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JW Andersons fließende Boheme

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 17.09.2018
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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Fließende Stoffe, zu überraschenden Patchwork-Kleidern verarbeitet, bildeten den Schlüssel zu einer sehr vorzüglichen Kollektion von JW Anderson. Diese dürfte für die Londoner Saison wegweisend sein.


JW Anderson Womenswear Frühjahr/Sommer 2019 - Photo: PixelFormula

 
Wallende, ausgestellte Kleider aus kontrastierenden rechteckigen Stoffbahnen – von weißgestreiftem Leinen bis hin zu luftigen Chiffons – mit Zipfelsaum sausten vor den Zuschauern vorbei. Dazu halbdurchsichtige Kleider aus verlängerten Herrenhemden mit ebenfalls kontrastierenden Seiten.

Abgerundet wurden die Looks vielfach durch Brustlätze und mit einfachen Säumen und Fransen. Dazu trugen die Models Pro-Ked Plattform-Turnschuhe oder aufgepeppte Gamaschen und Stiefeletten mit Metallstiften, sodass sie beim Vorbeihuschen auf dem Laufsteg etwas unscharf wirkten.

"Mehr Boheme und die Zelebrierung der Mode durch unterschiedliche Texturen", kommentierte der Designer Backstage.

Die Models trugen allesamt Piratenbinden aus Leder, damit die Zuschauer nicht zu stark von einzelnen Gesichtern abgelenkt wurden und sich ganz auf die Kleidung konzentrieren konnten. Somit standen die Models etwas im Hintergrund und die Show drehte sich ganz um die angebotenen Entwürfe.

Das Defilee fand erneut im Militärlager Yeomanry House im Herzen von London statt. Ein Abstecher in das Kunstmuseum V&A lässt die zahlreichen schwarzen schmiedeeisernen Zäune erklären, die den Runway unterteilten. "Das ist etwas typisch Britisches, wie ein Gartentor, das wir als eine Art Zwischenwand eingesetzt haben", ergänzte Anderson.

Der Kreativdesigner ließ sich auch von den Ideen der amerikanischen Künstlerin Lynda Benglis wie auch einem T-Shirt beeinflussen, das sie 1974 zum Thema Empowerment der Frauen schuf. Das berühmteste Bild der Künstlerin zierte das Coverbild einer Artforum-Ausgabe und zeigt eine schlanke, braungebrannte Frau, die gänzlich unbekleidet ist. Sie hat eine Brille und einen riesigen erigierten Penis.

"Da fragte ich mich, was Empowerment in der heutigen Mode bedeutet. Wie kann ein Look Empowerment schaffen? Ich bin überzeugt, dass dies durch fließende Stoffe geschieht. Alles entsteht durch die Bewegung am Körper. Kleidung ist nichts Statisches, sie muss an jemandem gesehen werden, der sie trägt. Es geht darum, einen anderen Weg zu gehen, um die Idee der Neuerfindung in unserer Arbeit neu zu erfinden", so Anderson.

Wenn dies auch hochtrabend klingt – Anderson glaubt fest daran. Und seine Mode ist zwar nicht preiswert, bleibt jedoch relativ erschwinglich für die Zielgruppe der Millennials. "Preislich ist das nicht übertrieben. Unsere teuersten Taschen kosten 1200 Euro und die meisten Kleidungsstücke liegen auch unter diesem Betrag. Ich denke, wir sind da sehr offen", bemerkt Anderson. Der Designer ist zum unangefochtenen Leader der Londoner Modeszene aufgestiegen.

Es handelte sich um die erste Show mit der neuen COE Jenny Galimberti. Die Managerin bringt viel Erfahrung mit sich, unter anderem war sie als Global Communications Director für Louis Vuitton tätig.

Die französische Luxusgruppe ist nicht nur der größte Investor beim Label JW Anderson, sondern auch direkter Arbeitgeber von Anderson in seiner Funktion als Kreativdirektor der spanischen LVMH-Tochter Loewe. "Eine wundervolle Show. Jonathan ist ein ausgesprochen begabter Designer mit viel Energie. Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit hier und bei Loewe", betonte Sidney Toledano, Chairman und CEO der LVMH Fashion Group, zu der auch Celine, Kenzo, Loewe, Marc Jacobs und Emilio Pucci zählen.
 

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