls Theater und Sportanlagen bauen und beteiligt sich am Wiederaufbau der Stadt Norcia, die von einer Erdbebenserie zerstört wurde.

Er selbst liest in der Zeitung nur die Kulturseiten und meidet soziale Netzwerke sowie das Smartphone. "Niemand kann mehr als zehn Minuten aushalten, ohne auf diese Sachen zu schauen", beschwert er sich.

Das Engagement zahlt sich offensichtlich aus. Seit Cucinelli an der Mailänder Börse gelistet ist, hat sich der Aktienwert verdreifacht. Analysten sagen zweistellige Wachstumsraten beim Umsatz voraus. Im letzten Jahr lag der Gewinn bei etwa 37 Millionen Euro, der Umsatz bei 457 Millionen. Im Vergleich zu italienischen Moderiesen wie Prada oder Armani ist das zwar noch bescheiden, dafür wächst Cucinellis Geschäft, während anderen Modehäusern Rückgänge zu schaffen machen.

Cucinellis Philosophie erlaube es Kunden, "die viel Geld haben, sich ein wenig besser zu fühlen, wenn sie es ausgeben", sagt Luca Solca, Analyst für Luxusgüter beim Unternehmen Exane BNP Paribas. "Sie haben vorzügliche Arbeit gemacht, indem sie sich ein bisschen zwischen Handwerkskunst und Mode positioniert haben." Der "aufklärerische" Ansatz mache das Unternehmen für Investoren besonders interessant. Während andere Modehäuser dafür kritisiert werden, dass sie ihre Produktion ins Ausland verlegen, um Geld zu sparen, bekommt Cucinelli Lob, weil er Familienunternehmen in der Toskana, in Venetien oder in Umbrien unterstützt. Er ist davon überzeugt, dass es ethisch eher vertretbar ist, eine Bluse für 1.000 Euro zu kaufen als eine Jeans für 20 Euro, die nur deshalb so billig sein könne, weil die Arbeiter schlecht bezahlt würden.

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht allerdings nicht alles im Ruhmeslicht. Man könne viel an Gutem versprechen, aber man müsse es dann auch mit entsprechenden Zertifikaten belegen können, sagt Textil-Expertin Kirsten Brodde. "Der Verbraucher könne schließlich nicht jede gut gemeinte Initiative selbst überprüfen."

Teure Modeartikel müssten nicht zwangsläufig umweltfreundlicher sein, oft sei sogar das Gegenteil der Fall. "Luxus-Hersteller verkaufen sich mehr über Marke und Image, weniger über Umweltschutz", betont Brodde. Jedoch sei es einem Unternehmen wie Cucinelli schon hoch anzurechnen, dass Kleidung nicht so billig "wie Müsli-Packungen" verkauft und die Wegwerf-Kultur somit nicht gefördert werde.

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