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Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
21.04.2021
Lesedauer
5 Minuten
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Jordi Balsells (Desigual): "Die Kauflust wird zurückkehren und mit dem Aufstieg des digitalen Kanals einhergehen"

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
21.04.2021

Internationale Expansion hat bei Desigual weiterhin einen hohen Stellenwert. In Japan expandiert die Marke mit einem 217 Quadratmeter großen Flagship-Store mit innovativem Design in Osaka. Im Interview mit FashionNetwork.com sprechen Jordi Balsells, Channels Director, und David Sgreccia, Geographies Business Director, über das Land der aufgehenden Sonne. Mit 5 % des Gesamtumsatzes und 130 Mitarbeitern ist es bereits der fünftgrößte Markt für die Marke. Sie berichten auch über die Erholung nach der Pandemie und die Zukunftspläne der katalanischen Marke.


Jordi Balsells - Desigual


FashionNetwork.com: Wie hat sich die Pandemie auf das Geschäft in Asien, und speziell in Japan, ausgewirkt?

Jordi Balsells: Asien war der erste Markt, der von der Pandemie betroffen war, vor allem in China, aber es ist auch der erste, der sie in den Griff bekommen konnte. Die Auswirkungen auf das Einzelhandelsgeschäft waren spürbar, aber jetzt kehrt alles zu einer gewissen Normalität zurück.

David Sgreccia: Wenn wir über den Markt und den Kunden sprechen, können wir sagen, dass der japanische Verbraucher der Marke gegenüber sehr loyal ist. Die High-End-Positionierung, die wir im Land haben, erlaubt es uns, uns zu differenzieren. Die japanische Kundin ist sensibel für Trends und wählt risikoreichere Stücke, was perfekt dem Charakter von Desigual entspricht. Dies bestätigt sich auch während der Pandemie.

JB: Es ist ein Markt, in dem wir einen großen Anteil an lokalen Kunden haben. Dennoch ist ihre Mobilität eingeschränkt. Selbst wenn wir nur den Inlandstourismus berücksichtigen, waren einige stark frequentierte Orte besonders betroffen. Doch wie in anderen Ländern auch, ist die Digitalisierung weit fortgeschritten.

FNW: Wie hat Ihre Marke ihre Entwicklungsstrategie in Asien und Japan anpassen müssen?

JB: Was das Sourcing anbelangt, so beliefern wir Japan von Hongkong aus. Aber erst vor ein paar Monaten haben wir ein Lager in Tokio eröffnet. Die Strategie des Unternehmens ist es, sich auf diesen Markt zu konzentrieren, mit dem Ziel, den gesamten digitalen Aspekt und das Kundenerlebnis zu verbessern und die Lieferzeiten zu verkürzen. Unser Interesse an Japan bleibt unverändert. Es gab keine gravierenden Veränderungen, die Dinge bewegen sich in Richtung einer gewissen Normalität.

FNW: Und in Asien allgemein?

JB: Wir haben eine wichtige digitale Strategie, die auf Partnerschaften mit den bedeutendsten Plattformen in der Region basiert. Wir haben eine starke Präsenz in Singapur. In anderen Märkten können wir uns auf unsere Partner verlassen, über Franchise-Systeme oder den Vertrieb in Mehrmarkengeschäften oder Kaufhäusern. Diese Strategie werden wir beibehalten.


David Sgreccia - Desigual


FNW: Wie viel Prozent Ihres Umsatzes macht der japanische Markt aus?

DS: Derzeit sind es 5 % und es ist der fünftgrößte Markt für das Unternehmen. Im Vergleich dazu stehen beispielsweise Spanien mit 20% und Deutschland mit 12%.

FNW: Wird es Ihr fünftgrößter Markt bleiben oder könnte er irgendwann die europäischen Länder überholen?

JB: Nicht auf kurze Sicht. Es ist ein Markt, in dem wir seit Jahren präsent sind und wir erleben dort ein solides Wachstum. Unsere Teams sind dort sehr präsent. Wir glauben sehr stark an das Potenzial dieses Landes und werden weiterhin darin investieren, denn die Ergebnisse zeigen uns, dass wir Recht haben. Aber es wird schwierig sein, unseren viertgrößten Markt zu überholen, selbst wenn wir diese progressive Entwicklung fortsetzen. Unsere vier Hauptmärkte sind sehr wichtig für das Unternehmen.

FNW: Wie laufen die ersten Monate des Jahres auf dem europäischen Markt, der noch von vielen Restriktionen betroffen ist?

