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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
15.03.2022
Lesedauer
7 Minuten
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Karl Lagerfeld CEO Pier Paolo Righi über Nachhaltigkeit und Familienwerte

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
15.03.2022

Um es frei nach Tolstoi zu sagen: Alle nachhaltigen Unternehmen gleichen einander, doch Anti-Nachhaltigkeits-Unternehmen sind auf ihre eigene Weise anders. Das Haus Karl Lagerfeld ist ein Paradebeispiel dafür, denn sein Nachhaltigkeitsbestreben spiegelt den familienbasierten Ansatz des Unternehmens wider.


Der Hauptsitz von Karl Lagerfeld in Amsterdam - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Karl Lagerfeld - DR


Karl Lagerfeld betonte stets, wie wichtig es ist, mit Freunden zu arbeiten. Er hatte keine Kinder, doch bezeichnete er vier Models und Markenbotschafter als seine "Söhne" und arbeitete mit vielen Menschen über Generationen hinweg.

Das trifft auch heute noch zu. Wer heute, drei Jahre nach Lagerfelds Tod, den Hauptsitz der Marke in Amsterdam besucht, wird von Caroline Lebar begrüßt, die seit 1985 Karls rechte Hand war. Lagerfelds ehemaliger Chauffeur Sébastien Jondeau ist Markenbotschafter und Designer und zwei befreundete Models, Amber Valletta und Cara Delevingne, haben beide Capsule Collections entworfen.

Heutzutage wird in der Modebranche kaum eine Pressemitteilung veröffentlicht, die nicht von Nachhaltigkeit spricht. Doch trotz aller schönen Worte ist die Branche noch immer für geschätzte 10 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen und den Ausstoß von 1,2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich.
 
Doch nur wenige Länder sind so umweltbewusst wie die Niederlande, wo Lagerfeld seit 10 Jahren seinen Hauptsitz hat. Dieser befindet sich in einem großen Herrenhaus an der berühmten Herengracht. Das Gebäude, das früher einem Bankier gehörte, wurde von Lagerfeld persönlich besucht, nur drei Monate vor seinem Tod im Februar 2019.
 
Hier trafen wir uns zum Gespräch mit dem deutsch-italienischen CEO Pier Paolo Righi, dessen Büro den Blick auf die am Kanalufer stehenden Ulmen freigab. Righi wurde kurz nach der Übernahme der Marke durch eine Gruppe erfahrener Modeinvestoren zum CEO ernannt. Die Gruppe unter der Führung von Silas Chou umfasste unter anderem Tommy Hilfiger, Fred Gehring und G-III, Lizenzpartner der Marke in Nordamerika.

Obwohl Lagerfeld Chanel im Verlauf von fast vier Jahrzehnten zur rentabelsten und einflussreichsten Luxusmodemarke der Welt machte, war die Geschichte seiner eigenen Marke viel bewegter. Sie wechselte vier Mal den Besitzer, bis das größte Luxuskonglomerat der Welt, Richemont, die Marke 1997 für einen symbolischen Franc an Karl zurückgab. Dies veränderte sich mit Righi, der die Berühmtheit von Karls ikonischem Image nutzte. Er richtete das Haus auf eine optimale Preisklasse im mittleren Segment aus, erstellte eine dynamische Onlinepräsenz und arbeitete konsequent mit Karls "Clan" zusammen.

Wir sprachen mit Righi über Nachhaltigkeit, anhaltendes Wachstum, Familienclans und seine Investoren.
 

Karl Lagerfeld CEO Pier Paolo Righi - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Karl Lagerfeld - DR


Fashion Network: Wieso ist Nachhaltigkeit für das Haus Lagerfeld wichtig?
Pier Paolo Righi: Nun, als wir vor einem Jahrzehnt bei Karl Lagerfeld eingestiegen sind, war es wirklich eine Startup-Umgebung mit nur wenigen Personen. So sahen wir eine Chance, eine eigene Kultur zu schaffen. Ein Unternehmen mit einem Schlüsselelement – das Miteinander. Eine Gruppe Gleichgesinnter, die leidenschaftlich arbeiteten. Heute sehe ich ein Team, dass sich dieses Gefühl des Für- und Miteinanders zu eigen gemacht hat. Und man kann sich nicht aufrichtig um andere Menschen kümmern, wenn man nicht unserem Planeten Sorge trägt und Wert auf die Art legt, wie wir leben und miteinander umgehen.
 
