Kering: Verdacht auf Steuerhinterziehung auf Konzernebene

Wie das Newsportal Mediapart berichtet, steht der französische Luxuskonzern Kering unter Verdacht, seit 2002 rund EUR 2,5 Milliarden Steuern hinterzogen zu haben, "hauptsächlich in Italien", aber auch in Frankreich und Großbritannien.


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Gucci – Herbst/Winter 2018 - Mailand - © PixelFormula

Gegen das italienische Luxuslabel Gucci, Wachstumstreiber der Kering-Group, wurde in Italien wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung ein Verfahren eröffnet. Ende 2017 wurden in den Büros am Hauptsitz Durchsuchungen durchgeführt. Die Mailänder Staatsanwaltschaft verdächtigt das Unternehmen, in Italien erfolgte Geschäftstätigkeiten mehrere Jahre lang in der Schweiz deklariert zu haben. Somit seien dem italienischen Fiskus bis zu EUR 1,3 Milliarden entgangen, wie die Tageszeitschrift La Stampa vermutet.

Mediapart geht nun noch einen Schritt weiter: "Dieser Betrag ist nur die Spitze des Eisbergs. Vertrauliche Dokumente, die Mediapart einsehen konnte und dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations (EIC) weiterreichte, zeigen, dass sich der Verdacht nicht auf die Ebene von Gucci beschränkt, sondern in viel bedeutenderem Umfang die ganze Kering Group betroffen sein könnte".

Diesen Unterlagen zufolge habe "die weltweite Nummer 2 der Luxusbranche seit 2002 rund EUR 2,5 Milliarden Steuern hinterzogen, hauptsächlich in Italien, aber auch in Frankreich und Großbritannien".

Das Newsportal verweist auf ein weiteres in seinem Besitz befindliches Dokument, in dem "die Staatsanwaltschaft Mailand festhält, dass Kering ein "undurchsichtiges" Geflecht erstellte, um Steuern zu hinterziehen".

"Nach der Übernahme von Gucci im Jahr 2000 weitete Kering das vom italienischen Konzern ausgearbeitete System auf alle seine Luxusmarken (exkl. Schmuckunternehmen) aus, darunter auch die französischen Marken Balenciaga und Yves Saint Laurent. Das Modehaus Saint Laurent ist in Frankreich für die Hinterziehung von Steuern in Höhe von ca. EUR 180 Millionen verantwortlich", so Mediapart.

Auf Anfrage wollte Kering am Freitagabend die von Mediapart genannten Summen nicht kommentieren, doch in einer Mitteilung ließ das Unternehmen wissen, es habe "eine Unternehmensführungsstruktur eingeführt, die die volle Konformität mit den Steuergesetzen in den entsprechenden Ländern gewährleistet".

Der Konzern von François-Henri Pinault weist darauf hin, dass das Schweizer Unternehmen LGI "einen wichtigen strategischen Knotenpunkt darstellt, insbesondere für die zentralisierten Vertriebs- und Logistiktätigkeiten der Kering-Marken". Das Unternehmen sei "in den 1990er Jahren in der Schweiz gegründet" worden und beschäftige heute über 600 Angestellte.

"Jede der in der Schweiz niedergelassenen Konzernmarken erbringt vor Ort eine tatsächliche Wirtschaftsleistung. Daher bezahlt der Konzern die in der Schweiz anfallenden Steuern, in Übereinstimmung mit dem Gesetz und dem steuerrechtlichen Status des Unternehmens. Dieses Betriebsmodell ist den französischen und anderen zuständigen Steuerbehörden bekannt", bestätigt Kering.

Mediapart beteuert seinerseits, dass "Kering nicht davor zurückschreckte, zwanzig Gucci-Kaderstellen fiktiv in die Schweiz zu verlegen, um die Versteuerung in diesem Land zu rechtfertigen, obwohl die betreffenden Personen in Wirklichkeit in Italien arbeiten".

Weiter nennt das Portal die Namen von "zwei Briefkastenfirmen", die "das Geflecht kontrollieren": Kering Holland und deren Tochter Kering Luxembourg. Diese "führen die in der Schweiz erwirtschafteten riesigen Gewinne dem Konzern wieder zu". Der Luxuskonzern erklärte lapidar, dass die Unternehmen Kering Holland NV und Kering Luxembourg SA "der Kering Group keine Steuervorteile eröffnen".

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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