Jacquemus: Ein farbenfroher Spaziergang durch die Lagune

Zur Eröffnung der Pariser Modewoche verzauberte Simon Porte Jacquemus am Montagabend sein Publikum mit einer zwischen modernistischer Strenge und dem für ihn charakteristischen, bunten und leuchtenden Stil ausgewogenen Kollektion. Der südfranzösische Designer entführte seine Gäste für die Präsentation seiner jüngsten Kollektion in die Lagune von Venedig, deren sonnengebadete, farbenfrohe Häuserfassaden er verspielt in Szene setzte.


Ein farbenfroher Look von Jacquemus - Instagram

Im Hintergrund keine Gondeln, sondern ein hübscher Marktplatz mit einem Gemüsehändler, einer Bäckerei und einem Blumenhändler. Auch die Wäscheleinen vor den Fenstern durften nicht fehlen, wie auch eine Modeboutique, die natürlich Jacquemus hieß. Ocker, Grün, Terra die Siena, Preußischblau … Die bunten Fassaden der kleinen Fischerhäuser bilden fantasievoll die Insel Burano nach. Doch bei genauerem Hinschauen verstecken sich hinter der malerischen Kulisse überraschende Details, wie der Name der Seitenstraße, die dem Architekten Le Corbusier gewidmet ist, oder die Häuser mit Bullaugenfenstern, als Augenzwinkern an die moderne Architektur.
 
"Die Kollektion heißt 'La Collectionneuse' (z. dt.: "Die Sammlerin"), da sie in sich viele künstlerische Einflüsse, von Pierre Jeannerets modernistischen Stühlen über die Pop-Motive von Memphis von Nathalie Du Pasquier bis hin zur Architektur von Gae Aulenti versammelt. Zudem bleibe ich von der Farben besessen, wie meine bunte Keramiksammlung beweist", erklärt Simon Porte Jacquemus hinter den Kulissen.

Das Ergebnis: Eine Garderobe zwischen Schlichtheit und geometrischer Strenge in neutralen Farbtönen und einem fast sommerlichen, südländischen Look, mit Farbexplosionen und in Rosa, Tiefgrün oder Electric Blue gehaltenen Looks. Leuchtende Farbkleckse auf einem Hosenrock aus orangefarbenem Leder oder einer Jacke sowie einem Mantel in Goldgelb. Und kleine Tops, die den Blick auf den Rücken freigeben.

Die Silhouetten sind kurvenreich und behaglich, mit knopflos-kuscheligen Mänteln, Hosen aus Walkwolle und Pullover mit schalähnlichem Ausschnitt. Bunte viereckige Taschen aus Nylon oder Leder werden wie ein Kissen am Arm oder wie Rettungsringe am Bein getragen.


Die bunte Farbpalette von Jacquemus für den kommenden Winter - Instagram

Weite Hemden und Hosen gibt es Ton in Ton in strahlendem Weiß, Zigeunerblau oder Militärbeige, mit abnehmbaren leuchtorangefarbenen Taschen verziert. Rote und blaue Seidenkleider werden mit offenem Rücken gefertigt.

Der Designer lässt auch viele Trompe-l’œil-Effekte einfließen, so beispielweise bei Röcken und Trenchcoats, deren Ecken er an der Hüfte umklappt, um den Eindruck zu erwecken, dass sich das Kleidungsstück auf ein zweites öffnet. Auch verspielte Details sind nie weit, besonders bei den Accessoires. Hier zeigt Jacquemus verschiedene Mini-Taschen, die an den Fingern getragen oder wie eine Patronentasche in einen Gürtel gesteckt werden.

Die Models tragen auch hohe und breite Leder-Leggings, wie Gamaschen, die über gleichfarbige Stiefel gestülpt werden und so an die Stiefel der Fischer in der Lagune denken lassen. Taschentücher finden sich an Ohrringen wieder, aufgehängt wie Wäsche an einer Wäscheleine … oder wie Postkarten.

Das Brautkleid besteht aus einem weißen Herrenanzug, der mit kleinen Ringen übersät ist, in denen lange Stiele von Margeriten und weißen Tulpen gesteckt werden.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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