JB: Momentan gibt es überall eine Menge Einschränkungen. Wir haben mehrere Märkte, in denen unsere Läden geschlossen sind, und die, die geöffnet sind, haben mit vielen restriktiven Maßnahmen zu kämpfen. In Deutschland zum Beispiel verlangen einige Einkaufszentren einen negativen PCR-Test, so dass der Ladenverkehr nahezu bei Null liegt. So gesehen können wir davon ausgehen, dass etwa die Hälfte der Geschäfte in unserem Netzwerk derzeit geschlossen ist. Das ändert sich jede Woche, wenn neue Maßnahmen angekündigt werden, und wir müssen sehr flexibel sein. Das ist es, was wir tun, wir passen uns jederzeit der Situation in jedem Markt an.

FNW: Wie wird sich der Konsum entwickeln, wenn die Beschränkungen aufgehoben sind und die Geschäfte wieder öffnen?

JB: Die Leute wollen rausgehen und sich etwas gönnen. Wegen der Einschränkungen hinsichtlich der Besucherzahlen und der Präventionsmaßnahmen ist es nicht die beste Zeit, um den Verbrauchern ein tolles Erlebnis zu bieten, aber die Stimmung ist positiv, wenn die Einschränkungen gelockert werden. Wir sind zufrieden und blicken optimistisch in die Zukunft. Die Kauflust wird zurückkehren und mit dem Aufstieg des digitalen Kanals einhergehen. Für uns basiert die Erfolgsformel für die Zukunft auf Omnichannel, wodurch die Kunden jederzeit kaufen können, was sie wollen, wo sie wollen und wie sie wollen.


Neuer Desigual Store in Japan - Desigual


DS: Die Kulturen sind nicht in allen Ländern gleich. Derzeit ist es in Deutschland sehr schwierig, in einen Laden zu gehen. In Italien ist es viel einfacher und der Umsatz ist ermutigend. Wir denken, dass wir innerhalb von zwei Monaten, dank der Impfungen, ein besseres Verständnis dafür haben werden, was in der zweiten Jahreshälfte passieren wird.

JB: Wir haben Erfahrung in Märkten mit hohen Impfraten, wie zum Beispiel in Israel. Wir operieren dort über einen Franchisepartner und wir verzeichnen eine gute Performance, die Zahlen sind sehr gut. Das ermutigt uns in dem Glauben, dass alles gut gehen wird.

FNW: Welche Rolle werden stationäre Geschäfte in der Zukunft Ihrer Marke spielen?

JB: Wir setzen ganz klar auf das wirtschaftliche Klima, um unser neues Ladenmodell zu testen. In zwei Jahren werden wir unser gesamtes Filialnetz mit unserem neuen Konzept renoviert haben, das sehr qualitativ ist und die gehobenere Positionierung der Marke unterstreicht. Das Produkt wird eine viel entscheidendere Rolle spielen und die Navigation wird vereinfacht und anspruchsvoller sein.

DS: Wir glauben, dass der stationäre Laden immer noch eine wichtige Rolle in dem Omnichannel-Erlebnis spielt, das wir unseren Kunden bieten wollen. Eines unserer Ziele ist es, die persönliche Erfahrung zu vertiefen und zu verbessern.

FNW: Wie sieht es mit der Digitalisierung aus?

JB: Wir sehen die Digitalisierung als ein globales Thema und bearbeiten es aus verschiedenen Blickwinkeln. Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von Desigual.com und seine Verfügbarkeit in 100 Ländern. Wir arbeiten auch mit lokalen Plattformen wie TMall in China, ZoZo in Japan, Dafiti in Lateinamerika oder Zalando in Europa zusammen.

FNW: Seit Beginn der Pandemie haben viele Unternehmen Projekte mit dem Schwerpunkt Second Hand forciert oder gestartet. Einige haben ihre Online-Shops auch für andere Marken geöffnet. Könnten diese Themen Teil der nächsten Projekte von Desigual sein?

JB: Übergangszeiten sind Gelegenheiten, die sich gut eignen, um mit neuen Geschäftsmodellen zu experimentieren. In diesem Sinne befinden wir uns noch in der Erkundungsphase. Wir sind offen und suchen nach weiteren alternativen Modellen. Aber im Moment sind diese noch nicht vollständig definiert und wir haben noch keine Entscheidungen getroffen. Wir sind dabei, die Situation zu analysieren.

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