Königlicher Jazz bei Erdem in Windsor Castle

London Fashion Week: "Ich liebe die Idee, die Rollen zu tauschen. Also wurde daraus eine Jazz-Sängerin in einem königlichen Palast oder die Queen in einem Nachtclub.", erklärte Erdem Moralioglu lächelnd nach seiner Fashion Show in London.

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Erdem - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - London - © PixelFormula

Ein Hauch von Couture durchflutete die britische Hauptstadt an einem nassen Montag, nirgendwo anders als bei Erdem. Der Designer verbrachte seine Zeit diesen Sommer über mit dem Erforschen des ganz persönlichen Kleiderschranks der Queen in Windsor Castle.

Während er dort im Schloss war, stolperte er über ein Foto von 1958, das ein Treffen zwischen der Queen und Duke Ellington in – ausgerechnet – Leeds zeigte, und damit seine kreativen Säfte in Wallung brachte. Anscheinend war ihr Vater König Georg VI. ein großer Fan von Duke.

Das Ergebnis war gleichzeitig gewagt und damenhaft. Sein Lookbook fing brillant diese Stimmung ein, mit Aufnahmen der tanzenden Queen und der Jazz-Sängerin Dorothy Dandridge, die in Seide schwelgte.

Die aktuelle Kollektion war eines Pariser Top-Couture-Ateliers würdig, da Erdem mit britischen Bezugspunkten wie Disteln, Lauch und Rosen spielte, und diese in wunderbare Ballkleider verwandelte. Sie waren von den Kleidern der Brautjungfern inspiriert, die sie bei der Krönung der Queen trugen. Aber sie waren etwas seltsam oberhalb der Knöchel abgeschnitten und ungesäumt gelassen.

 

Er schickte ebenfalls dramatisch ausgestellte Mantelkleider in wilden Jacquard-Mustern auf den Laufsteg und mehrere prächtige, verblasste Prince of Wales-Karomäntel mit massiven, vertikalen Schleifen. Das alles mit High Heels und langgestreckten, mit Perlen bedeckten Satin-Espadrilles abgerundet.

"Ich wollte die Formalität nehmen und sie auf den Kopf stellen.", erklärte der türkisch-britische Designer aus Kanada hinter der Bühne und bedankte sich explizit bei Caroline de Guitaut, der Chefin für Dekorative Kunst des Royal Collection Trusts, die diese Kollektion ermöglichte.

Erdem zeigte ein schmales Oeuvre. In dieser Show gab es kein einziges Hosenpaar. Aber die Kollektion war von enormer Schönheit. In einer stillgelegten Garage, die als dekadente 1950er-Jazz-Bar umgestaltet war, erhielt die Show einen donnernden Applaus.

"Duke Ellington war nach dem Treffen mit der Queen so begeistert von ihr, dass er dieses wundervolle, sexy, dramatische Musikstück schrieb. Es ging im Smithsonian Museum verloren und wurde erst im Jahr 2002 wieder aufgeführt. Nachdem es nur einmal gespielt worden war!", rief Erdem begeistert aus, dessen Finale aus dem "The Queen's Suite" von Ellington und seinem Orchester bestand.

"Also dachte ich an Duke und den Cotton Club und an Dorothy Dandridge, Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Ich wollte einen wunderbaren Austausch, einen Rollentausch. Als ob die Queen die ganze Nacht getanzt hätte. Zwei große, unterschiedliche Welten, die kollidieren. Nach diesem Sommer brauchten wir etwas Feierliches.", schloss er nach der Inszenierung von Londons bestem Mode-Moment dieser Saison ab.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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