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Junge Designer stürmen die Pariser Modebühne

Veröffentlicht am
today 26.09.2018
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Am zweiten Tag der Paris Fashion Week brach eine Flut junger Designer und Label über die französische Hauptstadt ein und elektrisierte sie. Acht junge Designer ließen ihrem Stil und ihrer Vision freien Lauf und brachten frischen Wind in die Modewoche. Marine Serre eröffnete den Reigen, die Abschluss-Show des Nachwuchs-Balls vor der Saint Laurent-Show fiel Koché zu.
 

Victoria/Tomas für die Frühjahr-/Sommersaison 2019 - DR


Die innovativen Entwürfe für die Frühjahr-/Sommersaison 2019 zeugten von hoher Schneiderkunst mit destrukturierten Schnitten, vollständig überarbeiteten Stücken, neuen Volumen und Blickwinkeln. Schleifen, Kordeln und andere Schnürchen schienen es den jungen Designern besonders angetan zu haben. Besonders deutlich kam dieser Trend bei Ottolinger zum Ausdruck, wo er die ganze Kollektion wie ein roter (Schnür-)Faden zusammenhielt.

Die beiden Schweizerinnen, die das Label 2015 ins Leben gerufen haben, waren sichtlich bewegt. Christa Bösch (31 Jahre) und Cosima Gradient (30 Jahre) gaben ihr Laufstegdebüt mit einer abrupten, fast schon tribalen Kollektion, in der sich die Stoffe unter ihren geschickten Händen wandeln und verwandeln. Pullover verlieren ihre Schultern, vom Staub geschwärzte Jeansjacken werden lediglich von zwei Trägern zusammengehalten, Hosen und Bermudas sind zerrissen und angesengt, und ein auseinandergerissenes Top wird mit verschiedenen Schnürungen nur knapp zusammengehalten.

Weiter zeigten Ottolinger ein zusammengeschnürtes Seidenkleid, wobei die Riemchen um den Körper herumreichen, sich im Rücken kreuzen, eine Schulter überstreifen. Ganz und gar nicht Grunge, sondern ganz im Gegenteil akribisch geplant. Das Label wird bereits von rund 20 Händlern verkauft, insbesondere in Asien. In Paris ist die Marke bei Lafayette Anticipation zu sehen, wo die Show am Dienstag stattfand.


Eine Detailansicht bei Ottolinger - FashionNetwork.com ph Dominique Muret


 
Auch Afterhomework (Paris) zeigte dieselbe Schnüroptik, doch mit einem klaren Sports- und Streetwear-Einschlag. Hier lag der Fokus klar auf fallschirmähnlichen Nylonstoffen. Zu den rhythmischen Klängen des Rappers Sankha zeigte das Label an der ersten Show im Pariser Schauenkalender Kleider in Bewegung. Dieser Effekt wurde durch die von Hüften, Hälsen, Schultern und Handgelenken baumelnden weißen Bänder noch verstärkt.

Die Hosen werden an der Taille zusammengeschnürt oder durch ein Kordelsystem den Hosenbeinen entlang hochgezogen. Tops sind mit Kletterseilen an T-Shirts gebunden und ein Fallschirmtuch wird um den Körper gewickelt, um ein Kleid zu kreieren. Abnehmbare Ärmel lassen sich an den Armen aufblasen, während der Hosenbeinabschluss verzwirbelt wird.

Seit ihren Anfängen im Showroom von Designers Apartment im März 2017 haben Pierre Kaczmarek und Elena Mottola ihre Vision präzisiert und mit immer anspruchsvolleren Schnitten umgesetzt. "Unser Ziel ist es, die Silhouette aufzuwerten, indem wir uns stärker mit der Ästhetik befassen. Diese Kollektion ist zugleich sehr sportlich und sehr 'Paris, Nightlife und Sommer'. Was uns gefällt, halt", fasst der ehemalige Schüler zusammen. Die Kollektion ist in 17 Multibrand-Stores zu haben, und wird neu auch von Tomorrow vertrieben.

Auch Victoria/Tomas hinterlassen einen sommerlich-tropischen Gesamteindruck mit Ferienfeeling. Hier wurden die Schnürungen zum Markenzeichen erhoben. Victoria Feldman und Tomas Berzins verwenden Bänder und Kordeln für Sandalen, offene Rücken und auch am aufgeschlitzten Ärmel eines gestreiften Hemds. Die Kollektion versprüht Leichtigkeit und Lebensfreude, die Schnitte sind vorzüglich ausgeführt und auch die Details kommen nicht zu kurz. Alles in allem entstanden daraus allerlei begehrenswerte Stücke.

Jeans-Bermudas werden von Ringen gesäumt, an denen bunte Steinchen baumeln. Ein schwarzer Schal mit weißen Fransen verwandelt sich in Jackenärmel oder wird zum Kleid, an den Schultern mit zwei weißen Kordeln zusammengehalten. Ein Minirock in Wickeloptik wird über ein Oversized-Hemd getragen. Trenchcoats und Röcke laufen nach unten in mehrere schräg geschnittene Stoffbahnen zusammen, die den Eindruck erwecken, den Beinen entlang zu tropfen.


Hinter den Kulissen wird die Show von Anrealage vorbereitet - FashionNetwork.com ph Dominique Muret


Das japanische Label Anrealage spielt in seiner atemberaubenden Kollektion mit ganz anderen Aspekten. Kunihiko Morinaga lässt technische Innovation und Poesie ineinanderfließen. In der neuen Saison spielt er nicht nur wie bisher mit lichtempfindlichen Stoffen, die während der Show ihre Farben ändern, sondern auch mit eine Reihe magischer Kleider.

Die Kleider sind von durchschimmernden Knöpfen, Kristallen und anderen transparenten, lumineszierenden Plastikteilchen übersät. Mit seinem Zauberstab verwandelt der Designer einen klassischen beigefarbenen Trenchcoat in einen ungreifbaren Schleier, als würde sich das Kleidungsstück unter unseren Augen von unten her auflösen. Derselbe verblüffende Effekt kommt auch bei Jeans- und Militärjacken zum Tragen.

Unter den am zweiten Tag der Modewoche defilierenden Newcomern stach auch A.W.A.K.E. heraus. Das Akronym des 2012 gegründeten Labels steht für "All Wonderful Adventures Kindle Enthusiasm". Gründerin Natalia Alaverdian, frühere Moderedakteurin beim russischen Harper’s Bazaar, bietet eine elegante Auswahl klassischer Damenmode, die sie mit zeitgenössischen Schnitten und surrealistischen Einflüssen neuinterpretiert. So beispielsweise ein riesiges Auge auf dem Rücken einer Jacke und Landschaftsbilder, die entfernt an Magritte denken lassen, auf Röcken oder Blusen.
 

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