FNW: Inwiefern ist dies ein echtes Projekt und kein "Green Washing"?
PPR: Ja, wir sind dem Fashion Pact beigetreten. Und anfänglich war ich total beeindruckt, da wir da mit den Großen mitspielten. Und wir mussten uns fragen: Wie können wir diese Initiative unterstützen? Wir mussten die Kernbereiche angehen: Wissen, Benchmarking über das, was andere bereits getan haben, und dann eine Roadmap erstellen. Wir haben in jeder Funktion CSR-Akteure eingerichtet. Menschen aus dem Unternehmen, die diese Anliegen vorantreiben. Und dieses Büro wurde zum Ausgangspunkt für diese Dynamik.

FNW: Inwiefern?
PPR: Dieses Gebäude hat eine lange Geschichte. Es wurde um 1500 gebaut und befand sich einst im Besitz eines Bankiers, er einen Ballsaal einrichten ließ, der auch eine vom Papst gesegnete Kapelle war! Wir setzten uns mit dem Stromverbrauch auseinander und stellten die Beleuchtung auf LED-Lampen um. Unser Strom stammt von Windkraftanlagen, wir verwenden auch kein Heizgas, was an diesem Kanal selten ist. Wir verfügen über ein Klimasystem, das die Körperwärme, sowie die von den Computern und Geräten erzeugte Wärme recycelt. Und wir haben auch ein Entsorgungssystem. Es gibt keine andere Wahl, als den Worten Taten folgen zu lassen.
 
Rund 80 Prozent unserer Läden werden ökologisch verantwortungsvoll geführt. Wir haben auch ein grünes Etikett eingeführt, das schlussendlich alle Produkte auszeichnen soll. Vor einem Jahr waren 25 Prozent unserer Produkte mit einem solchen Etikett ausgestattet, heute sind es über 50 Prozent, ein Riesensprung. Es geht mehr darum, dass wir stolz auf uns sind, als um dies an die Öffentlichkeit zu tragen.

Ein weiterer Schlüsselpunkt sind die Verpackungen. Wir beziehen 100 Prozent FSC-zertifiziertes Papier – das nicht aus Regenwäldern stammt. Wir haben das Füllmaterial aus fast allen Taschen entfernt und packen unsere Produkte flach für den Transport, um Platz zu sparen.



Ein Bild von Valletta der Amber Valletta x Karl Lagerfeld-Kampagne - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Karl Lagerfeld


FNW: Welche Rolle spielt Amber Valletta als Nachhaltigkeitsbotschafterin?
PPR: Vor acht Jahren wandte sich Amber an Karl, da sie eine nachhaltige Kollektion entwerfen wollte. Die Idee gefiel Karl und wir besprachen mögliche Ansätze und Quellen. Doch das Unternehmen war noch sehr jung. Ehrlich gesagt, wusste ich damals noch nicht, wie wir dies richtig bewerkstelligen und es zu dem machen konnten, was es sein sollte. Wir brauchten Zeit, um alles richtig zu machen. Doch wir trafen uns weiterhin in LA und Paris und dann vor zwei Jahren war die Zeit gekommen. Ich muss sagen, wir sind alle sehr beeindruckt, wie sachkundig Amber diesbezüglich ist und wie viel sie über die Schlüsselelemente der Nachhaltigkeit gelernt hat: Von Sammelstellen bis zu Schlüsselpartnern.

FNW: Was hat Sie dazu gebracht, Amber zur Botschafterin zu ernennen?
PPR: Wir gingen mit der Idee zielgerichtet vor, doch merkten wir schnell, dass wir von beiden Seiten so viel mehr Leidenschaft einbringen mussten. Deshalb sagten wir uns, lasst uns etwas anstreben, das über das Produkt hinausgeht. Es ist schön und angenehm, mit ihr zu arbeiten, aber auch anstrengend, da sie uns dazu anspornt, das Beste aus uns herauszuholen. Wir begannen mit individuellen Produkten und dann unserem kompletten Produktzyklus. Nun befassen wir uns mit der Möglichkeit, Produkte zurückzunehmen, oder auszuleihen, die Zusammenarbeit bringt immer neue Ansätze hervor.

FNW: Wie ist Ihr Jahr bisher verlaufen?
PPR: Für das Geschäftsjahrs bis Ende März werden wir den Jahresumsatz um 40 Prozent gesteigert haben. Ich muss mich dabei kneifen, wenn ich das sage. Es ist sehr beruhigend. Wir hatten während der Pandemie keinen wirklichen Einbruch, nur einen Rückgang um 4 Prozent. Nun befinden wir uns rund 35 Prozent über dem Vor-Pandemie-Niveau. Und für das nächste Jahr visieren wir ein Wachstum von 20 bis 25 Prozent an.

FNW: Wie hoch ist Ihr Jahresumsatz?
PPR: Sagen wir es so: Die Summe aller Umsätze im Einzelhandel liegt bei knapp einer Milliarde Dollar.



Im Innern des Büros in Amsterdam - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Karl Lagerfeld - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Karl Lagerfeld


FNW: Wie hoch lag dieser Wert als Sie CEO wurden?
PPR: Vor zehn Jahren im zweistelligen Millionenbereich.

FNW: Wie viele Lizenzen führen Sie aktuell?
PPR: Wir haben rund 15 Lizenzen in den verschiedenen Regionen. Wie G-III, das auch einer unserer Shareholder ist und weltweit Taschen und in den USA Schuhe in Lizenz anbieten.

FNW: G-III hat soeben Sonia Rykiel übernommen. Welche Pläne hat das Unternehmen?
PPR: Da bin ich nicht beteiligt, doch glaube ich, dass Rykiel über ein großartiges Erbe und eine tiefe Seele verfügt. Und es wäre wirklich schade, wenn dies in Zukunft nicht weiterentwickelt werden könnte.

FNW: Wie haben Sie auf den russischen Einmarsch in die Ukraine reagiert?
PPR: Unser D2C-Geschäft mit Karl.com liefert nicht nach Russland.
Alle unsere Läden in Russland werden durch Franchisepartner betrieben, wir besitzen selbst keine Verkaufsstellen.

FNW: Wann geht das Haus von Karl Lagerfeld an die Börse?
PPSLacht. Oh, das ist sehr schwer vorauszusagen, da wir eine sehr heterogene Shareholder-Gruppe haben. Das ist ihre Angelegenheit.
Aber man kann davon ausgehen, dass es irgendwann zu einer Konzentration der Aktionäre kommen wird.
 
FNW: Was sind ihre nächsten großen Projekte?
PPR: Ich freue mich darauf, die Capsule mit Cara Delevingne zu präsentieren. Sie war Teil der Familie und Karl mochte sie sehr. Wirklich. Mit gefällt die Idee, da es der DNA von Karl entspricht, ziemlich "gender fluid" zu sein. Und genau das ist diese Kollektion. Karl Lagerfeld sagte oft, wir sollten eine geschlechtsneutrale Kollektion unter dem Namen KGB – Karl Girls and Boys – einführen. Ich kann mir vorstellen, dass Caras Kollektion in 100 Läden weltweit, in unseren Stores und einigen ausgewählten Handelspartnern angeboten wird. Ambers Kollektion war, wenn ich mich recht erinnere, in mehreren Hundert Verkaufsstellen, da sie stärker auf Taschen ausgerichtet war.

FNW: Was ist der nächste Schritt mit Sébastien Jondeau?
PPR: Auch er ist Teil der Karl-Familie. Sébastien war bereits Markenbotschafter als Karl noch lebte, und wir haben ihn in den Entwicklungsprozess einbezogen. In der Menswear, besonders bei der Sportswear. Er bringt viele Erkenntnisse und praktische und funktionelle Ideen ein. Er entwirft die Produkte und skizziert sie.

FNW: Wie stehen die Chancen für ein Karl-Museum?
PPR: Das schließen wir nicht aus, besonders angesichts des Archivs. Wir haben das gesamte Archiv nach Amsterdam geholt und es in einem spezifischen Raum untergebracht. Alles wurde digitalisiert und die Kleidungsstücke archiviert. Somit wäre ein Museum in Zukunft gut möglich.

 

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